Umweltschäden des Krieges Gaza: Satellitenbilder zeigen dramatischen Verlust an Anbaufläche
Im Gazastreifen haben sich seit Beginn des jüngsten Krieges die Flächen ohne jegliche Vegetation mehr als verdreifacht. Das zeigt eine Studie anhand von Satellitenbildern.
07.11.2026, 11:46
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Der Krieg ist vor allem eine menschliche Tragödie: zerstörte Leben, getrennte Familien, Menschen, die gezwungen sind, aus ihren Häusern zu fliehen. Aber Kriege hinterlassen auch tiefe Wunden in der Umwelt.
Für den Gazastreifen liefert eine neue Studie dazu konkrete Zahlen. Anhand von Satellitenbildern hat ein Team der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der Freien Universität Bozen nachgewiesen, dass zwischen September 2023 und September 2025 die angebauten Flächen in den palästinensischen Gebieten um 65 Prozent zurückgegangen sind. Die Flächen ohne jegliche Vegetation haben sogar um 351 Prozent zugenommen. Der Verlust von Vegetation bedeutet, dass der Boden degradiert und der Anbau von Nahrungsmitteln immer schwieriger wird.
Diese Forschungsergebnisse sind in der Zeitschrift «Progress in Physical Geography» publiziert worden. Sie stehen im Einklang mit den Bewertungen des Umweltprogramms der UNO, das in Gaza «beispiellose Verschmutzungswerte» feststellte, mit Abwässern, Trümmern und giftiger Munition, die den Boden, das Wasser und die Luft kontaminieren.
Die Verantwortlichen der Studie, Michele Torresani und Luigimaria Borruso, sahen sich mit der Schwierigkeit konfrontiert, dass sie den Zustand der Böden wegen des andauernden Konflikts nicht vor Ort untersuchen konnten. Stattdessen verwendeten sie Dynamic World, eine Open-Source-Datenbank zur Analyse der Flächenabdeckung, die auf Bildern des europäischen Satelliten Sentinel-2 basiert.
So konnten die Forscher feststellen, dass im Gazastreifen Ackerflächen und Weiden von 5941 auf 2056 Hektar zurückgegangen sind. Gleichzeitig haben die als «nackter Boden» klassifizierten Flächen von 3918 auf 17'663 Hektar zugenommen. Um die Auswirkungen des Konflikts von eventuellen regionalen Veränderungen zu unterscheiden, hat das Forschungsteam auch ein Gebiet in Israel analysiert. Dort fielen die Veränderungen viel geringer aus.
Die Zukunft hängt von der Fruchtbarkeit ab
Ein Boden ohne Wurzeln und Pflanzenreste verliert seinen Schutz und die Zufuhr organischer Materie. In Gaza seien nicht nur Pflanzen verloren gegangen, betont Luigimaria Borruso, Professor für Ökologie und Bodenbiochemie an der Universität Bozen, sondern auch die Humusbildung und die Nährstoffkreisläufe seien beeinträchtigt worden. Das seien Prozesse, die für die Fruchtbarkeit und die Landwirtschaft elementar seien.
Wie gross der Verlust bei der unterirdischen Biodiversität ist, kann anhand von Satellitenbildern nicht mit Sicherheit gesagt werden. Dafür bräuchte es Messungen vor Ort. Die Fachleute werten das Verschwinden der Pflanzendecke dennoch als ein Warnsignal.
Zum Verlust der Vegetation kommen weitere Faktoren der Degradierung hinzu, wie die Verdichtung durch Schwerfahrzeuge und die Kontamination durch Trümmer, Kohlenwasserstoffe, Metalle und nicht explodierte Sprengkörper.
Gaza ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie die Umweltfolgen eines Krieges über die Feindseligkeiten hinaus andauern können. Auf globaler Ebene fallen auch die Emissionen ins Gewicht: Eine Schätzung der Scientists for Global Responsibility und des Conflict and Environment Observatory schreibt dem Militärsektor, einschliesslich der Zulieferketten, rund 5.5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen zu.
RSI, Il giardino di Albert, 31.10.2026, 18:00 Uhr; noes
Source: SRF · Matteo Martelli & Alessandra Bonzi / RSI
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