Nach einem Kaiserschnitt hat mehr als jede dritte Frau Probleme mit der Narbe, teilweise mit gravierenden Folgen. Es ist die grosse unerkannte gynäkologische Krankheit nach der Endometriose. Drei Betroffene erzählen.

31.10.2026, 05.05 Uhr

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Catherine Hayat bringt ihren Sohn Henrik nachts in einem kleinen Spital in Luxemburg zur Welt. Es ist Ende Oktober 2008. Hayat hat einen notfallmässigen Kaiserschnitt. Es ist bereits der zweite Eingriff dieser Art bei ihr.

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Nach dieser Geburt ist vieles anders. Catherine Hayat hat Schmerzen während ihrer Menstruation, jahrelang: heftige Krämpfe im Unterleib, starken Durchfall. Sie hält es ohne Schmerzmittel kaum aus. Das Blut, das sie verliert, ist dunkelrot, fast schwarz, und klumpig. «Es roch komisch, wie altes Eisen.»

Catherine Hayat, die heute 43 Jahre alt ist und in Effretikon als Betreuerin in einer Asylunterkunft arbeitet, leidet neun Jahre unter starken Schmerzen während der Menstruation. Und versucht mehrere Jahre vergeblich, nochmals schwanger zu werden.

Sie sucht verschiedene Ärzte auf. Hayat wird zur Darmspiegelung geschickt, weil man zuerst Morbus Crohn vermutet, eine schmerzhafte und chronisch entzündliche Erkrankung des Darms. Doch ohne Befund. Hayat vermutet, dass es ein gynäkologisches Problem ist. Ihrer Frauenärztin schildert sie ihre Beschwerden immer wieder, doch diese entgegnet abweisend: Das gehöre zur Menstruation, sie solle Schmerzmittel nehmen.

Catherine Hayat mit ihrer Tochter Yalina, fotografiert in Effretikon. Jahrelang hatte sie starke Schmerzen bei der Menstruation und konnte nicht schwanger werden.

Catherine Hayat mit ihrer Tochter Yalina, fotografiert in Effretikon. Jahrelang hatte sie starke Schmerzen bei der Menstruation und konnte nicht schwanger werden.

Jahrelang haben Frauen solche Sätze auch bei einer anderen Krankheit zu hören bekommen: der Endometriose, also schmerzhaften Wucherungen in der Gebärmutter, die häufig über Jahre hinweg nicht erkannt oder falsch behandelt werden. Es ist Ausdruck eines strukturellen Problems: Frauen wird im Gesundheitswesen oft nicht zugehört, ihr Schmerz nicht ernst genommen – das belegen zahlreiche Studien.

Catherine Hayat und ihr Mann versuchen über Jahre vergeblich, ein weiteres Kind zu bekommen. Hayat hat zwei Fehlgeburten. Sie sitzt im Wartezimmer der Frauenarztpraxis und sieht zu, wie anderen Schwangeren gratuliert wird. Sie hingegen wird angewiesen, zur Ausschabung anzutreten, sollte sie in den nächsten Tagen nicht bluten. Bei diesem Eingriff werden Reste von Schwangerschaftsgewebe mit einem speziellen Instrument aus der Gebärmutter entfernt.

Das Spermiogramm ihres Mannes ist zwar schlecht, «aber ich wusste, dass auch bei mir etwas nicht stimmt». Untersucht wird sie trotzdem nicht – stattdessen empfiehlt die Frauenärztin eine teure Privatklinik für eine künstliche Befruchtung. Da hat Hayat genug und wechselt die Ärztin.

Bei der neuen Gynäkologin fühlt sie sich endlich ernst genommen. «Sie hat mich sofort eingehend untersucht.» Die Ärztin hat eine Vermutung – und überweist Hayat an den Spezialisten Patrick Imesch in Zürich.

Ausbuchtungen, Löcher oder Verwachsungen

Patrick Imesch leitet eine eigene Praxis an der Klinik für Gynäkologie am Bethanien-Spital in Zürich. Er ist Spezialist für Endometriose – und für eine Krankheit, die in der Öffentlichkeit noch derart unbekannt ist, dass sie bis heute nicht einmal einheitlich bezeichnet wird: die sogenannte Kaiserschnittnarbenerkrankung.

