Platzt gerade die KI-Blase, oder sind die Investoren bloss nervös wegen der Zwischenwahlen in den USA?

Seit drei Wochen sinken die Kurse von Tech-Aktien. Was dafür spricht, dass es bald wieder aufwärtsgeht.

01.11.2026, 05.30 Uhr

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Der Tech-Konzern Google wurde an der Börse hart abgestraft.

Der Tech-Konzern Google wurde an der Börse hart abgestraft.

Annegret Hilse / Reuters

Der KI-Boom ist seit einigen Wochen ins Stocken geraten. Am Freitag hat sich die Kurserosion noch beschleunigt: Der Nasdaq-100-Index brach um 3,5 Prozent ein.

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Besonders spektakulär war der Absturz von Intel. Die Aktie des Chipherstellers verlor satte 29 Prozent, weil das Unternehmen für das laufende Quartal einen tieferen Gewinn in Aussicht gestellt hatte als erwartet.

Auch Google büsste an einem einzigen Handelstag einen Börsenwert von 500 Milliarden Dollar ein. Das Unternehmen investiert weiterhin massiv in den Ausbau der KI-Infrastruktur, kann diesen aber schon lange nicht mehr mit Cashflows finanzieren, sondern muss laufend frisches Kapital aufnehmen. Gleichzeitig beeinträchtigen KI-Dienste Googles Umsätze bei der Internetwerbung. Das Unternehmen kannibalisiert sich also selbst. Kein Wunder, reagieren seine Aktionäre verstört.

Kurz: An der Wall Street geht wieder einmal die Sorge um, dass sich die enormen Ausgaben der Technologiekonzerne für künstliche Intelligenz nicht so rasch auszahlen würden wie erhofft.

Ich behaupte sogar, dass die Unternehmen die getätigten Investitionen in KI-Infrastruktur nie mehr hereinspielen können, denn die Zeit läuft gegen sie.

Der grösste Teil des eingesetzten Kapitals steckt in der Hardware: KI-Chips machen etwa 60 Prozent der Investitionskosten eines modernen Datenzentrums aus. Doch diese Chips verlieren rasch an Wert und müssen nach wenigen Jahren ersetzt werden. Dazu kommt, dass beim Betrieb massive Stromkosten entstehen. Auch die kalkulatorischen Zinsen für das investierte Kapital sollten, wie in jeder seriösen Kostenrechnung, mit etwa 10 Prozent pro Jahr veranschlagt werden.

Es fehlt mir schlicht die Vorstellungskraft für ein Szenario, bei dem eine solche Investitionsrechnung aufgehen könnte. Und ich behaupte, dass mein früherer Professor für internes Rechnungswesen – der noch weniger Phantasie hatte als ich – bloss die Hände verwerfen würde, stünde er jetzt hier neben mir. Wenn er ob der Dummheit seiner Studenten besonders erregt war, was häufig vorkam, hatte er jeweils Schaum vor dem Mund.

Trotzdem mache ich mir keine Sorgen, dass an den Börsen gerade die KI-Blase platzt. Ich denke, dass die Unsicherheit primär mit den bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA zu tun hat. Das war auch in der Vergangenheit häufig der Fall in solchen Midterm-Jahren.

Schon nächste oder übernächste Woche dürfte es wieder aufwärtsgehen – selbst bei Tech-Aktien, die ich grundsätzlich meide. Sogar der nächste grosse Test für den KI-Trade, der Börsengang von Anthropic, könnte gut ausgehen.

Ich glaube, dass es an den Finanzmärkten erst eine Welle der Euphorie braucht und sich die KI-Blase so richtig aufblähen muss, damit sie überhaupt platzen kann. Seit Monaten schon überwiegen an der Börse die warnenden Stimmen, was ein gesundes Signal ist. Wahrscheinlich sind auch die künftigen Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank Fed korrekt eingepreist.

Aber selbstverständlich ist das nur ein Bauchgefühl. Im Gegensatz zu Kostenrechnungen gibt es an der Börse keine Kennzahlen, die anzeigen, wie es kurzfristig weitergeht.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Markus Städeli

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