Der breiten Öffentlichkeit ist der Manager wegen seiner Rolle bei der nationalen Airline in Erinnerung. Seiner vielschichtigen Karriere ausserhalb der Luftfahrt wird das nicht gerecht.

22.10.2026, 05.30 Uhr

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Mario Corti ist nach den Turbulenzen rund um den Untergang der Swissair in die USA ausgewandert.

Mario Corti ist nach den Turbulenzen rund um den Untergang der Swissair in die USA ausgewandert.

David Degner für NZZ

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Die Schweiz kennt ihn als «Mister Swissair». Das führt in die Irre. Mario Cortis Karriere ist breiter. Aufgewachsen in Bern, studiert der Sohn eines Unternehmers (Heimatorte Winterthur und Stabio) in Lausanne und an der Harvard Business School Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und schreibt eine Dissertation über die EG-Agrarpolitik.

In der deutschen, lateinischen und angelsächsischen Kultur zu Hause, spricht er vier Sprachen so fliessend, dass er in allen oft und gerne Witze erzählt. Er arbeitet zuerst beim Aluminiumkonzern Kaiser in Kalifornien. Bei der Schweizerischen Nationalbank steigt er zum Stellvertretenden Leiter des für den Kapitalmarkt zuständigen II. Departements auf.

Von dort wird er mit 40 Jahren zum Delegierten des Bundesrates für Handelsverträge und Stellvertreter des EWR-Chefunterhändlers Franz Blankart im Bundesamt für Aussenwirtschaft berufen. In beiden Ämtern winken höhere Weihen.

Dank Nestlé zur Swissair

Doch Corti hat ein unternehmerisches Gen. Er wechselt 1990 zu Nestlé, zuerst in den USA, ab 1995 als Finanzchef in der Generaldirektion in Vevey. Das Engagement bei der Swissair ist Zufällen geschuldet – und einem Patriotismus, wie man ihn selten findet. Er wird Mitglied des Verwaltungsrates, weil Nestlé dort immer vertreten ist.

Dazu kommt die vom Vater geerbte Flugbegeisterung. Lizenzen für das Steuern von Linienmaschinen mit 58 Jahren und später als Fluglehrer zeugen davon. Im März 2001, Corti ist noch kein Jahr Verwaltungsrat, wird er Präsident und Delegierter, nicht, weil er das gesucht hat, sondern weil der restliche Verwaltungsrat beschliesst, wegen der gescheiterten Hunter-Strategie zurückzutreten. Einen Tag bevor er sich überreden lässt, versichert er mir, den Krisenjob nicht zu übernehmen.

Stunden später sagt er, es komme anders, und engagiert sich mit Herzblut für eine Ikone der Schweiz. Der mit gut 20 Millionen Franken dotierte Fünfjahresvertrag, den Medien skandalisieren, ist kein Widerspruch. Corti gibt eine attraktivere Stelle für ein Himmelfahrtskommando auf. Das Paket enthält Optionen als Erfolgsprämie. Der neue Arbeitgeber kauft ihm zudem sein Haus in der Romandie ab, das er aufgrund des Arbeitsorts Zürich nicht mehr braucht.

«Super-Mario» räumt auf

Und Corti, damals für viele «Super-Mario», liefert. Er bringt Transparenz in das Finanzwirrwarr, legt ein Sanierungsprogramm vor, will Tochtergesellschaften verkaufen und tausend Stellen abbauen. Doch der 11. September 2001 macht alles zunichte. Der Bundesrat verweigert die Bundesgarantie von einer Milliarde Franken, die wegen des Terroranschlags nötig wird, um die Liquidität zu sichern, und die Banken spielen ihr eigenes Spiel.

Das Grounding wird unvermeidlich. Später bringt der Bundesrat zusammen mit Privaten 4,2 Milliarden Franken für eine Rettung auf, bevor er das Unternehmen an die Lufthansa verkauft. «Peanuts», gemessen an den Beträgen in den Fällen UBS und CS.

Nach dem Grounding folgt eine schändliche Suche nach Sündenböcken. Gut zwanzig Jahre muss sich Mario Corti zusammen mit Mitangeklagten in Prozessen wehren. Sein Büro gleicht ob der Wände voller Bundesordner einer Anwaltskanzlei. Er wird zwar weder straf- noch zivilrechtlich je verurteilt, einzig ein zivilrechtlicher Vergleich, um die Verfahren endlich abzuschliessen, trübt die Bilanz.

Enttäuscht von den vermeintlichen Freunden

Aber sein Leben ist verpfuscht. Er und seine Frau Joy, die die Schweiz mehr liebt als ihre Heimat USA, meiden fortan die Schweiz, enttäuscht über das Land, seine Medien und die vermeintlichen Freunde aus der sogenannten Elite.

Doch es scheint, der Held, der zum Sündenbock gemacht wurde, werde in der Bevölkerung langsam als Held wahrgenommen, obschon als tragischer Held, weil sein Einsatz wegen der Umstände und des unkooperativen Umfelds nichts fruchtete.

Zum 80. Geburtstag, den Mario Corti heute feiert, wäre eine solche Rehabilitation vermutlich das schönste Geschenk, denn im Herzen ist er trotz Bitternis Patriot geblieben.

Gerhard Schwarz war von 1994 bis 2010 Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion.

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Im Schatten der Swissair-Pleite spielten sich weitere Dramen ab. Die Firmen mussten sich neu erfinden. Heute gibt es auch Kandidaten für einen Börsengang darunter.

Daniel Riediker war Co-Pilot bei der Swissair, als dieser 2001 das Geld ausging. Heute fliegt er für die Swiss und sagt, dass alles ganz anders sei als damals. Vor allem, weil es sich nun um eine deutsche Airline handle.

Source: Neue Zürcher Zeitung · Gerhard Schwarz

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