Zur Person

Patrick Imesch

Leitender Arzt für Gynäkologie am Universitätsspital Zürich und mit eigener Praxis an der Zürcher Privatklinik Bethanien.

Bei mehr als jeder zweiten Frau bleibt nach dem Kaiserschnitt eine innere Narbe zurück, die unvollständig verheilt. Mediziner sprechen von einer «Nische»: Die Gebärmutterwand ist dabei stellenweise sehr dünn, oft weniger als zwei Millimeter. Es kommt zu Ausbuchtungen, in denen sich Periodenblut ansammelt. Manchmal klafft auch ein Loch, oder Teile der Gebärmutter verwachsen mit der Blase.

Nicht alle Frauen spüren davon etwas. Doch 30 bis 40 Prozent der Betroffenen leiden: unter Blutungsstörungen, chronischen Schmerzen im Unterbauch, Schmerzen beim Sex. Manche werden nach dem Kaiserschnitt nicht mehr schwanger, andere erleiden Fehlgeburten – oder haben lebensbedrohliche Komplikationen bei einer Folgeschwangerschaft.

In seinem Behandlungszimmer im Bethanien-Spital klickt Imesch durch eine Präsentation. Der Titel: «Sectionarbe! Hält der Uterus beim nächsten Kind?» Er zeigt Bilder von schlecht verheilten Narben, zum Teil auch fingerdicken, gelblichen Narbensträngen zwischen Gebärmutter und Bauchdecke. «So sollte das nicht aussehen. Da ist es keine Überraschung, dass man hier Schmerzen hat», sagt er.

Was sich bei jeder Körperbewegung dehnen müsste, sei hier starres, festgezurrtes Gewebe. Für Patientinnen fühle es sich an, als hätten sie dort, wo die Gebärmutter sitze, einen Stein. Imesch hat Frauen erlebt, die vor Schmerzen kaum aufrecht stehen konnten.

In den 1990er Jahren wird die Nische erstmals in der Fachliteratur beschrieben, dann aber lange kaum beachtet. Erst 2023 erkennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sie offiziell als Krankheit an. Bis heute fehlen fundierte Studien, und nicht einmal die Definition ist einheitlich.

Klar ist: Mit jedem weiteren Kaiserschnitt steigt das Risiko für eine Nische, nach dem dritten liegt die Rate bei nahezu 100 Prozent. «Bei unserer aktuellen Kaiserschnittrate von 33 Prozent ist das Problem also beachtlich», sagt Patrick Imesch. Allein im Jahr 2023 gebaren in der Schweiz mehr als 15 000 Frauen per Kaiserschnitt. Zehntausende Frauen dürften somit unter den Spätfolgen leiden.

Schmerzfrei nach dem Eingriff

Als Patrick Imesch Catherine Hayat untersucht, findet er tatsächlich eine Nische: An einer dünnen Stelle hat sich Menstruationsblut angesammelt, es gibt Entzündungen und Verwachsungen – ein möglicher Grund für ihren unerfüllten Kinderwunsch. Studien zeigen, dass altes Zellmaterial in einer solchen Nische Spermien abtötet. Zudem stellt Imesch bei ihr Endometriose fest, ebenfalls eine häufige Folge einer defekten Narbe.

Will Catherine Hayat nochmals schwanger werden, muss sie sich operieren lassen. Für sie steht der Entschluss fest: Im November 2017 – nach neun Jahren mit Beschwerden – wird sie operiert. Imesch öffnet die alte Narbe, entfernt altes Wundmaterial und vernäht den Bereich neu, so dass die Gebärmutterwand wieder dicker wird.

Die Folgen der Operation seien schmerzhaft gewesen, sagt Hayat. Doch danach verheilt alles gut, und ihre Beschwerden sind sofort weg. Aber kann sie auch wieder schwanger werden?

Ein «Gebastel»

Noch ist nicht abschliessend geklärt, wie Nischen entstehen und wie sie sich verhindern lassen. Eine Diskussion dreht sich um die Nahttechnik beim Kaiserschnitt: Soll wie bisher einschichtig genäht werden – das heisst, alle Gewebeschichten auf einmal? Oder zweischichtig, um die Gebärmutter separat von innen und von aussen zu verschliessen?

