Vögel und Hitze So geht es den Zugvögeln nach dem heissen Sommer

Vor dem Flug in den Süden stärken sich Zugvögel im Solothurner Jura. Die Hitze kann Auswirkungen haben.

War der Hitzesommer auch ein Stresstest für die Zugvögel? In Welschenrohr SO suchen Ornithologinnen und Freiwillige nach Spuren. Seit fast 60 Jahren beobachten sie dort den Vogelzug.

Aktuell läuft die Herbst-Messkampagne. Wie jeden Morgen suchen Freiwillige von Birdlife mit Feldstechern und Ferngläsern den Himmel ab. Sie leben wochenweise in einem Chalet und führen von Sonnenaufgang bis -untergang Statistik. Zudem fangen sie Vögel mit Netzen, um diese zu bestimmen, auszumessen und zu beringen.

Hitze hat Einfluss

Im Solothurner Jura können sich die Vögel vor ihrer langen Reise in den Süden nochmals stärken. Im Naturschutzgebiet finden sie genügend Nahrung. «Die Vögel haben hier ein All-you-can-eat-Buffet», schmunzelt Barbara Schlup, die Leiterin der Beobachtungs- und Beringungsstation.

Legende: Der gefangene Baumläufer schaut grimmig. Erkennbar sind die scharfen Krallen, mit denen sich der kleine Vogel an Baumstämmen festhalten kann. SRF/Nina Köpfer

Auch nach dem heissen Sommer ist der Tisch für die Vögel reich gedeckt. Die Hitze hat aber Auswirkungen, so Schlup, etwa auf Mauersegler. «Es kann sein, dass die Jungen in den Brutkästen zu heiss haben und sterben. Das hat man dieses Jahr gemerkt.» Bei trockenem Boden würden sich zudem Würmer in tiefere, feuchte Schichten zurückziehen und dort für Vögel als Nahrung unerreichbar werden.

Die Zugvögel auf dem Subigerberg stammten nicht alle aus der Schweiz. «Wir wissen nicht, wie das Wetter in Nord- oder Osteuropa war.» Die meisten gefangenen Tiere machten aber einen gesunden Eindruck. «Sie haben viel Fett. Von den Insekten her war der Sommer wahrscheinlich nicht schlecht und nun hat es viele Beeren.»

Stress klein halten

Buchfink, Mönchsgrasmücke oder Sumpfmeise: Etliche Arten machen Rast auf dem Subigerberg. An den Hängen bei der Station stehen feinmaschige Netze. Die Vögel sehen die Netze nicht, fliegen in die Maschen und fallen in eine Netztasche. Auch jetzt zappelt es im Netz.

Legende: Rund zehn Freiwillige beobachten auf dem Subigerberg während der Messkampagne täglich die Vögel. Neben dem Wohnchalet gibt es die eigentliche Beringungsstation. SRF/Nina Köpfer

Barbara Schlup befreit das Rotkehlchen und steckt es in einen Beutel. Dort beruhigt es sich schnell. Das «Rotbrüstli» hat bereits einen Ring am Bein. In der Station wird dieser später geprüft.

Für die Vögel seien Fang und Kontrolle grosser Stress, meint die Stationsleiterin. «Wir versuchen, diesen so klein wie möglich zu halten. Indem wir schnellstmöglich zu den Netzen gehen, die Vögel so kurz wie möglich behalten und sie gleich wieder freilassen.»

Nur aus der Nähe eindeutig

In der Station wartet bereits ein anderer Fang. Ökologin Schlup ist unsicher, ob es sich um einen Wald- oder einen Gartenbaumläufer handelt. Aus der Ferne in der Luft wäre eine Unterscheidung unmöglich.

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  • Bild 1 von 6. Zum Wiegen legt Barbara Schlup die Vögel in Stoffbeuteln auf die Waage (hinten Mitte). Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.

  • Bild 2 von 6. Dieses Rotkehlchen ging zum zweiten Mal ins Netz und ist bereits mit einem Ring erfasst. Es kommt aber als «Kontrollfang» in die Statistik. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.

  • Bild 3 von 6. Auch diese Amsel wird beringt und kommt mit Gewicht, Flügelspannweite, Alter und Gesundheitszustand in die Statistik. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.

  • Bild 4 von 6. Auch der kleinste Vogel erhält einen Ring zur Identifikation ans Bein. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.

  • Bild 5 von 6. Vogelfang mit Netzen ist eigentlich verboten. Beringungsstationen benötigen dazu eine Genehmigung. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.

  • Bild 6 von 6. Früher auf Papier, heute elektronisch: Die Tagesstatistiken der Zählung auf dem Subigerberg sind aktuell online abrufbar. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.

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Aus der Nähe zeigt sich: Der neun Gramm leichte Vogel hat starke Krallen und einen Schwanz, mit dem er sich am Stamm abstützen kann. Es ist ein Baumläufer. Mit Gewicht, Flügelspannweite, Alter und Gesundheitszustand kommt der Vogel in die Statistik.

Auch das Rotkehlchen wurde begutachtet. Die Beringung zeigt, dass der Jungvogel bereits vor zwei Wochen auf dem Subigerberg ins Netz ging. Er wird die Reise in den Mittelmeerraum zum ersten Mal antreten.

Daten aus 60 Jahren auswerten

Rückschlüsse auf die Entwicklung der Population durch den Hitzesommer oder den Klimawandel seien nur aufgrund der gefangenen Vögel gewagt, so Schlup. «Wir fangen nur einen Bruchteil – das sind Promille der Vögel, die hier durchfliegen.» Aussagekräftiger seien die Beobachtungen. «Wir sehen, dass einige früher, manche später abfliegen, dass neue Arten hier sind oder gewisse Bestände zunehmen.»

Legende: Wahrscheinlich eine der wenigen Katzenklappen, durch die Vögel in die Freiheit fliegen. Das Rotkehlchen wird nach der Kontrolle freigelassen. SRF/Nina Köpfer

Die Daten der letzten 60 Jahre aus dem Solothurner Jura werden aktuell ausgewertet. Noch dieses Jahr sollen die Ergebnisse da sein.

Source: SRF · 25.10.2026, 12:13

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