Sehr grosse Unterschiede bei den Renditen von Säule-3a-Vorsorgefonds: Wie man das richtige Produkt auswählt
In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Produkte für die Säule 3a sehr unterschiedlich entwickelt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Was bei der Vorsorge in der dritten Säule zu beachten ist.
03.11.2026, 05.30 Uhr
5 Leseminuten
Beim Vermögensaufbau mit Fonds und Anlagestrategien in der Säule 3a ist es wichtig, gut geeignete Produkte auszuwählen.
Illustration Jasmin Hegetschweiler / NZZ
Die Säule-3a-Saison ist in vollem Gang. Bis Ende Jahr können Sparer noch Gelder in die gebundene private Vorsorge überweisen und so Steuern sparen.
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Sparer, die einer Pensionskasse angeschlossen sind, können in diesem Jahr 7258 Franken steuerbegünstigt in die Säule 3a einzahlen. Für Selbständigerwerbende ohne Kasse sind es 36 288 Franken beziehungsweise bis zu 20 Prozent des Erwerbseinkommens.
Viele setzen dabei auf Vorsorgefonds und Vorsorge-Apps mit einem gewissen Anteil an Aktien – und dies ist bei einer längeren Anlagedauer auch durchaus sinnvoll. Gerade auf längere Sicht haben solche Anlagelösungen in der Vergangenheit deutlich höhere Erträge gebracht als Säule-3a-Zinskonten. Zudem bieten 3a-Zinskonten derzeit kaum Zinsen.
In der Säule 3a aufs richtige Pferd setzen
Allerdings sind Vorsorgefonds und Vorsorge-Apps auch nicht alle automatisch gut. Eine Auswertung von Moneyland zeigt, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Anlagelösungen enorm sind.
Der Vergleichsdienst hat dazu die Nettorenditen von 60 Vorsorgefonds für die Säule 3a über fünf Jahre hinweg untersucht – darunter Produkte von sechs grossen Banken mit Filialen in der ganzen Schweiz, von den vier grössten Kantonalbanken sowie von den zwei führenden Vorsorge-Apps Viac und Frankly.
Besonders gut entwickelte sich in den vergangenen fünf Jahren ein 3a-Vorsorgefonds der Basellandschaftlichen Kantonalbank mit einem Wertzuwachs von 55,5 Prozent, vor einer Anlagestrategie von Viac (+44,2 Prozent) und einer solchen von Frankly (+41,4 Prozent).
Die schlechteste Performance in dem Vergleich erzielte ein Anlageprodukt von Raiffeisen (–7,2 Prozent), ähnlich schlecht schnitten ein Fonds der Migros Bank (–6,2 Prozent) und ein Strategieprodukt von Tellco (–5,1 Prozent) ab.
KI-Aktien sorgen für starke Performance
Für die grossen Unterschiede zwischen den Renditen der Vorsorgeprodukte gibt es verschiedene Erklärungen.
Produkte mit hohem Aktienanteil liegen vorne: Börsenbarometer wie der breit gefasste Schweizer Aktienindex SPI oder der Welt-Aktienindex MSCI World legten in den vergangenen fünf Jahren deutlich zu. Folglich ist es wenig überraschend, dass in dem Renditevergleich der Säule-3a-Lösungen Produkte mit hohem Aktienanteil vorne liegen. Die acht Produkte mit der höchsten Nettorendite hätten allesamt einen Aktienanteil von 80 Prozent oder mehr, teilt Felix Oeschger, Analyst bei Moneyland, mit.
Amerikanische Technologieaktien mit hohen Kursgewinnen: Zudem haben diese Produkte oftmals auch einen gewissen Anteil ihrer Gelder in amerikanische Technologietitel investiert. Diese sind in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. Der Fonds der Basellandschaftlichen Kantonalbank mit der höchsten Rendite habe beispielsweise stark auf amerikanische Aktien gesetzt, sagt Oeschger.
«Grosse Teile der Performance der Säule-3a-Produkte lassen sich mit der Allokation in amerikanische Technologieaktien erklären», sagt Alain Beyeler, Chef des Finanzdienstleisters Finpact, eines Spin-offs der Universität St. Gallen. In den vergangenen Jahren hätten sich diese sehr gut entwickelt, in Aktienindizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500 hätten sie aber ein sehr hohes Gewicht und seien folglich zu einem Klumpenrisiko geworden. Dessen sollten sich die Anleger bewusst sein.
Der Finanzexperte und Buchautor Patrick Eugster rät derweil, die Ergebnisse des Vergleichs nicht überzubewerten: Der Fünf-Jahre-Zeitraum sei relativ kurz, sagt er. «Es dürfte bei vielen Fonds, die gut rentierten, keine Leistung der Fondsmanager gewesen sein, sondern Glück – beispielsweise aufgrund einer hohen Gewichtung von KI-Titeln.»
