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Der amerikanische Sondergesandte Steve Witkoff drängt in St. Petersburg auf Friedensgespräche mit der Ukraine. Putin schlägt ein Treffen der Grossmächte zusammen mit China vor. China ist jedoch keine neutrale Partei im Ukraine-Krieg.

21.10.2026, 16.56 Uhr

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Steve Witkoff, der amerikanische Sondergesandte, trifft den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Konstantinpalast ausserhalb von St. Petersburg.

Steve Witkoff, der amerikanische Sondergesandte, trifft den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Konstantinpalast ausserhalb von St. Petersburg.

Gavriil Grigorov / AP

Wladimir Putin hat St. Petersburg am Mittwoch zum Schauplatz internationaler Diplomatie gemacht. Der russische Präsident empfing den amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff im Konstantinpalast. Dieser war aus Oslo angereist, wo er den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski getroffen hatte. Moskau sei grundsätzlich wieder zu Verhandlungen mit Kiew und Washington bereit, sagte der Kreml-Berater Juri Uschakow, allerdings frühestens Mitte November.

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In einer diplomatischen Geste liess die russische Regierung den 74-jährigen amerikanischen Lehrer Stephen Hubbard frei, der seit 2024 in Russland inhaftiert war. Putin will auch die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA wiederbeleben. Bereits am Donnerstag soll ein Tanker mit 40 000 Tonnen russischem Diesel in Richtung der USA auslaufen, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass. Die USA hatten im Vorfeld entsprechende Sanktionen gelockert.

Gleichzeitig – ebenfalls in St. Petersburg – traf der russische Ministerpräsident Michail Mischustin sein chinesisches Pendant Li Qiang. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit solle noch tiefer und resilienter werden, heisst es in der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Sprich: weniger anfällig gegenüber westlichen Sanktionen. Vereinbarungen im Bereich Handel, Raumfahrt und Technologie, etwa KI, wurden unterschrieben. Später empfing Putin Li Qiang persönlich.

Die beiden Besuche am selben Tag zeigen, dass Putin keineswegs international isoliert ist. China bleibt sein wichtigster strategischer Partner. Zugleich eröffnet die Trump-Regierung Moskau wieder politische und wirtschaftliche Perspektiven, die seit dem Überfall auf die Ukraine versperrt waren.

Kommt es zum Dreiergipfel? China hält sich bedeckt

Putin schwebt ein Dreiergipfel der Grossmächte vor – mit Trump und dem chinesischen Partei- und Staatschef Xi Jinping. Am 18. und 19. November findet der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in China statt. Dass sich Trump und Xi dort zu Gesprächen treffen werden, hatten die beiden bereits im September in Washington bekräftigt. Auch ein bilaterales Treffen zwischen ihm und Xi sei möglich, sagte Putin am Mittwoch.

Auch Trump hat sich der Idee eines Dreiergipfels mit Putin offen gezeigt. Aus Peking fehlt bislang eine Zusage oder Absage. Eine Sprecherin des Aussenministeriums sagte am Mittwoch lediglich, dazu habe sie noch keine Informationen.

Ein Thema des möglichen Dreiergipfels steht noch nicht fest. Sollte nukleare Abrüstung diskutiert werden, wie Trump vorgeschlagen hat, dürfte Xi wenig an einer Teilnahme gelegen sein. Peking hat solche Gespräche bisher stets abgelehnt mit der Begründung, dass das chinesische Arsenal viel kleiner sei als das amerikanische und das russsische. Ein Gespräch über Frieden in der Ukraine ohne die Beteiligung der Ukraine und Europa hingegen würde vorwiegend den Interessen Putins dienen. China ist keine neutrale Partei, sondern hilft Russland indirekt.

Russlands Kriegswirtschaft läuft dank China

Bei Chinas Rolle im Ukrainekrieg klaffen Wort und Tat auseinander. Im Februar 2023 veröffentlichte Peking einen Zwölf-Punkte-Plan. Darin steht, die «territoriale Integrität aller Staaten» und die «Sicherheitsinteressen einzelner Staaten» seien zu respektieren. Peking fordert eine Waffenruhe und Aufnahme von Friedensgesprächen, jedoch keinen Abzug russischer Soldaten. Zudem sei China gegen die «Expansion von militärischen Blöcken» und gegen «unilaterale Sanktionen».

Dass diese Sanktionen nur bedingt greifen, ist zu einem Grossteil China zu verdanken. Die Handelsstatistiken der EU und Chinas zeigen, wie Chinas Exporte nach Kriegsbeginn in die Höhe geschossen sind, während jene der EU absackten. Im Juli 2026 hat das Handelsvolumen zwischen China und Russland einen neuen Höchstwert erreicht. China ist Russlands wirtschaftliche Lebensader.

China liefert Russland nach eigenen Angaben keine tödlichen Waffen. Aber chinesische Unternehmen versorgen das Land mit elektronischen Bauteilen, Maschinen und anderen Gütern, die auch in der Rüstungsproduktion eingesetzt werden können. Nach Berechnungen der Kyiv School of Economics entfallen rund drei Viertel der russischen Importe besonders wichtiger Güter auf China.

Chinas Dual-Use-Exporte stiegen seit Kriegsbeginn deutlich. Derweil wurden die Sanktionen der USA und der EU immer gezielter und richteten sich ab 2024 auch gegen Firmen, die Werkzeugmaschinen aus China nach Russland exportierten.

Russland ist wirtschaftlich weitaus stärker von China abhängig als umgekehrt. Aber auch China braucht Russland: Nicht nur als günstigen Energieliferanten, sondern auch im strategischen Wettbewerb mit den USA und als verbündete nicht-westliche Nation im Uno-Sicherheitsrat. Die beiden Länder teilen eine über 4000-Kilometer-lange Grenze. Eine gedemütigte, instabile Atommacht Russland nach einer Kriegsniederlage wäre für China ein Risiko. China möchte also nicht, dass Russland den Krieg verliert.

Ein Frieden in der Ukraine, der Russland als strategische Macht erhält, könnte hingegen auch im Interesse Chinas liegen. Peking hat bisher den Spagat versucht, sowohl mit Russland als auch mit dem wichtigen Handelspartner EU gute Beziehungen zu pflegen.

Ein möglicher Dreiergipfel böte für Xi die Chance, China erneut als Friedensvermittler und als unverzichtbare Grossmacht zu präsentieren. Eine amerikanisch-russische Annäherung hat jedoch für Peking einen Preis: Russland wäre weniger auf China angewiesen.

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Peking trotzt westlichen Sanktionen und versorgt Russland ungebremst mit kriegswichtigen Gütern – darunter auch Videospiel-Ausrüstung zur Drohnensteuerung. Zolldaten zeigen, welche Materialien in Moskau besonders gefragt sind.

Source: Neue Zürcher Zeitung · Katrin Büchenbacher

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