Trump, der Sportsmann – wie der US-Präsident den amerikanischen Sport auf verschiedenen Ebenen für sich nutzt
Donald Trump umgibt sich im Wahlkampf mit Kampfsportlern und will einen umstrittenen Ex-Athleten auszeichnen. Der Sport dient ihm zur Wählermobilisierung, aber auch als Mittel im Kulturkampf.
02.11.2026, 14.00 Uhr
4 Leseminuten
Donald Trump umgibt sich gerne mit Kampfsportlern wie dem früheren Boxer Mike Tyson.
Julia Demaree Nikhinson / AP
Donald Trumps Faible für den Sport ist sogar auf den Stimmzetteln der Midterms sichtbar. Die Republikanische Partei hat das Potenzial von Kandidierenden aus dem Dunstkreis des Sports erkannt. In Texas kandidiert der frühere Baseballstar Mark Teixeira bei den Midterms für den Kongress und dürfte in einem konservativen Wahlkreis gute Chancen haben.
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Der frühere NFL-Kicker Jay Feely will seinerseits in Arizona in den Kongress einziehen, die ehemalige Sportmoderatorin Michele Tafoya Senatorin von Minnesota werden. Ein politisches Amt hatte bisher niemand aus diesem Trio inne. Besonders Tafoya und Feely werden am Dienstag einen schweren Stand haben. Die letzten Wahlumfragen sprechen in ihren Wahlkreisen für die Demokraten. Allen sportlichen Heldentaten zum Trotz.
Dass Politiker die Nähe zum Sport suchen, ist ein bekanntes Phänomen. Deutsche Bundeskanzler besuchen während grosser Turniere die Garderobe des Fussballnationalteams, Schweizer Sportminister sitzen auf den Rängen oder empfangen Olympiahelden im Bundeshaus. Der US-Präsident nutzt den Sport jedoch konsequenter für seine Zwecke als seine Amtskollegen in anderen Ländern.
Der Sport ist im amerikanischen Alltag omnipräsent
Für Trump dient der Sport als Projektionsfläche für physische Dominanz. Er nutzt ihn als Mittel im Kulturkampf und für die Wählermobilisierung. Trump weiss: Mit Sport erreicht er ein Millionenpublikum, die grossen Ligen sind im amerikanischen Alltag allgegenwärtig.
Trump war 2025 der erste amtierende US-Präsident, der den Super Bowl besuchte. Auch am Final der Fussball-WM im vergangenen Sommer in New York sass er neben dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino in einer Loge. Im vergangenen Sommer ging er dann selbst unter die Veranstalter.
Anlässlich seines 80. Geburtstags – und der 250-Jahr-Feier der Gründung der USA – richtete er auf dem Südrasen des Weissen Hauses Kämpfe in Mixed Martial Arts (MMA) aus. Während fünf Stunden prügelten sich in einem eigenes dafür aufgebauten Käfig die Sportler, die direkt aus dem Oval Office zum Ring marschierten. MMA-Kämpfe sind umstritten, sie sind brutal, oft fliesst Blut. Trump ist mit Dana White, dem Präsidenten der Ultimate Fighting Championship (UFC), welche die MMA-Kämpfe ausrichtet, eng verbandelt.
Sport bietet Zugang zu einer schwierig zu erreichenden Wählergruppe
Beim MMA-Spektakel inszenierte sich Trump als schlagkräftiger Commander-in-Chief. Auch im Midterms-Wahlkampf setzt er dieses Narrativ fort und zeigt sich wiederholt mit Kampfsportlern. Unter ihnen sind viele MMA-Kämpfer, aber auch Boxer wie Mike Tyson oder Floyd Mayweather.
Tyson begleitete Trump vor einigen Wochen sogar in der Air Force One zu einer Veranstaltung im Gliedstaat New York und stand dort mit ihm auf der Bühne. Tysons Fazit: Er sei glücklich, an der Seite des Präsidenten zu stehen. Die eigene Inszenierung ist eine Ebene, für die Politiker wie Trump den Sport benutzen.
