Preisgekrönter Dokumentarfilm «Vom Umgang mit dem Tod»: Funktioniert Vielfalt bis ins Grab?
An Allerheiligen rückt das Gedenken an Verstorbene in den Mittelpunkt. Amsterdam-Bijlmer ist ein Quartier, in dem Menschen aus über 150 Ländern leben – und sterben. Die Stadt möchte daher ein Bestattungsinstitut für alle bauen. Wie anspruchsvoll das sein kann, zeigt ein preisgekrönter Dokfilm.
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01.11.2026, 15:10
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Es gibt wenig Gewissheiten im Leben, doch sterben müssen wir alle. Wie wir persönlich damit umgehen, und welchen Einfluss die Gesellschaft, in der wir aufwachsen, auf unseren Umgang mit dem Tod hat, inspirierte den niederländischen Regisseur Paul Sin Nam Rigter zum Film «Vom Umgang mit dem Tod».
Er spielt im Amsterdamer Quartier Bijlmer. Das wurde ähnlich wie Bern-Bümpliz, Zürich-Schwamendingen oder Le Lignon bei Genf in den 60ern als modernistische Planstadt errichtet. Hier leben Menschen aus den ehemaligen niederländischen Kolonien wie Suriname, Indonesien und der Karibik sowie aus Westafrika und dem Nahen Osten.
Ein Bestattungshaus für alle
Ein Unternehmen möchte nun Synergien nutzen und ein Bestattungsinstitut für alle bauen. Anita van Loon, eine weisse Niederländerin, wird mit der Aufgabe betraut, die Idee den diversen religiösen und kulturellen Gemeinschaften schmackhaft zu machen.
Doch je tiefer sie ins Thema eindringt, desto mehr stellt sie fest, wie wenig sie über die verschiedenen Kulturen des Quartiers weiss.
Sternstunde Religion Vom Umgang mit dem Tod
Kultur Laufzeit 58 Minuten.
Sie steht also stellvertretend für jene Menschen, die wenig Kontakt mit Menschen haben, die anders leben, glauben und trauern. Rigter war es wichtig, diese beiden Welten in seinem Film zusammenzubringen.
«In der westlichen Welt ist man sehr zurückhaltend, in der surinamisch-kreolischen Gemeinschaft beispielsweise ist die Trauer überschwänglich, der Tod wirkt fröhlich, ist es aber nicht», sagt der Filmemacher. Eine passende Szene: der Auftritt einer Brassband, die einer Verstorbenen das letzte Geleit gibt.
Bern ist offen für alle – und alles
Ein Blick in die Schweiz: Der Bremgartenfriedhof in Bern gilt als Vorreiter für vielfältige Bestattungsformen. Blaskapellen bei Beerdigungen sind hier selten, Gesang, Musik und bunte Kleider hingegen nicht. Hier gibt es einen Hindutempel, nach Mekka orientierte muslimische und seit letztem Jahr auch alevitische Gräber.
Ab Mitte 2027 wird man sich gemeinsam mit seinem Haustier bestatten lassen können, und in der ehemaligen Urnenhalle des Krematoriums werden Kaffee und Kuchen gereicht.
Der Bremgartenfriedhof ist ein Deutschschweizer Pionier, war er doch der erste Friedhof, der Gräber für Muslime ausheben liess. Inzwischen sind islamische Bestattungen auf rund 40 Schweizer Friedhöfen möglich. Manchmal, wie etwa in Weinfelden, wird eine derartige Erweiterung jedoch nicht goutiert.
In Bern, so Noëmi Bourquin von «Stadtgrün Bern», hätte sich das Angebot in den vergangenen 25 Jahren gut etabliert und werde geschätzt. «Besondere Herausforderungen gegenüber anderen Bestattungen stellen wir nicht fest.» Die Stadt Bern versuche, auf die Bedürfnisse von Verstorbenen und Hinterbliebenen einzugehen.
Genauso wie dies auch die Stadt Amsterdam mit ihrem Projekt eines religionsübergreifenden Bestattungsinstituts tut. «Die grosse Frage ist: Sollen wir zu einem grossen Schmelztiegel werden, oder ist es besser, wenn jeder in seiner eigenen Welt bleibt?», fragt sich Filmemacher Rigter.
Er hoffe, sein Film könne helfen, diese Frage zu beantworten – oder zumindest zu diskutieren. Vielleicht entstehe so ein gewisses Verständnis für die Sichtweise des anderen. «Das ist in dieser Zeit der Polarisierung sehr willkommen.»
«Vom Umgang mit dem Tod» (Originaltitel «Dood in de Bijlmer») wurde 2020 beim International Documentary Film Festival Amsterdam IDFA als bester niederländischer Dokumentarfilm ausgezeichnet und ist auf Play SRF verfügbar.
SRF 1, Sternstunde Religion, 25.10.2026, 10:00 Uhr
Source: SRF · Christian Walther
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