Die einschichtige Naht gilt im Operationssaal seit langem als Standard: Sie erfolgt zügig und kostet wenig. In den letzten Jahren hat sich unter Chirurgen aber eine Gegenbewegung entwickelt, die von dieser Praxis Abstand nimmt. Welche Nahttechnik Nischen effektiv verhindert, ist allerdings unklar: Auch hier fehlt es an aussagekräftigen Studien.

Patrick Imesch ist einer der Spezialisten, die defekte Kaiserschnittnarben korrigieren. Für die Operation hat er ein eigenes Hilfsmittel mitentwickelt: das «Halloween-Sign». Es stellt die Nische während der Operation besser dar und macht sie zugänglicher. Dennoch sei diese Behandlung im Moment noch ein bisschen ein «Gebastel», sagt er: Jeder Arzt mache es ein wenig anders.

Erste kleinere Untersuchungen von Imesch zeigen jedoch, dass über 80 Prozent der Frauen nach einer Behandlung beschwerdefrei leben. Und drei Viertel können wieder schwanger werden.

Weil jedoch das Wissen über die Krankheit in vielen Fällen fehle, hätten Betroffene häufig einen langen Leidensweg hinter sich, sagt Patrick Imesch: «Die Patientinnen haben zum Teil zwei bis drei Jahre lang Blutungsstörungen. Ihre Schmerzen werden zwar mit Hormonen behandelt, doch die Beschwerden klingen kaum ab. Diese Verläufe sind typisch.»

«Ich kannte mich selbst nicht mehr»

Auch Regula Lareidas Geschichte ist typisch. Sie ist 47 Jahre alt und lebt in Sissach im Baselbiet. Nach der Geburt ihres dritten Kindes hat sie so starke Blutungen, dass sie Binden und Tampons kombinieren muss – und selbst das reicht irgendwann nicht mehr. «Ich kam mir vor wie im Schlachthaus.» Das Blut ist klumpig und riecht unangenehm.

Regula Lareidas Zyklus ist unregelmässig, darum weiss sie nie, wann die Blutungen beginnen. Monatelang geht sie kaum noch aus dem Haus, und wenn, dann nur mit Maxi-Binden und Super-Plus-Tampons. Aufs Schwimmen verzichtet sie.

Regula Lareida hatte nach ihrem dritten Kaiserschnitt mehrere Jahre unregelmässige und sehr starke Blutungen. So stark, dass sie ihr Haus kaum noch verliess.

Regula Lareida hatte nach ihrem dritten Kaiserschnitt mehrere Jahre unregelmässige und sehr starke Blutungen. So stark, dass sie ihr Haus kaum noch verliess.

Zu Beginn macht Lareida sich wenig Sorgen: Sie stillt noch, und nach einer Geburt sei ja vieles anders, das werde sich schon wieder geben, denkt sie. Doch das passiert nicht. Ihre Eisenwerte sind niedrig, sie ist ständig müde, zeitweise hat sie Schmerzen und Krämpfe. Nähe zu ihrem Mann lässt sie kaum mehr zu: «Ich wollte nicht mal mehr, dass er mich berührt.» Für ihre Kinder fehlt ihr die Geduld. «Ich kannte mich selbst nicht mehr.»

Als sie einmal abends mit einer Freundin weggeht, merkt sie auf dem Nachhauseweg, dass ihre Hose komplett durchblutet ist. Sie bricht vor Scham in Tränen aus. Und fühlt sich schuldig: Warum funktioniert mein Körper nicht, wie er sollte – und warum kann ich weder für meinen Mann noch für meine Kinder da sein?

Nach einem Jahr lässt sich Regula Lareida untersuchen. Weil man nichts Konkretes findet, legt man ihr am Universitätsspital Basel nahe, die Gebärmutter zu entfernen. Regula Lareida ist damit zuerst überfordert: «Du gibst mit der Gebärmutter etwas ab, in dem deine Kinder gewachsen sind. Ohne dieses Organ gäbe es sie nicht.» Doch der Leidensdruck ist hoch, und sie entscheidet sich für die Operation.

Der Eingriff verläuft gut, vier Wochen muss sich Regula Lareida schonen. Doch sie fühlt sich schnell besser: Die Blutungen sind weg, sie hat keine Schmerzen mehr, dafür viel mehr Energie, und auch ihre Eisenwerte bessern sich. Erst als die Gebärmutter nach der Operation untersucht wird, stellt sich heraus: Es war eine Nische, die Regula Lareida die Beschwerden bereitet hat – altes Menstruationsblut hatte sich darin angestaut.

