In Moskau findet derzeit der dritte Russland-Afrika-Gipfel statt: Zwanzig Staats- und Regierungschefs sind zu Präsident Wladimir Putin gereist. Geplant sind eine Abschlusserklärung und ein Aktionsplan für die nächsten zwei Jahre. SRF-Korrespondent Fabian Urech über Russlands Einfluss in Afrika – und warum die Gäste nicht als Bittsteller auftreten.
Fabian Urech
Afrika-Korrespondent
Fabian Urech ist seit dem Frühjahr 2024 Afrika-Korrespondent von Radio SRF. Er lebt in Ghanas Hauptstadt Accra. Zuvor war er während sieben Jahren Afrika-Verantwortlicher der «NZZ».
Worum geht es am Gipfel in Moskau?
Auf der Agenda stehen eine ganze Palette von Themen: Handel zum Beispiel, aber auch Nuklearenergie und Sicherheitsfragen. Im Kern scheint es aber vor allem um Symbolik zu gehen: Russland will sich Afrika als starker Partner präsentieren. Putin sagte an seiner Rede vom Mittwoch, man sei für den Kontinent der bessere Partner als der Westen, den er als neokolonial und ausbeuterisch bezeichnete.
Die Bilder aus Moskau zeigen auch, dass sich Russland sehr bemüht, die afrikanischen Länder zu umgarnen. Vieles ist pompös inszeniert. Das zeigte sich ein erstes Mal bei der Ankunft der Gäste aus Afrika. Zu ihren Flugzeugen wurde ein roter Teppich ausgerollt – und der war so breit, dass die wartende Limousine quer darauf Platz hatte.
Wie wird Russland in Afrika wahrgenommen?
Das Image Russlands in Afrika ist vielerorts nicht gerade rosig. Gemäss einer Umfrage in knapp vierzig afrikanischen Staaten bewertet nur ein Drittel der Befragten Russlands Einfluss auf ihr Land als positiv. Das ist deutlich weniger als etwa bei China und Europa. Die Umfrage ist zwei Jahre alt. Seither dürfte sich Russlands Ruf aber kaum verbessert haben.
Ein Grund dafür: In verschiedenen Ländern Afrikas gab es zuletzt Fälle von Menschen, die unter falschen Versprechen nach Russland gelockt wurden. Ihnen wurde ein Job versprochen, doch letztlich landeten sie an der Front in der Ukraine. Das sorgte in vielen afrikanischen Ländern für laustarke Kritik.
Wie unterstützt Russland die afrikanischen Staaten?
Rein wirtschaftlich ist Russland in Afrika ein kleiner Akteur. Das Handels- und Investitionsvolumen ist zuletzt nur wenig gewachsen, obwohl man das genau beim ersten Gipfel 2019 angekündigt hatte. Afrika handelt heute sowohl mit China als auch mit der EU über zehnmal mehr als mit Russland. Ein Schwergewicht ist Russland aber im Sicherheitsbereich. Zum einen als Waffenexporteur, zum anderen durch die Präsenz von Soldaten des sogenannten Afrikakorps in verschiedenen Ländern.
Diese staatliche Nachfolgeorganisation der Wagnergruppe ist zum Beispiel im Sahel sehr präsent. Dort ist man eng mit einigen Regierungen verbandelt, zum Beispiel in Mali und Niger. Man hat dort mitgeholfen, diese Regierungen an der Macht zu halten. Gleichzeitig hat man es aber nicht geschafft, die Sicherheitslage insgesamt zu verbessern. Das steht im Widerspruch zu Moskaus Versprechen – und den Hoffnungen der Menschen vor Ort.
Werden die afrikanischen Staaten auf Augenhöhe behandelt?
Heute scheint es für sie einfacher zu sein als in der Vergangenheit. In einer zunehmend multipolaren Welt können afrikanische Staaten verschiedene Partnerschaften parallel eingehen. Sie können etwa in der Sicherheit mit Russland zusammenarbeiten, ohne die Beziehungen zur EU oder den USA zu gefährden.
Das hat für viele Regierungen in Afrika Vorteile. Das ist mit ein Grund, weshalb sie an Gipfeln wie in Moskau umgarnt werden. Denn die meisten Länder Afrikas haben sich aus geopolitischer Sicht emanzipiert. Sie sind keine Figuren mehr, die von den grösseren Mächten herumgeschoben werden. Sie treten zunehmend selbstbewusst und mit eigener Agenda auf.
Source: SRF · 29.10.2026, 14:58
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