• Hunderttausende Menschen haben in Frankreich an einem nationalen Streik- und Protesttag der Gewerkschaften für höhere Gehälter und eine Anhebung des Mindestlohns demonstriert.
  • Bereits am Mittag waren nach Angaben des Innenministeriums 270’000 Menschen in überwiegend friedlichen Demonstrationszügen unterwegs.
  • Bei den Protesten ist es in Lyon, Nantes und Paris zu Zusammenstössen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen.

In Paris schlug die zunächst friedliche Stimmung um, als einige Demonstranten mit der Polizei aneinandergerieten, die daraufhin Tränengas einsetzte. In Lyon gingen die Einsatzkräfte ebenfalls mit Tränengas gegen eine Gruppe von teils Vermummten vor.

In der Nähe von Toulouse steckten Unbekannte nach Angaben des Innenministeriums mit Feuerwerkskörpern eine Schule in Brand. Bildungsminister Edouard Geffray bezeichnete dies auf der Plattform X als «absolut skandalöses kriminelles Verhalten».

Anschluss an die Protestbewegung

Der Aufruf der Gewerkschaften zu einem Generalstreik hatte nur beschränkte Auswirkungen. Ihm folgten vor allem Beschäftigte im öffentlichen Dienst.

Mit den Gewerkschafts­demonstrationen setzen sich die seit Wochen andauernden Sozialproteste in Frankreich fort, die bislang federführend von Schüler- und Studentenorganisationen und der Gelbwestenbewegung organisiert wurden. Bei diesen Massenprotesten ging es vor allem um eine bessere Ausstattung von Schulen, um Polizeigewalt und die zu hohen Lebenshaltungskosten.

Legende: Demonstrierende, die die traditionellen Westen der Gewerkschaft CGT tragen, nehmen in Paris am Protesttag teil. REUTERS/Abdul Saboor

Die Gewerkschaften, deren Mitglieder nun in ihren traditionellen roten Westen auf die Strasse gehen, versuchen, mit ihrer klassischen Forderung nach höheren Löhnen Anschluss an die Protestbewegung zu finden.

Alles wird teurer – nur die Löhne steigen nicht

«Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erleben einen beispiellosen sozialen Abstieg. Kraftstoff, Lebensmittel, Mieten, Gas, Strom … alles wird teurer, nur die Löhne und Renten steigen nicht», hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaften. Diese warnten die Regierung und die Arbeitgeber: «Die Wut ist gross. Die Lage des Landes ist prekär. Auf die dringenden sozialen und ökologischen Probleme muss unverzüglich reagiert werden.»

Eine Erhöhung des Mindestlohns um 100 Euro netto pro Monat forderte die Chefin der Gewerkschaft CFDT, Marylise Léon, im Interview des Senders BFMTV.

Legende: Demonstrantinnen und Demonstranten versammeln sich im Kampf gegen die steigenden Lebenshaltungskosten auf den Strassen von Bordeaux. Keystone/GUILLAUME PINON

Die Generalsekretärin der Gewerkschaft CGT, Sophie Binet, lobte zwar die Ankündigung der Regierung, den Mindestlohn über die im Januar 2027 ohnehin anstehende Erhöhung weiter anheben zu wollen. Jedoch sei es nicht mit einer zusätzlichen Erhöhung um 0.5 oder 0.6 Prozent getan. «Frankreich ist das europäische Land, in dem der Mindestlohn in den letzten zehn Jahren am wenigsten gestiegen ist.»

Der Mindestlohn pro Stunde liegt in Frankreich derzeit bei 12.31 Euro brutto. Ein zum Mindestlohn Beschäftigter in Frankreich kommt bei einer 35-Stunden-Woche auf rund 1.867 Euro brutto.

Regierung will Mindestlohn anheben und hilft Dieselfahrern

Neben der Ankündigung, den Mindestlohn anzuheben, kam die Mitte-Regierung von Premier Sébastien Lecornu den Protestierenden bislang beim Thema Schulen entgegen. Mehr Personal und Mittel wurden in Aussicht gestellt.

Um die Spritpreise zu senken und Entlastung bei den hohen Lebenshaltungskosten zu bieten, gab die Regierung ausserdem kürzlich zehn Millionen Barrel Diesel aus ihren Reserven frei. Für drei Monate soll der Liter dadurch an der Tankstelle um 12 bis 18 Cent preiswerter werden.

Source: SRF · 05.11.2026, 18:22

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