Bei den Ärzten ist die Nische kaum präsent

Dabei wäre die Diagnose gar nicht kompliziert: Patrick Imesch sagt, grundsätzlich könne jede Frauenärztin und jeder Frauenarzt eine Nische mit einem einfachen Ultraschall entdecken – man müsse jedoch wissen, worauf zu achten sei. Doch gerade in den Gynäkologiepraxen sei das Wissen über Erkrankungen der Kaiserschnittnarbe teilweise noch gering.

Die Krankheit ist im ärztlichen Alltag kaum präsent. Das dürfte vor allem daran liegen, dass es sich bei defekten Kaiserschnittnarben – wie bei der Endometriose – um eine Frauenkrankheit handelt. Auch die postpartale Gesundheitsversorgung von Müttern ist nach wie vor ein vernachlässigter Bereich der Medizin. Sätze wie «Das gehört einfach dazu» und «Nach einer Geburt ist sowieso vieles anders» sind tief verankert.

Wenn Nischen nicht erkannt werden, geht nicht nur wertvolle Zeit verloren. Bei einer Folgeschwangerschaft können sie auch lebensbedrohlich sein.

Zum Beispiel bei Christa Schwarz. Sie ist 41 Jahre alt und lebt mit ihren drei Kindern in Zürich. Weil in ihren ersten beiden Schwangerschaften schwere Komplikationen auftreten, kommen beide Kinder per Notkaiserschnitt zur Welt. Bei ihrer dritten Schwangerschaft wird sie intensiv überwacht.

Christa Schwarz hat schon vor dieser Schwangerschaft Probleme mit der Narbe, wie gravierend diese tatsächlich sind und dass sie vermutlich mit einer unentdeckten Nische zusammenhängen, erfährt sie aber erst nach der Geburt.

Christa Schwarz verlor bei der Geburt ihres dritten Kindes fast ihr Leben. Wegen einer unentdeckten Nische?

Christa Schwarz verlor bei der Geburt ihres dritten Kindes fast ihr Leben. Wegen einer unentdeckten Nische?

In der 25. Schwangerschaftswoche bemerkt die Gynäkologin Auffälligkeiten an der Plazenta von Christa Schwarz. Am Zürcher Universitätsspital zeigt ein Untersuch, dass die Plazenta genau in der alten, schlecht verheilten Kaiserschnittnarbe festsitzt und womöglich sogar durch die Gebärmutterwand gewachsen ist – es besteht der Verdacht auf eine sogenannte Placenta percreta.

Diese seltene Komplikation ist für die Mutter lebensbedrohlich, da sie bei der Geburt innerhalb kürzester Zeit zu verbluten droht. «Es war ein grosser Schock, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet», sagt Christa Schwarz. «Die Risiken oder Folgeschäden von zwei Kaiserschnitten waren nie ein Thema.»

Bei einer möglichen Placenta percreta wird ein Kaiserschnitt in einem dafür spezialisierten Zentrum angeordnet. Christa Schwarz wird für die geplante Geburt ins Universitätsspital Zürich geschickt.

Am Tag der Geburt sind alle nötigen Spezialisten anwesend, sogar ein Urologe, aus Sorge, die Plazenta könnte mit der Blase verwachsen sein. «Alle waren maximal vorbereitet», sagt Schwarz. Die Ärzte wissen: Im besten Fall entkräftet sich der Verdacht. Im schlimmsten Fall aber müssen sie die Gebärmutter entfernen, um Schwarz zu retten.

Christa Schwarz erhält für den Kaiserschnitt eine Teilnarkose. Zuerst scheint alles gut, die Ärzte geben ihr noch Entwarnung: Ihre Tochter sei da, und die Plazenta habe sich gelöst. Doch dann merkt sie, wie Ärzte hektisch zu hantieren beginnen und auf ihren Bauch drücken. Sie wird ohnmächtig. Erst Stunden später wacht Christa Schwarz auf.

Der schlimmste Fall sei eingetreten, erklärt ihr eine Ärztin: Die Gebärmutter zog sich nicht zusammen, es blutete unaufhörlich. Schwarz erhielt Blutkonserven, doch das verlorene Blut liess sich nicht schnell genug ersetzen. Notfallmässig mussten ihr die Ärzte die Gebärmutter entfernen.

