Dank Snus gibt es weniger Raucher, so die Tabaklobby. Während Politiker diese Argumentation übernehmen, hat die Wissenschaft Zweifel.

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03.11.2026, 06:05

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Der weisse Beutel unter die Lippe geklemmt und schon wirkt das Nikotin. Vor allem junge Männer greifen zu Snus, wie es umgangssprachlich heisst. «Im Ausgang oder wenn ich bei der Arbeit gestresst bin, snuse ich, um mich zu beruhigen», sagt ein junger Passant in Bern. Ein anderer findet Snus «vielleicht ein bisschen gesünder als Zigaretten». Er räumt aber ein, dass das Abhängigkeitspotenzial hoch ist.

Die Zahlen zeigen, wie gross der Trend ist. 2016 wurden in der Schweiz noch 80 Tonnen Snus und ähnliche Produkte verkauft und versteuert. 2024 waren es 455 Tonnen. Laut Prognose des Bundes hält dieser Trend an.

Hinter dem Boom steht die Tabakindustrie. Sie verkauft Nikotinbeutel als gesündere Alternative zu Zigaretten. Ausserdem helfe Snus, die Zahl der Rauchenden zu reduzieren, heisst es in Artikeln und Berichten, die die Tabaklobby verfasst hat.

Legende: SRF

Die Schweizer Tabak­präventions­organisationen halten dagegen. Die Initiative «Transparency and Truth» wirft der Tabakindustrie vor, mit Falschinformationen zu arbeiten. Neue Forschung aus Schweden zeige klar, dass nur wenige Menschen vom Rauchen auf Snus umsteigen, sagt Markus Meury, Mediensprecher der Initiative. «Vor allem sind es Jugendliche, die neu in den Konsum einsteigen. Damit haben wir eine Ausweitung des Konsums, und das sollten wir eigentlich nicht haben.»

Auch die schwedische Gesundheitsbehörde stellt sich in einem Bericht an die Regierung gegen die Argumentation der Tabaklobby. Das Fazit: Es lasse sich nicht sagen, ob Raucherinnen und Raucher wegen ihres Snuskonsums weniger rauchen. Dafür gebe es nicht genug Studien.

Tabakindustrie rechtfertigt sich

Zum Vorwurf der Falschinformationen nimmt Philip Morris stellvertretend für die Tabakindustrie Stellung. Der Konzern verweist auf Anfrage darauf, dass Schweden das Land mit den wenigsten Rauchern in der EU sei. Ausserdem verzeichne Schweden unter Männern die niedrigste Rate raucherbedingter Erkrankungen wie Lungenkrebs in der EU.

Was auffällt: In Bundesbern argumentieren mehrere Politiker ähnlich wie die Tabakindustrie. In diesen Vorstössen wird Schweden mehrfach als Vorbild genannt, wo der Snuskonsum hoch und die Zahl der Raucher inzwischen tief ist. Das Fazit: Nikotinbeutel stellen eine Chance dar. Möglichst wenig Regulierung sei deshalb sinnvoll.

Legende: Snus ist auch in der Schweiz sehr populär (Symbolbild). KEYSTONE / Christian Beutler

Für Politiker ist Schweden ein Vorbild

Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy hat zwei der Vorstösse verfasst. Von der Tabaklobby distanziert er sich klar. Ihm sei es darum gegangen, dass der Bundesrat das schwedische Modell prüfe. «Es ist wünschenswert, dass die Zahl der Produkte, die Rauch verursachen, reduziert werden.»

Doch laut der Tabak­präventions­organisationen hilft nicht etwa Snus, sondern eine konsequente Politik, die Zahl der Raucher zu senken. Darauf angesprochen antwortet Bregy: «Es gibt Erwachsene, die können und wollen nicht von Tabakprodukten wegkommen. Bei Jugendlichen ist das anders. Da ist klar: Es braucht eine konsequente Politik. Insbesondere braucht es im Onlinebereich Identifikationsverfahren, die es Jugendlichen verunmöglichen, Tabakprodukte zu bestellen.»

Schweden ist auch für die Tabak­präventions­organisationen selbst ein Vorbild. Aber nicht wegen des Snuskonsums, sondern wegen der konsequenten Tabakpolitik mit Rauchverboten und teuren Zigarettenpäckchen. Deshalb gelte das skandinavische Land inzwischen als rauchfrei.

10 vor 10, 02.11.2026, 21:50 Uhr; wilh

Source: SRF · Manuel Ramirez

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