Erstmals seit der Dittli-Affäre misst eine repräsentative Umfrage die Beliebtheit führender Kantonspolitiker. Die umstrittene Ministerin ist zwar am bekanntesten. Aber ihre Wiederwahl erscheint aussichtslos.
28.10.2026, 13.55 Uhr
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Valérie Dittli ist von der unbekannten Newcomerin zur bekanntesten – und unbeliebtesten – Politikerin der Waadt geworden.
Jean-Christophe Bott / Keystone
Eine Frage hat die Waadtländer Politik seit vielen Monaten umgetrieben: Wie viel Rückhalt hat Valérie Dittli im Zuge ihrer Affären beim Volk? Sehen die Wähler sie als Jeanne d’Arc aus der Deutschschweiz, die endlich mit verkrusteten Strukturen im drittgrössten Kanton der Schweiz aufräumt? Oder haben sie genug von Dittlis frontalen Angriffen gegen ihre Regierungskollegen und ehemaligen Freunde der Mitte-Partei, genug von ihren oft schwer nachvollziehbaren Erklärungen zu immer neuen Vorwürfen?
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Nicht nur Dittlis Vertraute, auch gut vernetzte Waadtländer versicherten im Gespräch, dass viele Bürger hinter der jungen Ministerin stünden, die nach dem Entzug der Finanzen nur noch die Landwirtschaft verantwortet. Dittli sei ein Bauernopfer des Establishments aus FDP und SP, hiess es dann. Bei den kantonalen Wahlen im Februar werde sie gut abschneiden.
Nun gibt es erstmals seit Beginn der Dittli-Affären vor knapp zwei Jahren eine repräsentative Umfrage zur Waadtländer Politik. Das Lausanner Institut MIS Trend hat dazu für die Zeitung «24 Heures» gut Tausend Waadtländer Wahlberechtigte befragt. Die Ergebnisse zeigen einen bemerkenswerten Spagat bei den Werten für Valérie Dittli.
Dittli liegt vor Ex-Nationalratspräsidentin Moret
Die einstige Newcomerin, die bis zu ihrer Wahl 2022 – dank einer Allianz insbesondere mit der FDP – kaum jemand kannte, ist nun die bekannteste Politikerin im Kanton. Nur sieben Prozent der Befragten kennen Dittli nicht, bei einer Fehlermarge von gut drei Prozentpunkten. Dittli liegt somit selbst vor Schwergewichten wie der Ex-Nationalratspräsidentin Isabelle Moret und der Regierungspräsidentin Christelle Luisier.
Zugleich ist die Ablehnung gegen Dittli massiv. 45 Prozent der Befragten sind mit ihrer Arbeit «überhaupt nicht» zufrieden, weitere 20 Prozent sind es «nicht wirklich». Das sind in der Summe gut 20 Prozentpunkte mehr Unzufriedenheit als mit der Regierungspräsidentin Luisier, mit der Dittli sich an einer ungewöhnlichen Medienkonferenz im März 2025 vor laufenden Kameras stritt.
Diese Ablehnung spiegelt sich auch in den Wahlabsichten wider. 51 Prozent der Befragten wollen bei der Staatsratswahl im Februar «sicher nicht» für Valérie Dittli stimmen. Das ist im Schnitt rund mehr als doppelt so viel wie bei den sechs anderen Ministern. Weitere 13 Prozent wollen Dittli zudem «wahrscheinlich nicht» wählen. Damit liegt sie unter den 22 gesicherten und möglichen Kandidaten aller Parteien abgeschlagen auf dem letzten Platz.
Hingegen wollen nur sieben Prozent der Befragten Dittli «sicher» wieder in die Regierung wählen, zwölf Prozent «wahrscheinlich». Bei ihren Amtskollegen liegt dieser Wert zwischen 11+27 Prozent (Moret) und 19+26 Prozent (der ehemalige Nationalrat Roger Nordmann, der seit Juli infolge einer Ersatzwahl Gesundheit und Soziales verantwortet).
Befragte kritisieren Waadtländer Regierung insgesamt
Insgesamt bewerten die Befragten die Arbeit der Regierung in mehreren Punkten sehr negativ. Wenig überraschend gilt das insbesondere für die Kantonsfinanzen (die tief in die roten Zahlen geschlittert sind), den Zusammenhalt, die Transparenz und die Führungsstärke der Regierung.
Dafür scheint das Volk vor allem die bürgerliche Mehrheit verantwortlich zu machen: Mit deren Ministern sind die Befragten überwiegend unzufrieden. Mit den Bisherigen von SP und Grünen sind sie mehrheitlich zufriedener.
Es könnte im Februar also durchaus eine neue Regierungsmehrheit in der Waadt geben. Zumal Valérie Dittli, die für ihre neue Partei Mouvement Libéral antritt, zwar Stand heute wenig Chancen auf eine Wiederwahl hat, zugleich aber mit ihrem Stimmpotenzial von immerhin 19 Prozent den Bürgerlichen kostbare Wähler abluchsen könnte.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Matthias Sander
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