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- Hunderttausende Menschen haben in Frankreich an einem nationalen Streik- und Protesttag der Gewerkschaften für höhere Gehälter und eine Anhebung des Mindestlohns demonstriert.
- Landesweit seien es mehr als 600'000 Personen gewesen, teilte das Innenministerium mit.
- Bei Protesten in mehreren Städten kam es zu Zusammenstössen zwischen Demonstrierenden und der Polizei.
In Paris schlug die zunächst friedliche Stimmung um, als einige Demonstranten mit der Polizei aneinandergerieten, die daraufhin Tränengas einsetzte.
In zahlreichen weiteren Grossstädten wie Rennes, Marseille, Nantes, Lyon, Bordeaux und Strassburg hätten Gruppen von jeweils mehreren hundert radikalen Kräften und Linksextremisten Polizisten mit Wurfgeschossen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Sie versuchten zudem, aus den Demonstrationszüge auszubrechen und in die Stadtzentren vorzudringen, teilte das Innenministerium mit.
Landesweit gab es nach einer vorläufigen Bilanz 448 Festnahmen, 53 Polizeibeamte wurden verletzt und es gab 86 Brandstiftungen. Beamte wurden unter anderem mit Steinen, Boule-Kugeln und improvisierten Sprengsätzen beworfen. In Strassburg wurde eine offenbar von Kunststudenten entworfene Puppe, die einen Bereitschaftspolizisten abbilden sollte, in Brand gesetzt. Der Präfekt habe die Justiz eingeschaltet, hiess es aus dem Ministerium.
Zahlreiche Schulen beschädigt
Schwere Sachbeschädigungen und Gewalt gab es an etlichen Schulen in Frankreich, wie das Ministerium mitteilte. Schulpersonal wurde in einigen Städten mit Feuerwerkskörpern beschossen und verletzt. Im Pariser Vorort La Courneuve verpasste ein junger Mann einem Schüler einen Messerstich, der an der Blockade einer Schule beteiligt war.
In Toulouse drangen Randalierer in eine Schule ein und legten einen Brand, verwüsteten Räume und zerstörten Computer. In Caen wurden zwei Gymnasien schwer beschädigt. In Lille wurde der Eingang eines Gymnasiums in Brand gesetzt, wonach die Schule evakuiert werden musste.
Anschluss an die Protestbewegung
Zum Protesttag hatten die Gewerkschaften aufgerufen. An den frankreichweit bislang grössten Demonstrationen beteiligten sich nach letzten Angaben des Innenministeriums 575'000 Menschen, davon 65'000 in Paris. Der Gewerkschaftsbund CGT sprach am Abend von 1.6 Millionen Teilnehmern landesweit.
Mit den Gewerkschaftsdemonstrationen setzen sich die seit Wochen andauernden Sozialproteste in Frankreich fort, die bislang federführend von Schüler- und Studentenorganisationen und der Gelbwestenbewegung organisiert wurden. Bei diesen Massenprotesten ging es vor allem um eine bessere Ausstattung von Schulen, um Polizeigewalt und die zu hohen Lebenshaltungskosten.
Die Gewerkschaften, deren Mitglieder nun in ihren traditionellen roten Westen auf die Strasse gehen, versuchen, mit ihrer klassischen Forderung nach höheren Löhnen Anschluss an die Protestbewegung zu finden.
Alles wird teurer – nur die Löhne steigen nicht
«Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erleben einen beispiellosen sozialen Abstieg. Kraftstoff, Lebensmittel, Mieten, Gas, Strom … alles wird teurer, nur die Löhne und Renten steigen nicht», hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaften. Diese warnten die Regierung und die Arbeitgeber: «Die Wut ist gross. Die Lage des Landes ist prekär. Auf die dringenden sozialen und ökologischen Probleme muss unverzüglich reagiert werden.»
Eine Erhöhung des Mindestlohns um 100 Euro netto pro Monat forderte die Chefin der Gewerkschaft CFDT, Marylise Léon, im Interview des Senders BFMTV.
Die Generalsekretärin der Gewerkschaft CGT, Sophie Binet, hat die Ankündigung der Regierung, den Mindestlohn über die im Januar 2027 ohnehin anstehende Erhöhung weiter anheben zu wollen, gelobt. Jedoch sei es nicht mit einer zusätzlichen Erhöhung um 0.5 oder 0.6 Prozent getan. «Frankreich ist das europäische Land, in dem der Mindestlohn in den letzten zehn Jahren am wenigsten gestiegen ist.»
Der Mindestlohn pro Stunde liegt in Frankreich derzeit bei 12.31 Euro brutto. Ein zum Mindestlohn Beschäftigter in Frankreich kommt bei einer 35-Stunden-Woche auf rund 1.867 Euro brutto.
SRF 4 News, 5.11.2026, 17 Uhr ; sda/dpa;schc/hesa;brus
Source: SRF · 05.11.2026, 18:22
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