Schweizer Kindermagazin 75 Jahre «Junior»: Über das Erfolgsgeheimnis des Gratishefts
Das «Junior»-Heft ist knallbunt, kostenlos und viele Kinder lieben es. Nun feiert das kleine Magazin, das gratis in vielen Apotheken und Geschäften ausliegt, sein 75-jähriges Bestehen.
05.11.2026, 16:50
Hans-Rudolf Hug besitzt in Kilchberg bei Zürich eine Plakatdruckerei. Als er die schweren Lithografie-Steine in der Druckerei abschafft und auf Offsetdruck umstellt, geht plötzlich alles deutlich schneller. Hug hat Zeit, Neues auszuprobieren.
1951 bringt er die erste Ausgabe des «Junior»-Hefts auf den Markt. Die Geschäftsstrategie ist bis heute gleich geblieben. Enkelin Julia Hug, heute Verlagschefin, beschreibt sie so: «Die Apotheken oder Geschäfte kaufen das Heft und geben es den Kindern als Geschenk ab.»
Eine bunte Mischung
Das «Junior»-Heft ist also im Grunde ein Marketing-Instrument, ein Mittel zur Kundenbindung: Kinder freuen sich über das Heft. Und Eltern besuchen regelmässig die Geschäfte, in denen das Magazin ausliegt.
Inhaltlich bietet «Junior» eine bunte Mischung: kurze Artikel zu Tieren und Naturthemen, ein Tierposter, vier bis fünf Comics und verschiedene Rätsel. Ziel sei eine bunte Mischung für die Zielgruppe zwischen vier und elf Jahren, so Verlagschefin Julia Hug.
Kurze, knackige Inhalte
Barbara Jakob arbeitet im Bereich Leseförderung beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien. Zum «Junior»-Heft sagt sie: Man könne über die Qualität der Bilder und Geschichten streiten.
Fest stehe: Das Magazin biete einen niederschwelligen Zugang für viele unterschiedliche Kinder: «Dadurch, dass das Heft an so vielen Orten gratis abgegeben wird, erreicht man damit auch eine Klientel, die sonst nicht einfach zu Lesestoff kommt.»
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Bild 1 von 5. Das erste «Junior»-Heft von 1951. Damals dominierte selbst auf dem Titelblatt noch die Schrift. Bildquelle: Hug-Verlag.
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Bild 2 von 5. 1957 präsentierte sich das Magazin bereits deutlich aufgeräumter. Bildquelle: Hug-Verlag.
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Bild 3 von 5. In den folgenden Jahrzehnten vollzog sich ein stetiger Wandel. Bildquelle: Hug-Verlag.
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Bild 4 von 5. Aufmachung und Titelthemen folgten dem Geist der Zeit. 1983 sahen wir etwa Karl-Heinz Rummenigge. Bildquelle: Hug-Verlag.
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Bild 5 von 5. In der aktuellen Jubiläumsausgabe präsentiert sich «Junior» nun keck und bunt. Bildquelle: Hug-Verlag.
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Auch das Layout mache das Heft leicht zugänglich: Die knallbunten Seiten erinnerten Kinder an Bildwelten aus Fernsehen und Werbung. Das könne den Einstieg ins Lesen erleichtern, sagt Barbara Jakob. «Kurze, knackige Inhalte, die etwas mit der Erfahrungswelt der Kinder zu tun haben, können da sehr attraktiv sein.»
Das «Junior»-Heft in den USA
So leicht zugänglich kam das Heft nicht immer daher: Anfangs war das Magazin schwarz-weiss, es gab deutlich mehr Text als Bild. Doch schon ihrem Grossvater waren Bildergeschichten wichtig, erzählt Verlagschefin Julia Hug.
Allerdings wollte er keine amerikanischen Comics haben, sondern eine Schweizer Bildergeschichte. So wurde er auf Zeichnerin Edith Oppenheim-Jonas aufmerksam, die Schöpferin von «Papa Moll». Die ersten «Papa Moll»-Geschichten wurden im «Junior»-Heft publiziert.
Dessen Auflage erreichte 1967 die Marke von 100'000 Exemplaren pro Monat. Anfang der 1970er-Jahre startete Hans-Rudolf Hug mit dem «Junior»-Heft auch in Deutschland durch – was einen riesigen Sprung in der Auflage bedeutete.
Doch Hans-Rudolf Hug reichte das nicht: Er wollte mit seinem Heft gar in die USA expandieren. 1981 erschien dort die erste Ausgabe von «Kidbits». Drei Jahre lang versuchte der umtriebige Gründer, das Heft in den USA zu vermarkten – dann gab er auf.
Heute hat «Junior» eine Auflage von insgesamt rund 700'000 Exemplaren – in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Dass sich das Kindermagazin seit nunmehr 75 Jahren gehalten hat, findet auch Leseförderungs-Expertin Barbara Jakob bemerkenswert.
Aus ihrer Sicht hängt das auch mit der «cleveren Marketingstrategie» zusammen: «Dieser niederschwellige Zugang ist zentral für den Erfolg des ‹Junior›-Hefts.»
SRF 2 Kultur, Aktualität, 05.11.2026, 17:10 Uhr.
Source: SRF · Katharina Brierley
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