Wochen nach der Geburt trifft Schwarz die behandelnde Ärztin zum Gespräch. Der spätere pathologische Befund bestätigt die Placenta percreta. «Es war offenbar sehr knapp», sagt Schwarz. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Plazenta wegen einer Nische so tief festwachsen konnte.

Jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt

In der Schweiz kommen immer mehr Kinder per Kaiserschnitt zur Welt: Mittlerweile ist es landesweit jedes dritte Kind, in wohlhabenden Kantonen wie Zürich oder Zug sind es sogar 40 Prozent. Und dies, obwohl sich die grosse Mehrheit der Frauen eine natürliche Geburt wünscht. Noch im Jahr 1990 lag die Quote zwischen 10 und 15 Prozent. Mit dieser Zunahme erhalten auch die Auswirkungen dieser Operation mehr Aufmerksamkeit – und damit die Kaiserschnittnarbenerkrankung.

In Zukunft dürften diese Raten weiter steigen, weil jeder Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren erhöht – und damit auch das Nischenrisiko. Eine Entwicklung, die Fachleute mit Sorge betrachten, auch Patrick Imesch. «Die hohe Kaiserschnittrate muss kritisch hinterfragt werden. Der Kaiserschnitt rettet Leben, aber er bleibt eine Operation, mit den Risiken einer Operation.» Die medizinische Indikation – also der Entscheid der Ärzte für den Eingriff – müsse strenger geprüft und das Bewusstsein für Langzeitfolgen geschärft werden.

«Mir wäre viel erspart geblieben, hätte man die Nische früher entdeckt»

Catherine Hayat muss nach ihrer Operation im Jahr 2017 sechs Monate warten, bevor sie wieder versuchen darf, schwanger zu werden. Drei Inseminationen bleiben erfolglos, der vierte Versuch im April 2019 glückt. Im Dezember 2019 kommt ihre Tochter Yalina zur Welt. Heute ist sie sechs Jahre alt. Für den erfolgreichen Eingriff ist Hayat «unendlich dankbar».

Für Catherine Hayat war der lange Weg zur Diagnose frustrierend. Sie ist wütend auf die Ärzte im Spital in Luxemburg, die den Notkaiserschnitt durchführten, und die Frauenärztin, die ihre Beschwerden jahrelang kleinredete: «Mir wäre viel erspart geblieben, hätte man die Nische früher entdeckt.» Sie sagt, die Folgeerkrankungen eines Kaiserschnitts müssten mehr Aufmerksamkeit erhalten: «Viele sagen, der Kaiserschnitt sei die einfache Geburt. Die Realität ist aber eine ganz andere.»

Catherine Hayats Tochter Yalina ist heute sechs Jahre alt. Für den erfolgreichen Eingriff ist Hayat «unendlich dankbar».

Catherine Hayats Tochter Yalina ist heute sechs Jahre alt. Für den erfolgreichen Eingriff ist Hayat «unendlich dankbar».

Für Christa Schwarz war es am schwierigsten, dass sie nach der Gebärmutterentfernung keine weiteren Kinder mehr bekommen kann. «Die Endgültigkeit hat mich sehr belastet.» Psychologische Aspekte würden in Spitälern kaum beachtet. Solange medizinisch alles in Ordnung sei, gelte der Fall als erledigt: «Man wird damit völlig allein gelassen.» Auch fehle eine ehrliche Aufklärung über mögliche Langzeitfolgen von Kaiserschnitten. Unterstützung fand Christa Schwarz im Verein «Geburt mit Hysterektomie»: «Da merkte ich erst, wie viele Betroffene es eigentlich gibt.»

Regula Lareidas erste Geburt erfolgt per Kaiserschnitt – erst danach stellt sich heraus, dass ihr Becken für eine natürliche Geburt zu schmal ist. Umso mehr schmerzt sie die Reaktion ihres Umfelds: «Es heisst dann häufig: Aha, du hattest einen Kaiserschnitt.» Immer mit einem wertenden Unterton. Kaum jemand fragt nach den medizinischen Gründen. Für sie ist es wichtig, dieses Stigma abzubauen. Heute sieht sie, was ihr Körper geleistet hat – und ist stolz darauf.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Lisa Aeschlimann, Annick Ramp

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