Hoher Obligationenanteil als Renditebremse: Bei dem Fünf-Jahre-Vergleich schnitten Produkte mit hohem Obligationenanteil meist schwächer ab. Laut Oeschger lagen von den 28 Angeboten mit einer Obligationenquote von mindestens 40 Prozent 26 in der hinteren Hälfte der Rangliste. Ein wichtiger Erklärungsfaktor dafür sei der starke Zinsanstieg, vor allem im Jahr 2022. Dieser habe die Kurse bestehender Obligationen gedrückt. Gleichzeitig hätten sich die Aktienmärkte über den gesamten Vergleichszeitraum deutlich besser entwickelt, sagt der Moneyland-Vertreter.
Das richtige Produkt für die Säule 3a auswählen
Die Auswahl des richtigen Produkts für die dritte Säule ist also enorm wichtig. Sparer sollten sich dabei an folgenden Kriterien orientieren.
Richtige Aktienquote definieren: Das Säule-3a-Produkt muss zum Risikoprofil des Sparers passen. Wer also bei einem hohen Aktienanteil nicht ruhig schlafen kann oder kurz vor der Pensionierung steht und auf das Geld angewiesen ist, sollte keine allzu hohe Aktienquote haben.
Oeschger rät, einen möglichen Kursverlust in Franken durchzuspielen: «Was würde es bedeuten, wenn meine Anlagelösung über Nacht einen Drittel oder mehr an Wert verliert? Könnte ich den Verlust finanziell tragen, und würde ich investiert bleiben?» Wichtig dabei sei sicherlich auch, die Zeitspanne bis zur Auszahlung der Säule 3a zu berücksichtigen. «Wer zu dem Schluss kommt, dass er unter diesen Bedingungen nicht mehr gut schlafen kann, sollte den Aktienanteil reduzieren», sagt er.
Wer aber die entsprechende Risikobereitschaft und einen langen Anlagehorizont hat, kann durchaus auf ein Produkt mit einer hohen Aktienquote setzen. Wenn jemand noch 15 Jahre oder mehr vom Bezug der Säule-3a-Gelder entfernt sei, spreche wenig gegen eine Aktienquote von 100 Prozent, sagt Eugster dazu. Die Aktienquote sollte aber stetig reduziert werden, wenn das Geld in weniger als zehn Jahren gebraucht werde. Zudem sei es wichtig, parallel mehrere Konten zu eröffnen, um beim Bezug der Gelder Steuern zu sparen.
Beyeler beobachtet eine zunehmende Fomo-Stimmung («fear of missing out») unter Retail-Anlegern – viele hätten Angst, etwas zu verpassen, und hätten oftmals sehr hohe Aktienquoten. Sollte es zu einem Abschwung an den Börsen kommen, sollten sich Verluste mit einem langen Anlagehorizont ausgleichen lassen. Bei einer kürzeren Anlagedauer sollten Privatinvestoren aber die Risiken im Auge behalten.
Günstige, passiv verwaltete Produkte wählen: Eugster empfiehlt, für die Säule 3a Produkte mit niedrigen Gebühren auszuwählen, denn langfristig schmälern hohe Kosten für die Verwaltung von Fonds die Nettorendite erheblich. Der Finanzexperte rät ausserdem dazu, Produkte zu wählen, die Börsenindizes abbilden, die also passiv verwaltet sind.
Auch Oeschger rät, bei der langfristigen Geldanlage passiv verwaltete Produkte zu bevorzugen. Dem Fondsmanagement gelinge es nur selten, langfristig den Markt zu schlagen.
Die Anbieter der Produkte einschätzen: Auch ein Blick auf die Anbieter der Säule-3a-Produkte ist zu empfehlen. Eugster rät, Anbieter zu meiden, die Verwaltungs- und insbesondere Fondsgebühren nicht transparent auf der Website ausweisen.
Auch Beyeler empfiehlt, die Ergebnisse der Analyse vor dem Hintergrund zu betrachten, dass an den Börsen eine «Schönwetterlage» herrsche. Viele 3a-Produkte seien erst in den vergangenen fünf Jahren aufgelegt worden und müssten sich noch in einer Abschwungphase bewähren. In der Säule 3a habe sich in den letzten Jahren ein regelrechter «Anbieter-Dschungel» gebildet. Wie lange ein Anbieter und ein Produkt bereits am Markt seien, sei durchaus ein Kriterium bei der Wahl des richtigen Säule-3a-Produkts. So gebe es Anbieter, welche prozyklisch agierten und die Anlagestrategie von Produkten veränderten. Dies führe auf längere Sicht meist nicht zu optimalen Ergebnissen.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Michael Ferber
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