Stromreserve im Winter Zweifel an geplanten Reservekraftwerken werden grösser

Nach den Energiepolitikern im Nationalrat stellt nun auch die Finanzkontrolle die geplanten Reservekraftwerke in Frage.

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05.11.2026, 05:58

Am Dorfeingang von Birr im Kanton Aargau wird gebaut. Auf einer Fläche etwa so gross wie ein Fussballfeld plätten zwei Strassenwalzen die hellbraune Erde. Wo derzeit ein Parkplatz entsteht, stand bis vor kurzem ein Reservekraftwerk.

Legende: Bis vor kurzem stand auf dieser Fläche in Birr eine Reservekraftwerk. SRF/ Manuel Ramirez

Es kostete eine halbe Milliarde Franken und wurde mit Notrecht gebaut. Das war illegal, urteilte das Bundesverwaltungsgericht, weshalb der Bund die Gasturbinen dieses Jahr wieder abbauen musste.

Haushalte sollen die Reservekraftwerke bezahlen

Der Bundesrat plant deshalb neue Reservekraftwerke. In Monthey (VS) steht bereits eine Anlage. Die anderen sollen in Eiken und Stein (AG) sowie in Muttenz (BL) gebaut werden. Sie kommen zum Einsatz, wenn der Strom knapp wird. Es geht um 2.3 Milliarden Franken. Das würde laut dem Bundesamt für Energie Mehrkosten von etwa zehn Franken pro Haushalt bedeuten.

Legende: So soll das neue Reservekraftwerk in Muttenz aussehen. Axpo

Diese Investitionen kritisiert die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in einem neuen Bericht. Die Reservekraftwerke wären überflüssig, wenn die Schweiz ihre Ausbauziele für die erneuerbaren Energien bis 2035 erreicht. In diesem Fall würde auch ohne Reservekraftwerke genügend Strom produziert, erklärt der Fachbereichsleiter bei der EFK, Beat Stamm. «Ob man sich aber dagegen versichern will, dass die erneuerbaren Energien zu langsam ausgebaut werden, ist aber eine politische Frage.»

Auch Nationalräte sind skeptisch

Sollte die Politik an der Stromreserve festhalten, würde es aus Sicht der EFK jedoch günstiger gehen. Sie sieht Sparpotenzial in Höhe von 220 Millionen Franken. «Es könnte Geld gespart werden, wenn der Bund bestehende Notstromanlagen von Spitälern oder anderen Organisationen berücksichtigen würde», so Stamm.

In der Schweiz sind laut Bund über 6000 Notstromgruppen installiert. Es handelt sich dabei meist um Dieselgeneratoren. Damit können Spitäler, Rechenzentren, Kläranlagen oder Kühlhäuser Stromausfälle überbrücken. Diese Notstromgruppen können virtuell zu Kraftwerken zusammengeschlossen werden, die bei Bedarf Strom produzieren. Deren Besitzer werden dafür entschädigt.

Auch die Energiepolitiker des Nationalrats hätten gerne, dass der Bund Notstromanlagen in Betracht zieht. Ausserdem könnte er die Zusammenarbeit mit Firmen suchen, die dazu bereit sind, in einer Mangellage ihren Stromverbrauch zu senken. Wegen der hohen Kosten hat die nationalrätliche Energiekommission im Sommer entschieden, die Finanzierung der Reservekraftwerke vorerst nicht weiter zu beraten.

Energieminister verteidigt Reservekraftwerke

Bundesrat Albert Rösti hält dagegen. Die Schweiz benötige die neuen Reservekraftwerke. «Damit können wir die Stromversorgung auch dann sicherstellen, wenn ein Atomkraftwerk nicht läuft und wir gleichzeitig keinen Strom aus dem Ausland importieren können.»

Ausserdem mache der Ausbau der erneuerbaren Energien die Reservekraftwerke nicht überflüssig. «Es geht darum, dass wir während des Ausbaus der erneuerbaren Energien bis 2035 zusätzlichen Strom brauchen, und vor 2035 werden wir die Erneuerbaren niemals genügend ausgebaut haben», sagt Rösti.

Entscheid folgt wohl im nächsten Jahr

Der Energieminister sieht im Gegensatz zur Finanzkontrolle und den Nationalräten auch keine Möglichkeit, die Kosten zu drücken, da Notstromgruppen als Alternative nicht infrage kämen. «Sie dürfen wegen der Luftreinhalteverordnung nicht lange am Stück laufen», erklärt Rösti.

Ob das ehemalige Reservekraftwerk in Birr tatsächlich Nachfolger erhält, entscheidet sich voraussichtlich im nächsten Jahr. Für den Frühling hat die Eidgenössische Elektrizitätskommission einen neuen Bericht zum Strombedarf angekündigt. Diesen wollen die Energiepolitiker des Nationalrats abwarten und dann die Diskussion über die neuen Reservekraftwerke wieder aufnehmen.

Mehr dazu sehen Sie heute Abend um 21:50 Uhr auf SRF 1 oder Play SRF.

Source: SRF · Manuel Ramirez

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