So kam die blaue Welle zustande
Die Demokraten können bei den Zwischenwahlen einen spektakulären Sieg einfahren. Unsere Datenanalyse zeigt, in welchen Countys der Meinungsumschwung besonders stark war, wer zu Hause blieb und welche Wählergruppen zu den Demokraten zurückkehren.
05.11.2026, 11.00 Uhr
3 Leseminuten
Für die Republikaner war es kein guter Wahltag. Sie verlieren bei den Zwischenwahlen in den USA ihre Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Der Triumph der Demokraten ist deutlicher als erwartet, sie können sogar in republikanischen Stammlanden wie Texas und South Carolina Senatssitze erobern. Ihre Mehrheit wird in beiden Kammern des Parlaments deutlich sein. In den kommenden zwei Jahren können sie Trump das so Regieren erschweren.
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Ein Blick auf die einzelnen Countys zeigt: Praktisch im ganzen Land hat ein Sinneswandel stattgefunden. Die republikanischen Kandidaten fürs Repräsentantenhaus schneiden deutlich schlechter ab als Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024. Vor allem in Regionen, wo das kaum erwartet worden war, konnten die Demokraten deutlich zulegen:
Stark war der Meinungsumschwung etwa in der Grenzregion zwischen Texas und Mexiko. Diese wählte in den letzten Jahren immer republikanischer, Trump konnte dort 2024 seine grössten Zugewinne feiern. Im Maverick County etwa erreichte er rund 58 Prozent der Stimmen. Nun votierten dort nur noch 27 Prozent der Bürger für die republikanischen Kandidaten.
Ein ähnliches Muster zeigt sich in zahlreichen weiteren Countys in Texas und auch in Kentucky oder Wyoming: in mehreren Hochburgen der Republikaner stimmten statt vormals 80 nur noch 60 Prozent für die Partei.
Die Demokraten breiten sich in die Vorstädte aus
Die Mehrheitsverhältnisse in den USA sind in den Städten und auf dem Land sehr unterschiedlich. Während die Demokraten in den Städten siegen, ist das ländliche Amerika eher in der Hand der Republikaner. Den Demokraten ist es diesmal vor allem gelungen, die Vorstädte zu erobern, etwa in New Jersey oder bei Indianapolis.
Nachwahlbefragungen zeigen, welche Wählergruppen dabei besonders stark zu den Demokraten überliefen: Jungwählerinnen und vor allem Jungwähler haben 2026 deutlich demokratischer gestimmt als 2024. Auch bei den schwarzen Männern und den weissen Wählern mit College-Abschluss können die Demokraten besonders stark zulegen, wie eine Nachwahlbefragung von SRSS im Auftrag mehrerer amerikanischer Medien zeigt.
Gemäss einer weiteren Nachwahlbefragung in der New York Times war der Meinungsumschwung bei den Latinos besonders gross. Eine Auswertung des Wahlforschers G. Eliott Morris zeigt, das der Meinungsumschwung in den stark von Latinos dominierten Countys in Texas besonders deutlich ausfiel.
Allerdings sind diese Gruppen keineswegs republikanische Stammwähler, sondern traditionell eher demokratisch gesinnt. Trump konnte diese bei der Präsidentschaftswahlen vor zwei Jahren überraschend gut ansprechen. Auch bei den Zwischenwahlen 2022 gewannen die Republikaner dank diesen Wählergruppen. Nun haben sie sich aber von wieder von der Partei abgewendet.
Trump-Fans bleiben zu Hause
Tief blicken lässt die Frage der Motivation der Wählerinnen und Wähler. Jene, welche mit ihrer Stimme auch ihre Zustimmung oder Ablehnung gegenüber dem Präsidenten zum Ausdruck bringen wollten, waren überwiegend demokratisch gesinnt. Wer angab, seine Wahl habe nichts mit dem Präsidenten zu tun, war eher Republikaner. Es gelang Trump also nicht, seine Fans an die Urne zu bringen.
Das zeigen auch Daten zur Mobilisierung. In den republikanischen Stammlanden brach die Stimmenzahl vielerorts um 25 Prozent gegenüber 2024 ein. In den demokratisch geprägten Städten war es nur ein Minus von 10 Prozent.
Diese Zahlen lassen den Schluss zu, dass in den letzten Jahren viele von der Biden-Regierung enttäuschten Menschen aus traditionell demokratischen Milieus Trump und den Republikanern eine Chance gaben – und nun bitter enttäuscht wurden. Die steigenden Lebenskosten haben diesen Wählergruppen zu schaffen gemacht, der Krieg gegen Iran war bei ihnen unpopulär, so dass sie bei den Zwischenwahlen wieder demokratisch stimmten oder zu Hause blieben. In zwei Jahren wird sich zeigen, welche Partei und welcher Präsidentschaftskandidat für sie die überzeugenderen Argumente bereithält und sie an die Urne bringt.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Nikolai Thelitz, Joana Kelén
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