Neuer China-Schock für Mercedes: Der Autobauer muss seine Prognose nach unten korrigieren

Der Absatz in dem asiatischen Land geht um rund 30 Prozent zurück, der Aktienkurs fällt deutlich. Konzernchef Ola Källenius muss um die Ziele seines Sanierungsplans bangen.

27.10.2026, 16.01 Uhr

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Mit Autos wie der überarbeiteten S-Klasse will Mercedes wieder an die Spitze

Mit Autos wie der überarbeiteten S-Klasse will Mercedes wieder an die Spitze

Reuters

In seiner Begeisterung für den chinesischen Automarkt gibt sich Ola Källenius seit Jahren unverdrossen. Im April verstieg sich der Mercedes-Chef am Rande der Automesse in Peking sogar zu einem überraschenden Bekenntnis: «Ich bin Chinese», sagte er da.

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Solch positive Wortmeldungen stehen im harten Kontrast zur geschäftlichen Realität im einstigen Wachstumsland. Wie bei anderen deutschen Autobauern schrumpfen auch die Absatzzahlen von Mercedes in China beschleunigt dahin. An diesem Dienstag musste der Stuttgarter Konzern seine Prognose für das Jahr deutlich nach unten korrigieren. Wenn sich die Entwicklung derart ungebremst fortsetzt, gefährdet das die Ziele des von Källenius unter dem Namen «Next Level Performance» angestossenen Sanierungsprogramms.

Neben dem «zunehmend herausfordernden Marktumfeld in China» machten auch «höhere Kosten im vierten Quartal, inklusive höherer Materialkosten» eine Anpassung erforderlich, teilte das Unternehmen einen Tag vor der Bekanntgabe seiner Zahlen für das dritte Quartal mit. Statt zwischen drei und fünf Prozent soll die bereinigte Umsatzrendite nun nur noch zwei bis drei Prozent betragen. Das Vorsteuerergebnis soll nicht mehr deutlich höher als im Vorjahr ausfallen, sondern auf dem gleichen Niveau wie 2025 liegen. