Mit einem prominenten Auftritt im «Sonntagsblick» kündigt Thomas Aeschi seine Kandidatur für den Bundesrat an. Zwei Wochen nach Ablauf der parteiinternen Meldefrist. Dies ist ein aussergewöhnliches Vorgehen. Aber Aeschi ist eben ein gebranntes Kind: 2015 kandidierte er bereits einmal – und wurde nicht gewählt.
Als Fraktionschef ist Aeschi ein Schwergewicht innerhalb der SVP. Seine Chancen, aufs offizielle Ticket seiner Partei zu kommen, sind sehr hoch. Doch seine Chancen, von der Bundesversammlung auch zum Bundesrat gewählt zu werden, sind nicht gleich hoch.
Fachlich kompetent, aber weniger «gmögig»
Aeschi gilt als Hardliner, der die Positionen der SVP kompromisslos vertritt und die Fraktion straff führt. Bei den anderen Parteien löste dies immer wieder Widerstände aus. Auch das Handgemenge mit der Polizei anlässlich des Besuchs des ukrainischen Parlamentspräsidenten vor zwei Jahren irritierte viele im Bundeshaus. Dem 47-jährigen Zuger Thomas Aeschi geht der «Gmögigkeitsfaktor» ab, seine Fachkompetenz und Dossierfestigkeit sind hingegen unumstritten.
Mit seiner Kandidatur ändert sich die Ausgangslage für die Wahl vom 9. Dezember: Im Feld der Kandidierenden fehlte bisher ein Top Shot der Partei, mit Aeschi betritt ein solcher die Arena. Für die Parteispitze der SVP dürfte er nun der klare Favorit für die Nachfolge von Guy Parmelin sein.
Schlechte Nachricht für die Romandie
Keine gute Nachricht ist die Kandidatur von Aeschi für die Westschweizer SVP: Mit Parmelin tritt ein Romand ab. Verschiedene Westschweizer SVP-Vertreterinnen und -Vertreter fordern, dass der Sitz in der Romandie bleibt. Doch mit dem Schwergewicht Aeschi im Rennen wird es für die frankophonen Kandidaturen – jene von Céline Amaudruz und Pierre Alain Schnegg – schwieriger, aufs Ticket zu kommen.
Aber am Ziel darf sich Aeschi nicht fühlen – dass Bundesratswahlen unberechenbar sind und dass nicht immer der Favorit das Rennen macht, musste er bei seiner ersten Kandidatur erfahren.
Rafael von Matt
Bundeshausredaktor
Rafael von Matt arbeitet seit 2007 bei SRF. Aktuell ist er Bundeshausredaktor und Moderator der Diskussionssendung «Forum».
Source: SRF · Eine Analyse von Rafael von Matt
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