Anthony Anex / Keystone

Auf der Tschentenalp in Adelboden hat die Skisaison bereits Ende Oktober begonnen. Möglich macht das Snow-Farming: eine Methode, mit der Skigebiete den Schnee über den Sommer konservieren.

06.11.2026, 18.13 Uhr

3 Leseminuten


Die Berge rund um Adelboden sind noch grün. Trotzdem zieht sich auf der Tschentenalp bereits eine kleine weisse Piste den Hang hinunter. Ende Oktober hat dort die Skisaison begonnen, obwohl vielerorts noch kein Schnee gefallen ist. Wie ist das möglich?

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Dank Snow-Farming steht in Adelboden bereits ab Ende Oktober eine Skipiste bereit. Ein junger Skirennfahrer des Regionalen Leistungszentrums (RLZ) Frutigen steht am Mittwoch, 4. November 2026, am Skilift der Snow-Farming-Piste auf der Tsche

Dank Snow-Farming steht in Adelboden bereits ab Ende Oktober eine Skipiste bereit. Ein junger Skirennfahrer des Regionalen Leistungszentrums (RLZ) Frutigen steht am Mittwoch, 4. November 2026, am Skilift der Snow-Farming-Piste auf der Tschentenalp oberhalb von Adelboden.

Anthony Anex / Keystone

Ein ungewohntes Bild: Zwei junge Skirennfahrer fahren am Skilift den Berg hinauf. Daneben ist nur Wiese zu sehen.

Ein ungewohntes Bild: Zwei junge Skirennfahrer fahren am Skilift den Berg hinauf. Daneben ist nur Wiese zu sehen.

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Seit einigen Jahren setzen Schweizer Skigebiete auf das sogenannte Snow-Farming. Dabei tragen sie am Ende der Skisaison den überschüssigen Schnee zusammen, verdichten ihn zu grossen Haufen und decken ihn mit Planen und speziellem Vlies ab. Diese Schutzschicht bewahrt den Schnee über den Frühling und Sommer vor Sonne, Regen und Wind. Bis zu 80 Prozent der gelagerten Schneemenge überstehen so die warmen Monate. Im Herbst verteilen die Betreiber den konservierten Schnee und präparieren daraus eine Skipiste. Auf der Tschentenalp im Kanton Bern entstand auf diese Weise eine 450 Meter lange Piste.

Über eine Brücke mit einer Kunststoffmatte geht es zur Skipiste.

Über eine Brücke mit einer Kunststoffmatte geht es zur Skipiste.

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Die Ski stehen angelehnt an Skiständern. Dahinter ragen die schneelosen Berge in den Himmel.

Die Ski stehen angelehnt an Skiständern. Dahinter ragen die schneelosen Berge in den Himmel.

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Schneearme Winter setzen den Ski- und Tourismusgebieten zunehmend zu. Selbst höher gelegene Skiorte können sich nicht mehr auf ausreichenden Schneefall verlassen und sind daher auf Snow-Farming angewiesen. Deshalb lagern sie immer häufiger Schnee über den Sommer ein.

Dafür produzieren sie gegen Ende des Winters an geeigneten Standorten mehrere Meter hohe Depots aus technischem Schnee. Sägemehl oder Hackschnitzel schützen die Haufen zusätzlich vor Witterung. So können die Skigebiete den Start in die Wintersaison weitgehend unabhängig von den Wetterbedingungen planen.

Mehrere junge Skirennfahrer des Regionalen Leistungszentrums (RLZ) Frutigen bereiten sich auf das Training vor.

Mehrere junge Skirennfahrer des Regionalen Leistungszentrums (RLZ) Frutigen bereiten sich auf das Training vor.

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Auf der Tschentenalp steht inmitten des Grüns eine rund 450 Meter lange Piste aus Naturschnee.

Auf der Tschentenalp steht inmitten des Grüns eine rund 450 Meter lange Piste aus Naturschnee.

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Die Betreiber sehen im Snow-Farming eine nachhaltige Alternative zur laufenden Produktion von Kunstschnee. Auf der Tschentenalp stammt der Schnee aus dem vergangenen Winter. Die Betreiber benötigen laut Angaben dadurch weder zusätzliches Wasser noch Strom für die künstliche Beschneiung. Die verwendeten Abdeckmaterialien sind mehrfach verwendbar.

Doch die Methode steht auch in der Kritik. Naturschützer und Teile der Öffentlichkeit betrachten sie als Sinnbild eines ausufernden Wintertourismus mitten in der Klimakrise. Zudem belasten die Schneedepots die Natur vor Ort: Ihr enormes Gewicht und die monatelange Lagerung können die darunterliegende Flora und Fauna erheblich schädigen.

In Adelboden darf auch die Öffentlichkeit auf der Piste fahren. Aber jeweils nur an einem Tag am Wochenende.

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Die Betreiber der Tschentenalp benötigen laut Angaben dank Snow-Farming weder zusätzliches Wasser noch Strom für die künstliche Beschneiung. Auch die verwendeten Abdeckmaterialien seien mehrfach verwendbar.

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In der Schweiz begann Snow-Farming 2008 als Experiment. Damals führten in Davos das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), die Gemeinde und der Tourismusverband gemeinsam erste Feldversuche durch.

Sie wollten herausfinden, ob sich Schnee auch in tieferen Lagen über den Sommer konservieren lasse und welche Abdeckmethoden sich dafür am besten eigneten. Aus dem verbliebenen Schneehaufen entstand im Herbst eine 500 Meter lange Langlaufloipe. Heute reicht der eingelagerte Schnee Ende Oktober jeweils für eine Loipe von gut vier Kilometern Länge.

Auf der Tschentenalp steht vor allem der Nachwuchs im Mittelpunkt. Die Snow-Farming-Piste ermöglicht jungen Skirennfahrern aus der Region bereits im Herbst erste Trainingseinheiten auf Schnee. Deshalb betreibt der Verein Trainingszentrum Adelboden die Anlage. Auch die Öffentlichkeit darf die Piste nutzen: jeden Samstag, für jeweils drei Stunden.

Auf der Tschentenalp steht vor allem der Nachwuchs im Mittelpunkt. Junge Skirennfahrer aus der Region können bereits im Herbst erste Trainingseinheiten absolvieren.

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Eine kleine weisse Piste mitten im Grün: die Snow-Farming-Piste auf der Tschentenalp.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Kevin Weber, Martin Berz

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