Smog über Südostasien: Rauch aus Indonesien verärgert die Nachbarländer
Die Waldbrände in Indonesien sorgen für Smog in den Städten – nicht nur in Indonesien, sondern auch bei den Nachbarn. Sie werden zunehmend zum politischen Problem.
29.10.2026, 11.38 Uhr
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Dicker, gelber Smog in der indonesischen Region Kalimantan.
Usep Hariadi / Reuters
Bereits seit drei Monaten sind mehrere Städte in Südostasien in Smog gehüllt. Der Rauch kommt aus Indonesien, das dieses Jahr in den Regionen Borneo und Sumatra mit besonders starken Waldbränden kämpft. Und er zieht in Richtung der Nachbarländer Malaysia und Singapur. Wie Nebel liegt der giftige Rauch über den Grossstädten in Südostasien. Für Indonesien wird er zunehmend zum politischen Problem.
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Die Waldbrände in Indonesien sind ein wiederkehrendes Phänomen. Dieses Jahr tut sich die Regierung von Präsident Prabowo Subianto aber besonders schwer, sie unter Kontrolle zu bringen. Die Feuer beginnen meist, weil Bauern ihre Felder abbrennen oder Papier- und Palmölfirmen einen Teil des Dschungels anzünden, um Platz für Plantagen zu machen. Ist das Feuer erst ausser Kontrolle, ist es schwer, es wieder einzufangen.
Dieses Jahr hat das Wetterphänomen Super-El-Niño für grosse Trockenheit gesorgt, und der Regen, der die Brände sonst löscht, blieb aus. Der indonesische Dschungel ist besonders anfällig für langwierige Waldbrände – im Wurzeldickicht unter dem Boden kann ein Feuer wochenlang schwelen, obwohl es gelöscht scheint.
Bereits 1,9 Millionen Hektaren Wald sind dieses Jahr vom Feuer betroffen, dies hat die Organisation Nusantara Atlas mittels Satellitenbildern errechnet. Das heisse nicht, dass die gesamte Fläche abgebrannt sei, schreibt Nusantara Atlas in einem Bericht, die betroffene Vegetation könne sich erholen. 1,9 Millionen Hektaren, das entspricht fast der Hälfte der Fläche der Schweiz.
Proteste und Erkrankungen
Das Problem für die Regierung von Präsident Prabowo beginnt im eigenen Land. Nicht nur Städte in den betroffenen Regionen wie Borneo sind in Rauch gehüllt – dorthin schickt die Regierung mittlerweile Busse, die mit Sauerstofftanks gefüllt sind, um den Bewohnern frische Luft zu verschaffen. Feuerwehrkräfte in den betroffenen Gebieten sprechen gegenüber den Medien von Erschöpfung, die sich breitmache.
Auch über der Hauptstadt Jakarta liegt Nebel. Die ohnehin unpopuläre Regierung steht in der Kritik, zu wenig gegen die Feuer zu unternehmen. Prabowo weigert sich, den nationalen Notstand auszurufen, und hofft auf Regen. Vergangene Woche protestierten Tausende in Jakarta wegen der Brände. Laut dem Gesundheitsministerium kam es zwischen August und Oktober zu 350 000 Fällen von Atemwegserkrankungen aufgrund der schlechten Luft.
Ein Problem ist allerdings auch, dass die Rauchwolke zu den Nachbarn weiterzieht: Singapur, Malaysia und Osttimor. Bürger aus Singapur und Malaysia beschweren sich schon seit Wochen über die schlechte Luft aus dem Nachbarland. Nach anfänglicher Solidarität und Hilfsangeboten hat sich auch der Ton der Politiker gegenüber Indonesien verschärft.
Singapur will Sanktionen
Der singapurische Regierungschef Lawrence Wong hat angekündigt, mit einem 2014 erlassenen Gesetz gegen die Verursacher vorzugehen: Das Gesetz erlaubt der Regierung, Sanktionen gegen Firmen zu ergreifen, die Feuer zur Rodung einsetzen und Verbindungen nach Singapur haben – mehrere indonesische Konglomerate haben einen Ableger in Singapur und sind auf die dortigen Finanzmärkte angewiesen. Gegen zehn Firmen wird ermittelt.
In Malaysia schlug ein Parlamentarier kürzlich vor, man solle Indonesien als «Aussätzigen» in der Region behandeln. Selbst der sonst eher vorsichtige malaysische Ministerpräsident Anwar Ibrahim teilte mit, man stehe mit Indonesien in Kontakt und erwarte, dass das Land den Smog unter Kontrolle bringe.
Singapur im Nebel: Der Smog aus Indonesien umhüllt den Stadtstaat.
Kokkai Ng / Reuters
Der Rauch über Südostasien schaukelt sich zunehmend zur diplomatischen Affäre hoch. Der Kommunikationsverantwortliche der indonesischen Regierung entschuldigte sich nicht etwa bei den Nachbarn, sondern behauptete, diese erhielten nicht nur Smog von Indonesien, sondern sonst auch das ganze Jahr Sauerstoff. Und der indonesische Präsident Prabowo sagte diese Woche, man werde sich nicht beleidigen lassen von «Ländern, die gerne beleidigen». Woraufhin die singapurische «The Straits Times» berichtete, dass die ersten Malaysier anfingen, Produkte aus Indonesien zu boykottieren, wie zum Beispiel Kaffee.
Die Situation unter den Nachbarn ist verfahren und dürfte sich so schnell nicht verbessern: Die Waldbrände könnten noch wochenlang schwelen. Mitte November findet in den Philippinen der Asean-Gipfel statt. Die Waldbrände dürften auch dort ein Thema werden.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Andreas Babst
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