Die private Nova Poshta befördert Hunderte Millionen Pakete pro Jahr – aus dem Kriegsgebiet überall hin in Europa.

26.10.2026, 05:23

«Wir sind die Letzten, die eine Kriegszone verlassen – und die Ersten, die in zurückeroberte Gebiete zurückkehren», sagt Dennis Bazilevych stolz. Er vertritt Nova Global, den Mutterkonzern von Nova Poshta, der privaten ukrainischen Post.

Legende: Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat die ukrainische Post an Bedeutung gewonnen. Reuters/Valentin Ogirenko

Das Unternehmen existiert seit 25 Jahren. Aber vor allem seit dem russischen Angriff 2022 erlebt die Firma einen Boom. Sie ist eine Lebensader innerhalb und ausserhalb des Landes.

255 Millionen Pakete in sechs Monaten

Seit dem ersten Tag des Krieges sei Nova Poshta den Ukrainerinnen und Ukrainern überallhin nach Europa gefolgt. Das Unternehmen ist in 17 EU-Ländern vertreten. Binnen weniger Tage erreicht jedes Paket sein Ziel in Europa. Von Charkiw nach Wien dauerte es in einem verbürgten Fall beispielsweise nur zwei Tage.

Nova Poshta ist vielleicht die schnellste Post der Welt. Der Jahresumsatz beträgt über eine Milliarde Euro. Am eindrücklichsten ist allerdings die Zahl der beförderten Pakete: Dennis Bazilevych lacht fast etwas ungläubig, als er auf seinem Handy die aktuellen Daten checkt: «255 Millionen Pakete im ersten Halbjahr 2026.»

Ein Projekt auch der Zivilgesellschaft

Wie funktioniert das? Mit KI, Digitalisierung, Robotern und in enger Abstimmung mit den EU-Regulierungen. Digitale Frachtbriefe sind Standard, es gibt kaum Wartezeiten an der Grenze.

Zudem ist Nova Poshta ein zivilgesellschaftliches Projekt: Ukrainer und Ukrainerinnen, vor allem auch im Ausland, können Partner werden, indem sie einen Shop als Postfiliale nutzen oder ihre Autos für den Transport.

Ein Augenschein in Wien hinter der Donau und hinter dem Donaukanal bei den «Kaisermühlen»: In einem Shop mit ukrainischen Esswaren gibt es auch einen Schalter der Nova Poshta. Hier arbeitet die 25-jährige Ukrainerin Anastassia. Sie war schon vor dem Grossangriff Russlands im Februar 2022 zum Studieren nach Wien gekommen. Jetzt arbeitet sie für Nova Poshta, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Billiger und schneller als die österreichische Post

Das ukrainische Ehepaar Julia und Sergej ist zufrieden mit dem Service: «Es dauert zwei bis drei Tage, um ein Paket in das Kriegsgebiet Ukraine zu schicken oder von dort zu erhalten», sagt Sergej.

Legende: Immer wieder beschiessen die Russen Filialen oder Lager der Nova Poshta, wie hier in der Region Kiew Ende September 2026. Imago/Volodymyr Tarasov

Die deutsche und die österreichische Post seien im Vergleich «teuer und langsam», ergänzt seine Frau Julia. Dazu passt eine Geschichte: Sergej, ein Seemann, musste seiner Frau in Wien einst seinen Pass aus Rotterdam schicken. Der Pass erreichte nie sein Ziel. Er ging verloren. Sergej lacht.

Russische Angriffe

Seit diesem Sommer allerdings greift Russland massiv die zivile ukrainische Infrastruktur an. Das erschwert auch die Arbeit von Nova Poshta: Im Juni sei einer der grössten und modernsten Terminals des Unternehmens zerstört worden, berichtet Dennis Bazilevych.

Deshalb gebe es in der Ukraine eine ganze Reihe von Unternehmen, die in Kriegszeiten möglichst resilient organisiert würden. Unter dem Dach von Nova Global seien dies neben Nova Poshta auch Nova Energy oder Nova Pay.

Source: SRF · Peter Voegeli

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