Die Trump-Regierung will mit dem Sport aber auch gezielt Wähler erreichen. Politische Kommentatoren demokratischer Couleur sind sich einig, dass der Präsident gerade mit seiner Präsenz im Kampfsport vor allem junge Männer ansprechen wolle. Die interessieren sich zwar häufig für Sport, sind aber für Politiker statistisch gesehen schwierig zu erreichen und zur Teilnahme an Wahlen zu bewegen. 2024 waren sie eine der entscheidenden Wählergruppen, die Trump zum Einzug ins Weisse Haus verhalfen.
Trump plädiert für «Redskins» und «Indians»
Die Wähler sollen angesprochen werden, indem Trump den Sport zum Schauplatz ideologischer Feldzüge stilisiert. Die Trump-Administration sieht Wokeness und die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten kritisch. Mit der Vorlage «Protect College Sports» untersagte es der Präsident transsexuellen Personen, in den Frauenkategorien zu starten. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2028 kündigte er an, dass es in Los Angeles «eine Form von Geschlechtstests» geben werde. Viele olympische Sportverbände, zum Beispiel jener der Leichtathletik, haben eine solche Überprüfung bereits ohne Trumps Zutun eingeführt.
Trump hat sich in letzter Zeit auch in die Namensdebatte verschiedener Sportteams eingemischt. Das Football-Team aus der Hauptstadt Washington hiess bis 2020 «Redskins», manche kritisierten diesen Namen als rassistisch gegenüber den amerikanischen Ureinwohnern. Nach längerer Diskussion erfolgte die Umbenennung in «Commanders».
Ähnlich war es bei der Baseball-Franchise aus Cleveland, die früher «Indians» hiess und seit 2021 den unverfänglicheren Namen «Guardians» trägt. Trump hat sich trotzdem wiederholt für die alten Namen starkgemacht. Bisher ohne Erfolg, aber seine Einlassungen zu diesen Themen kommen in der Maga-Bewegung gut an.
Im amerikanischen Sport hat Trump mittlerweile zahlreiche Fürsprecher, beispielsweise den siebenfachen Super-Bowl-Sieger Tom Brady oder den Footballstar Nick Bosa. Manche Medien berichten deshalb von einer politischen Spaltung der Garderoben.
Dass es sich für Sportstars lohnen kann, die Nähe zu Trump zu suchen, zeigt das Beispiel des ehemaligen Baseball-Pitchers Roger Clemens. Trump kündigte Anfang Oktober an, ihm die Presidential Medal of Freedom zu verleihen. Diese ist die höchste zivile Auszeichnung der USA, Athletinnen wie Simone Biles Owens haben sie bekommen, weil sie offen über psychische Probleme und andere gesellschaftliche Fragen gesprochen haben.
Viele Sportler sagen den Empfang im Weissen Haus ab
Die Begründung bei Clemens ist anders gelagert. Trump sagte, er wolle ihn für seine unbestritten grossartige Karriere ehren. Ihm aber auch Genugtuung dafür verschaffen, dass ihm die Aufnahme in die Baseball Hall of Fame verwehrt blieb. Clemens spielte in der dopingverseuchten Zeit des Baseballs und konnte den Verdacht, leistungssteigernde Mittel genommen zu haben, nie ausräumen.
Ein beachtlicher Teil des amerikanischen Sports grenzt sich allerdings von Trump ab. Dass Meisterteams nach dem Titel den Präsidenten im Oval Office besuchen, ist eine alte Tradition. Besonders in Trumps erster Amtszeit häuften sich jedoch die Absagen. Die Basketball-Superstars LeBron James und Stephen Curry haben sich mehrfach gegen einen Empfang im Weissen Haus ausgesprochen, ebenso das Frauenfussballteam, angeführt von Megan Rapinoe.
Als der Football-Quarterback Colin Kaepernick sich 2016 vor einem Trainingsspiel während der amerikanischen Hymne hinkniete, war der Widerstand in konservativen Kreisen und der Maga-Bewegung gross. Die San Francisco 49ers entliessen den Spieler nach der Saison, Kaepernicks Karriere war zu Ende. Für James, Curry und Rapinoe blieb der Protest hingegen folgenlos, zu gross ist ihre Strahlkraft über den Sport hinaus. Dagegen kann auch Trump wenig ausrichten.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Christof Krapf
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