Technologie und Innovation China ist zum Experimentierfeld für KI und Robotik geworden
China ist längst mehr als die Werkbank billiger Produkte für die ganze Welt. Bei der Automatisierung des täglichen Lebens gehört es inzwischen zur Avantgarde.
07.11.2026, 14:28
In einem Park in Shenzhen im Süden Chinas ist der Vorgang für Stammgäste zur Normalität geworden. Durch Scannen eines Barcodes auf ihrem Smartphone bestellen sie einen Snack für etwa zehn Euro. Zehn Minuten später setzt eine Lieferdrohne die Bestellung mit millimetergenauer Präzision ab.
Diese Banalisierung der Technologie veranschaulicht die Transformation, die der asiatische Riese vollzogen hat. Innerhalb von etwa fünfzehn Jahren hat sich China in ein riesiges Testlabor für künstliche Intelligenz und Robotik verwandelt.
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Bild 1 von 3. Per QR-Code bestellen, von der Drohne geliefert: So geht in einem Park in Shenzhen Mittagessen. Bildquelle: RTS.
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Bild 2 von 3. Pilotenlose Flugtaxis sind in der Stadt Kanton bereits im Testbetrieb. Bildquelle: RTS.
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Bild 3 von 3. Humanoide Roboter sollen dereinst in den chinesischen Fabriken Menschen ersetzen. Bildquelle: RTS.
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In den Strassen der Megastadt Shenzhen ist auch das autonome Fahren zur Normalität geworden. Tausend fahrerlose Robotaxis des Unternehmens Pony.ai zirkulieren hier. Das System ist auf rund zwanzig weitere chinesische Metropolen ausgeweitet worden.
Der nächste Schritt findet in der Luft statt. In Kanton führen lokale Hersteller Testflüge mit pilotenlosen Flugtaxis durch. Sie haben bereits den internationalen Markt im Visier und hoffen, die europäischen Zertifizierungen zu erhalten, um kommerzielle Verbindungen in Städten wie Paris oder Marseille anzubieten.
In China geht alles schneller
Wie rasant sich auch der chinesische Automobilmarkt entwickelt, wird im hochmodernen Hauptsitz des Herstellers XPeng in Kanton deutlich. Die Entwicklungsteams haben mithilfe von generativer künstlicher Intelligenz den Entwicklungszyklus eines Fahrzeugs auf nur zwei Jahre reduziert, die Hälfte der Zeit, die in der westlichen Industrie üblich ist.
Rafik Ferrag, ein französischer Autodesigner, der für die Marke arbeitet, betont: «In China hat man keine Zeit. Man muss schnell zum Ziel kommen.» Und er fügt hinzu: «Wir haben aber die Belohnung, dass unsere Kreationen innert Kürze auf den Strassen zu sehen sind.»
Diese Unternehmensmechanik wird vervielfacht durch die autoritäre Steuerung der Zentralregierung. 2015 gab Präsident Xi Jinping einen entscheidenden Impuls, indem er Robotik, saubere Energien und künstliche Intelligenz zu absoluten Prioritäten der Planwirtschaft erklärte. Dieser politische Wille übersetzte sich in kolossale Investitionen.
Im Jahr 2020 stellte die Stadtverwaltung von Kanton einen Betrag von umgerechnet etwa 500 Millionen Euro bereit, um die hochautomatisierte Fabrik des Automobilherstellers XPeng zu errichten.
Androiden als Ersatz für Babys
Mit diesen massiven Hilfen hat China aber auch seine Handelspartner im Ausland verärgert. Sie werfen ihrem Rivalen unlauteren Wettbewerb vor. Die EU führte deswegen 2024 Zölle auf aus China importierte Elektroautos ein.
Auch in China selbst zeigen sich negative Auswirkungen des technologischen Wandels. Ein wachsender Teil der städtischen Jugend leidet unter Einsamkeit. Mia Chen, eine junge Büroangestellte, dokumentiert ihren täglichen «Blues» in den sozialen Netzwerken. Dort schrieb sie: «Das Leben ist so automatisiert, dass ich den ganzen Tag verbringen könnte, ohne mit jemandem zu sprechen, und trotzdem alles hätte, was ich brauche.»
Viele junge Menschen verzichten inzwischen darauf, eigene Kinder zu bekommen. Doch auch darauf hat die Regierung in Peking eine Antwort parat: noch mehr Automatisierung. Über 300 Modelle humanoider Roboter werden darauf trainiert, um in Industrie und Dienstleistungsbranche eingesetzt zu werden.
Source: SRF · Gaëlle Bisson / RTS
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