US-Midterms 2026 Zwischen Domino und Politik: Little Havana bleibt republikanisch
Viele Latinos wenden sich von den US-Republikanern ab. Floridas Exilkubaner aber bleiben der Partei treu.
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02.11.2026, 15:12
«Domino ist der Nationalsport der Kubaner», erklärt Lazaro Jordan augenzwinkernd. An einer Strassenecke in Miamis Stadtteil Little Havana wird an mehreren Tischen gespielt. Vor allem ältere Exilkubanerinnen und -kubaner treffen sich hier zum Spiel.
Der 80-jährige Jordan hat bereits gewählt. Seit er vor dreissig Jahren in die USA migrierte, unterstützt er die Republikanische Partei. Von den Demokraten hält er wenig: «Sie kümmern sich nicht um Recht und Ordnung, der Polizei wollen sie gar das Budget kürzen.»
Angst vor Sozialismus prägt die Wahl
Zudem sind dem US-Kubaner die sozialistischen Strömungen in der Demokratischen Partei, die sogenannten «Democratic Socialists» suspekt: «Der Kommunismus hat viele Menschenleben auf dem Gewissen. Wenn die Demokraten den Sozialismus unterstützen, kriegen sie meine Stimme niemals.»
Diese Sichtweise ist in der kubanischen Exilgemeinde weitverbreitet. Das bestätigt die republikanische Abgeordnete María Elvira Salazar, die auf die Unterstützung der kubanischen Gemeinschaft zählt. «Die Kubaner sind zwar nicht mit allen Ideen der Republikaner einverstanden. Doch sie wissen, dass die Gegenseite viel schlimmer ist.»
Salazar hat sich von Präsident Trumps harter Migrationspolitik distanziert, weil die bei den Latinos auf Widerstand stösst. Sonst aber ist sie linientreu und warnt eifrig vor demokratischen Ideen. Insbesondere vor der demokratischen Senatskandidatin in Florida, Angie Nixon, die auch Mitglied der «Democratic Socialists» ist.
Migrationspolitik und Lebenshaltungskosten im Hintergrund
«Die Migrationspolitik der USA unterstütze ich nur zum Teil», erklärt Dagoberto Quintana. Der Kubaner spielt Schlagzeug in einer Bar in Little Havana. Der von Präsident Trump eingeschlagene Kurs sei sehr hart, doch zumindest konsequent: «Wer kriminell wird oder nicht arbeiten will, hat hier keinen Platz.»
Auf die gestiegenen Lebenskosten angesprochen, für die viele Präsident Trump und seine Partei verantwortlich machen, antwortet Quintana: Natürlich sei dies ein Problem. Doch deswegen unterstütze er noch lange nicht die Demokraten. «Ich glaube nicht an den Kommunismus.»
Bereits Neuankömmlinge wissen: Die Republikanische Partei ist die Partei der Kubaner.
Demokraten als Bedrohung wahrzunehmen und sie als Kommunisten zu brandmarken, habe System, erklärt Soziologieprofessor Guillermo Grenier von der Florida International University: «Bereits Neuankömmlinge aus Kuba wissen: Die Republikanische Partei ist die Partei der Kubaner.»
Daran würden auch Trumps harte Migrationspolitik und die hohen Lebenskosten nichts ändern. Die Exilkubaner blieben den Republikanern treu. «Unsere aktuelle Befragung zeigt: Fast 70 Prozent wollen republikanisch wählen.» Im Distrikt von Miami macht die kubanische Gemeinschaft ein Drittel der Bevölkerung aus.
Umfragen zeigen, dass sich Junge und Latinos in den letzten Monaten von den Republikanern abgewendet haben. Diesen Trend stellt Professor Guillermo Grenier bei den Exilkubanerinnen und -kubanern nicht fest. Zwar sind jüngere Kubaner im Schnitt etwas weniger republikanisch. Doch auch bei ihnen dominiert weiterhin die Republikanische Partei. «Sie bietet ein Netzwerk für beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg», so Grenier.
Die Bindung vieler Exilkubaner an die Republikaner entstand laut Grenier in den 1980er-Jahren. Damals hätten die Republikaner intensiv um deren Stimmen geworben – im Gegensatz zu den Demokraten. Auch später, etwa bei Obamas Gesundheitsreform, sei es nicht gelungen, demokratische Errungenschaften zu propagieren. «Die Demokraten liessen die Dominosteine auf dem Tisch liegen» – sie hätten ihre Chance verpasst.
Professor Grenier ist überzeugt: Die Republikanische Partei kann noch lange auf die Unterstützung der Exilkubanerinnen und -kubaner zählen. In Little Havana stösst diese Einschätzung kaum auf Widerspruch. Vorerst steht ohnehin noch eine Partie Domino an.
Source: SRF · Samuel Burri
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