Übertragung durch Tigermücke Chikungunya-Virus erreicht die Schweiz: Erste Fälle im Tessin
Im Tessin wurde das Chikungunya-Virus erstmals übertragen. Was bedeutet das für die Schweiz und wie geht es weiter?
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Was ist passiert? Im Tessin ist das Chikungunya-Virus erstmals lokal in der Schweiz übertragen worden. Die betroffenen Personen hatten kürzlich keine Reisen in ausländische Gebiete unternommen, in denen das Virus zirkuliert. Die Fälle seien auf das Gebiet der Magadinoebene nahe Bellinzona zurückzuführen, teilten die Tessiner Behörden mit. Die vier betroffenen Personen verzeichneten einen «günstigen klinischen Verlauf» – abgesehen von anhaltenden Gelenkbeschwerden gehe es ihnen gut, so das Tessiner Departement für Gesundheit und Soziales.
Was ist Chikungunya? Chikungunya ist ein Virus, das von Mücken der Gattung Aedes übertragen wird, zu der auch die asiatische Tigermücke gehört. Einheimische Mückenarten können das Virus nicht übertragen. Der Name des Erregers stammt laut WHO aus der Sprache der Makonde in Tansania und bedeutet etwa «der gekrümmt Gehende» – ein Verweis auf die typische gebückte Haltung infolge starker Gelenkschmerzen.
Wie äussert sich eine Infektion? Symptome treten meist sieben bis neun Tage nach dem Stich auf: hohes Fieber, starke Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Kopfschmerzen, teils begleitet von Hautausschlag. Mehrheitlich verläuft die Infektion harmlos, Gelenkschmerzen können jedoch wochen- bis monatelang anhalten. Schwere Verläufe sind selten und betreffen vor allem ältere oder vorerkrankte Menschen.
Wie kam die Tropenkrankheit nach Europa? Die asiatische Tigermücke als Überträgerin des Chikungunya-Virus hat sich in den letzten Jahren in vielen Regionen Europas angesiedelt. In der Schweiz wurde sie 2003 im Tessin nachgewiesen, 2007 folgte bei Chiasso die erste stabile Population. Entlang von Verkehrsachsen gelangt sie auch nördlich der Alpen – kleine Populationen wurden in Basel und Zürich festgestellt. Nach lokalen Ansteckungen mit Chikungunya in Frankreich (Lipsheim) und Italien sind die vier Fälle im Tessin die ersten bekannten autochthonen Übertragungen in der Schweiz. Von Januar bis August 2026 registrierte das BAG zudem 55 Fälle von Chikungunya-Infektionen bei Reiserückkehrern.
Was bedeutet das jetzt für die Schweiz? Die Tessiner Behörden stufen die Situation trotz der erstmals lokal festgestellten Übertragungen derzeit als risikoarm ein. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt auf seiner Website, dass lokale Übertragungen des Chikungunya-Virus möglich sind, wenn eine infizierte Person nach einer Reise in ein betroffenes Gebiet im Ausland zurückkehrt und während der infektiösen Phase in der Schweiz von einer Tigermücke gestochen wird, die das Virus anschliessend auf weitere Menschen übertragen kann.
Gibt es Medikamente dagegen? Seit April 2026 ist in der Schweiz mit Vimkunya ein Impfstoff gegen Chikungunya für Personen ab 12 Jahren zugelassen. Gemäss dem Schweizerischen Expertenkomitee für Reisemedizin vom Juni 2026 wird die Impfung aber nicht innerhalb der Schweiz, sondern bei Reisen in aktuelle Chikungunya-Ausbruchsgebiete empfohlen.
SRF 4 News, 4.11.2026, 12:30 Uhr ; sda/schh;snep;liea
Source: SRF · 04.11.2026, 15:24
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