Pierre Alain Schnegg und Marco Chiesa wollen in den Bundesrat: Auf einmal häufen sich bei der SVP die Kandidaturen

Der Tessiner Ständerat wäre bereits der zweite Tessiner in der Landesregierung. Auch für den Berner Regierungspräsidenten ist die Herkunft eine Hypothek – aber womöglich auch ein Trumpf.

22.10.2026, 20.33 Uhr

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Der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg will Nachfolger des SVP-Bundesrats Guy Parmelin werden.

Der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg will Nachfolger des SVP-Bundesrats Guy Parmelin werden.

Anthony Anex / Keystone

Unmittelbar vor Ablauf der parteiinternen Bewerbungsfrist kommt Bewegung ins Rennen um die Nachfolge des SVP-Bundesrats Guy Parmelin. Am Donnerstagabend haben der Berner Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg und der Tessiner Ständerat Marco Chiesa ihre Kandidaturen angekündigt. Zuvor hatten die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz und der Solothurner Nationalrat Rémy Wyssmann ihre Bewerbungen eingereicht.

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Am Donnerstag verdichteten sich die Anzeichen, dass bis Freitagmittag noch weitere Bewerber das Kandidatenfeld der SVP verbreitern könnten. In Bundesbern rechnete man damit, dass vor Ablauf der Frist auch noch der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati und der Zuger Nationalrat und Fraktionspräsident Thomas Aeschi ihren Hut in den Ring werfen könnten. Mindestens eine weitere Kandidatur wird aus dem Kanton Wallis und aus Zürich erwartet.

Kandidaten aus allen Sprachregionen

In den ersten Wochen nach der Rücktrittsankündigung von Parmelin war die SVP vor allem mit Absagen aussichtsreicher Bewerberinnen und Bewerber aufgefallen. Nun hat die Partei alle ihre Kräfte mobilisiert, um ein breites Feld von Kandidaten aus verschiedenen Landesgegenden zu präsentieren.

Mit den Kandidaturen von Chiesa und Schnegg signalisiert die Partei, dass sie profilierte Exponenten aus der Romandie und der italienischsprachigen Schweiz in ihren Reihen hat. Der 52-jährige Chiesa war Lokal- und Kantonalpolitiker im Tessin, das er heute als Ständerat in Bern vertritt. Er ist national bekannt, da er zwischen 2020 und 2024 die SVP Schweiz präsidierte.

Der Tessiner SVP-Ständerat Marco Chiesa (rechts) scherzt mit Marcel Dettling, seinem Nachfolger als SVP-Präsident.

Der Tessiner SVP-Ständerat Marco Chiesa (rechts) scherzt mit Marcel Dettling, seinem Nachfolger als SVP-Präsident.

Peter Schneider / Keystone

In einer Mitteilung schreibt die Tessiner SVP, Chiesa habe im Lauf seiner Karriere sein Wissen über die «regionalen Eigenheiten» der Schweiz und die verschiedenen «Sensibilitäten» der Landesteile vertieft. Gegen ihn spricht allerdings, dass mit Aussenminister Ignazio Cassis bereits ein Tessiner in der Landesregierung sitzt. Mit zwei Bundesräten wäre die italienischsprachige Schweiz krass übervertreten.

Alternative zu Amaudruz

Anders ist die Ausgangslage für den bernischen Regierungspräsidenten Schnegg. Der 63-Jährige stammt aus dem Berner Jura, wo er eine Softwarefirma leitete und als Verwaltungsratspräsident eines Spitals amtierte. Nachdem er zwei Jahre lang für die SVP im Grossen Rat politisiert hatte, wurde er 2016 in den Regierungsrat gewählt. In der bernischen Exekutive verfügt die französischsprachige Minderheit über einen garantierten Sitz.

Als Exekutivpolitiker hat sich Schnegg einen guten Ruf erarbeitet. Er leitet seit seinem Amtsantritt die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion. In der Regierung gilt er als integer und kompetent, als fähiger Organisator und als kollegial. Während der Corona-Pandemie setzte er zunächst auf Einschränkungen und liess sich auch von der Kritik seiner Partei und von Massnahmengegnern nicht beirren. Später mässigte er seinen Kurs.

Der Vater von vier Kindern gehört einer Freikirche an und ist sozial- und gesellschaftspolitisch konservativ eingestellt. Gleichzeitig gilt er als eigenständiger Kopf und nicht als Hardliner, was seinen Wahlchancen im Parlament im Falle einer Nomination durch die SVP-Fraktion zuträglich wäre. Allerdings ist er als Kantonalpolitiker in Bundesbern nicht besonders gut vernetzt.

Schneggs Herkunft aus dem Berner Jura ist derweil Trumpf und Hypothek zugleich. Als frankofoner Politiker könnte er in der SVP-Bundeshausfraktion Unterstützung von jenen Parlamentariern erhalten, die die forsche Bankerin Céline Amaudruz nicht aufs offizielle SVP-Ticket setzen, aber auch die Westschweizer nicht brüskieren wollen. Die Romands haben mit ultimativen Tönen ihren Anspruch auf den Sitz angemeldet. Doch Amaudruz verfügt in den Reihen der Deutschschweizer SVP über wenig Rückhalt.

Eine Hypothek für Schnegg ist, dass mit Albert Rösti bereits ein Berner SVP-Vertreter im Bundesrat sitzt. Röstis Generalsekretär, Yves Bichsel, hatte einst für Schnegg als Generalsekretär gearbeitet. Wie Schnegg hat auch Bichsel einen evangelikalen Hintergrund. Doch auch für den Fraktionschef Aeschi, der im Falle einer Kandidatur zu den Favoriten der SVP zählen dürfte, wäre die Herkunft kein Trumpf. Denn mit Verteidigungsminister Martin Pfister sitzt bereits ein Zuger in der Landesregierung.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Niklaus Nuspliger

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