Podcast «NZZ Geopolitik»

Kaum gewählt, müssen Politiker liefern: Wie die Zalando-Mentalität die Demokratie bedrängt

Die wachsende Kluft zwischen dem enormen Tempo des digitalen Wandels und der Realität demokratischer Prozesse schürt Frustration. Im Podcast analysiert der Soziologe Matthias Quent, wie die Beschleunigung den populistischen Kräften in die Hände spielt.

21.10.2026, 05.30 Uhr


Wie die Zalando-Mentalität die Demokratie bedrängt

David Vogel mit Matthias Quent

21. 10. 2026

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In dieser Podcast-Episode:

In einer Welt, die von der sofortigen Bedürfnisbefriedigung durch Dienste wie Amazon oder Zalando geprägt ist, überträgt sich die Erwartungshaltung zunehmend auf die Politik. Komplexe Probleme wie die Klimakrise oder wirtschaftliche Instabilität sollen schnell und unkompliziert gelöst werden. Doch die langsamen und auf Kompromissen basierenden Prozesse der Demokratie können mit diesem Tempo nicht mithalten. Diese Diskrepanz erzeugt ein Vakuum, in dem sich Unmut und das Gefühl der politischen Ohnmacht ausbreiten.

Diese Stimmung machten sich extremistische und populistische Parteien zunutze, sagt Matthias Quent. «Sie gewinnen den ‹Wettbewerb um Aufmerksamkeit›, indem sie einfache Antworten auf komplizierte Fragen anbieten», erklärt der Jenaer Soziologe in der neuen Folge von «NZZ Geopolitik». Extremistische Parteien könnten sich so als tatkräftige Alternative zu den etablierten Parteien inszenieren, die als handlungsunfähig empfunden würden. «Es ist im Grunde ein Zeitgeist, der zu Erwartungen an die Politik führt, genauso schnell zu liefern wie Amazon oder Zalando.» Diese unerfüllbaren Erwartungen führten unweigerlich zu Enttäuschungen und stärkten jene, die das System als Ganzes infrage stellten.

Die Folge: Die etablierten Parteien werden zu Getriebenen der öffentlichen Meinung. Ihre Fähigkeit zur Lösungsfindung wird weiter gelähmt. Gleichzeitig nutzen populistische Akteure die entstehende Frustration, um ihre Anhängerschaft zu mobilisieren. Im Gespräch mit David Vogel beschreibt Quent einen möglichen Ausweg: Anstatt auf den grossen Wurf von oben zu warten, sei es entscheidend, im eigenen Umfeld aktiv zu werden: «Die Hoffnung kommt nicht aus einer grossen Erzählung, sondern sie kommt aus der Handlung.»

Alle Episoden von «NZZ Geopolitik: das grosse Ganze verstehen» finden Sie in dieser Übersicht.

4 Kommentare

Philipp Beyeler

vor 2 Stunden

Der gegenwärtige Wähler- oder Volksfrust hat überhaupt nichts mit einer„Zalando-Mentalität“ zu tun, sondern damit, dass der Bürger endlich einmal eine (rechts-) bürgerliche Politik bekommen möchte. Und dass endlich gewonnene Volksabstimmungen (welche dem linken Mainstream natürlich nicht passen) auch tatsächlich umgesetzt werden. Solange das nicht passiert, wird sich am aktuellen Bürgerfrust nichts ändern.

Heinz Wälti

vor 3 Stunden

Das Problem bei der Durchsetzung von Volkswillen sind die Widersprüche. Gestern waren viele für Zuwanderung, nach dem Motto: Offen für Alle. Was mehr Leute für den Wohnungsmarkt bedeutet, konnte natürlich niemand wissen. Auch über Waffen und Krieg durfte nie gesprochen werden. Sonst wurde man als Kriegsgurgel dargestellt. Ebenso bei Strom, AKWs und EU und EWR. Wie kann man Stimmbürger/innen noch ernst nehmen die alle paar Minuten ihre Meinungen ändern? Ein bisschen Selbstkritik würde helfen.

Source: Neue Zürcher Zeitung · David Vogel

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