Strom vom Acker Die Schweiz lässt riesiges Sonnenstrompotenzial bisher ungenutzt
Im waadtländischen Lovatens steht die derzeit grösste Agri-PV-Anlage der Schweiz. Im Hitze-Sommer hat die Anlage dem Bauern die Heidelbeer-Ernte gerettet. Doch noch haben es Projekte wie dieses in der Schweiz viel schwerer als anderswo.
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24.10.2026, 09:14
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So sehen Agri-Photovoltaik-Anlagen aus: Die bisher grösste Anlage der Schweiz steht auf einer Heidelbeer-Kultur im waadtländischen Lovatens. Gut drei Meter hohe Pfeiler tragen ein Dach aus mehr als 5000 Photovoltaik-Panels über einer Fläche von 1.8 Hektar. Die Anlage ist so dimensioniert, dass Bauer Olivier Pichonnat maschinell, ohne teure Handarbeit ernten kann.
Die Module produzieren nicht nur Strom, sie bewahren die Heidelbeeren auch vor Hagel und senken durch die Beschattung die Temperaturen um fünf bis sechs Grad. Entsprechend tragen die Pflanzen unter den Panels grössere Früchte und bilden deutlich mehr neue Triebe als ungeschützte Sträucher. In den umliegenden Ländern sind Agri‑PV‑Anlagen auch auf Weiden und Ackerflächen in Betrieb.
Das Potenzial von Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen: Laut einer neuen Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW könnte die Schweiz mit Agri-Photovoltaik rein theoretisch rund fünfmal mehr Strom produzieren, als das Land derzeit verbraucht. Laut Jürg Rohrer, Professor für erneuerbare Energien an der ZHAW, schrumpft das Potenzial zwar, wenn man nur sinnvoll erschliessbare Flächen einbezieht – also Standorte, die maximal 300 Meter vom bestehenden Stromnetz entfernt liegen. Es bleibt mit etwa dem Doppelten des aktuellen schweizerischen Strombedarfs jedoch nach wie vor hoch. Trotzdem fristet die Technologie derzeit ein Schattendasein: Weniger als 0.1 Prozent des Schweizer Sonnenstroms stammt bislang von Anlagen über Kulturland.
Warum das Potenzial nicht ausgenutzt wird: Den wichtigsten Bremsklotz für den Ausbau bilden die strengen Bewilligungshürden in der Schweiz. Um Nutzungskonflikte auf Landwirtschaftsland zu vermeiden, sind Agri-PV-Anlagen hierzulande nur dann bewilligungsfähig, wenn nachgewiesen werden kann, dass sie der landwirtschaftlichen Produktion einen direkten Vorteil bringen. Dieser Beweis ist – auch wegen mangelnder Vergleichsgrössen – oft schwierig zu erbringen. Zudem handhaben die Kantone die Verfahren höchst unterschiedlich.
Andere Länder sind weiter: Im internationalen Vergleich ist diese Hürde auf jeden Fall hoch: In Deutschland beispielsweise darf eine solche Anlage sogar zu Ertragseinbussen von bis zu 30 Prozent führen, solange die Gesamtrechnung aus Ernte und Stromeinnahmen für den Betrieb positiv ausfällt. In der Schweiz fehlt es zudem an einer übergeordneten bundesweiten Koordination, da Förderung und Bewilligung hauptsächlich Sache der Kantone sind.
Deshalb ist die Finanzierung herausfordernd: Obschon Agri-PV-Anlagen im Bau deutlich teurer sind als vergleichbare Anlagen auf Dächern – der Energieversorger Romande Energie spricht von 20 Prozent höheren Kosten –, gelten für sie die gleichen Förderbedingungen. Wenn aber eine Landwirtin oder ein Landwirt den produzierten Strom nicht selbst verbrauchen kann und ihn ins öffentliche Netz einspeisen muss, ist sie oder er starken Schwankungen der Einspeisevergütungen ausgesetzt. Eine verlässliche Rentabilitätsrechnung ist schwierig. Deswegen sind die Landwirte oft darauf angewiesen, dass lokale Energieversorger – wie Romande Energie im Fall von Lovatens – Finanzierung und Betrieb der Anlage übernehmen.
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Echo der Zeit, 22.10.2026, 18 Uhr; rama
Source: SRF · Klaus Ammann
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