Projekt der SBB und ETH Dieser Roboter soll bald im Gotthard-Basistunnel arbeiten

Die Unterhaltsarbeiten im längsten Eisenbahntunnel sind anspruchsvoll. Künftig soll ein ferngesteuerter Roboter helfen.

04.11.2026, 05:53

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Unterhaltsarbeiten im Gotthard-Basistunnel sind anspruchsvoll. Im 57 Kilometer langen Tunnel herrschen hohe Temperaturen, und der dichte Bahnverkehr wirbelt viel Staub auf. Deshalb können viele Arbeiten nur in den Nächten von Samstag auf Sonntag ausgeführt werden, wenn weniger Züge unterwegs sind.

Gleichzeitig steigt mit dem Alter des längsten Eisenbahntunnels der Welt der Unterhaltsbedarf. Um die Arbeiten künftig sicherer und effizienter zu machen, setzt die SBB auf ferngesteuerte Roboter.

Legende: Die SBB verfolgt das Projekt gemeinsam mit der ETH Zürich. Nun wurde es im SBB-Unterhalts- und Interventionszentrum in Biasca vorgeführt. Keystone/Ti-Press/Pablo Gianinazzi

Der Roboter erinnert an einen grossen Hund, nur der giraffenartige Hals passt nicht ganz ins Bild. Ein Hals, der eigentlich ein Greifarm ist: Damit soll er dereinst Schalter bedienen, Türen öffnen und einfache Handgriffe im Gotthard-Basistunnel übernehmen.

In Biasca wird das bereits geübt. Dafür wurden Verteilerkästen und Metalltüren aufgebaut, wie sie auch im Tunnel zu finden sind. Der Roboter fährt vor einen Schaltkasten, betätigt einen Kippschalter und schliesst eine Tür. Nach zwei Anläufen gelingt das Manöver.

Ferngesteuerter Roboterhund

Gesteuert wird er von einem Mitarbeiter mit Joystick und Kontrollarm, wie Max erklärt. Der junge US-Amerikaner ist ETH-Doktorand und arbeitet an diesem Forschungsprojekt.

«Unser Mitarbeiter Uni steuert den Roboter mit einem Arm und einem Joystick. Er nutzt den Joystick in erster Linie zur Bewegungssteuerung und den Arm für feinmotorische Aufgaben», erklärt der Forscher. «Er kann damit herumlaufen, sich drehen und den Roboter dorthin bewegen, wo er ihn gerade braucht.»

Legende: Was ein wenig wie ein Computerspiel aussieht, ist anspruchsvoll. Der Bediener brauche viel Übung, sagt ETH-Doktorand Max. Keystone/Ti-Press/Pablo Gianinazzi

Roboter dieser Art werden zwar bereits auf Ölplattformen eingesetzt, dort aber vor allem zur Überwachung und Diagnose, sagt ETH-Wissenschaftler Vaishakh Patil, der das Projekt gemeinsam mit der SBB leitet. Deshalb könne man bei diesem Roboter von einer Art Prototyp reden.

«Besonderes Projekt» für ETH-Forschende

«Die SBB hat uns eine ganz bestimmte Aufgabe gestellt. Wir sollen eine tunnelähnliche Umgebung nachbilden, in der ganz andere Lichtverhältnisse herrschen», erklärt Patil. Und das sei für diesen Roboter sehr schwer zu bewältigen. «Genau darauf sind wir spezialisiert – deshalb ist es für uns ein ganz besonderes Projekt.»

Der Logistikaufwand, um so weit im Innern des Tunnels einen Kasten zu öffnen, ist sehr hoch.

Bei der SBB leitet Alberto Bombelli das Innovationsprojekt. Roboter sollen keine Menschen ersetzen, betont er. Sie sollen die Mitarbeitenden unterstützen. «Wir können die Anlage näher an den Menschen bringen, aber das Know-how des Menschen bleibt unverzichtbar.» Denn wie eine Störung gelöst werde, müssten die Experten beurteilen.

Die Idee: Künftig könnten Roboter dauerhaft im Tunnel stationiert sein. Für Kontrollen oder kleinere Unterhaltsarbeiten müssten Mitarbeitende dann nicht mehr bis zu dreissig Kilometer ins Tunnelinnere fahren. Stattdessen würde der Roboter aus der Ferne aktiviert und gesteuert.

Feinjustierung an der «Tunneltauglichkeit»

«Der Logistikaufwand, um so weit im Innern des Tunnels einen Kasten zu öffnen, ist sehr hoch», sagt Bombelli. Und auch die Zeitfenster für Unterhaltsarbeiten seien begrenzt.

Die Robotertechnik mache es auch möglich, unter der Woche zu reagieren, auch wenn Züge fahren. Dieses Einzelmodell kostet etwa 250’000, die weitere Entwicklung, um ihn tunneltauglich zu machen, ist da noch mit eingerechnet.

Vor allem bei der Feinmotorik stösst die Technik noch an Grenzen. Auf die Frage, was der Roboter noch lernen müsse, antwortet Projektleiter Bombelli trocken: «Alles.»

Echo der Zeit, 3.11.2026, 18 Uhr

Source: SRF · Iwan Santoro

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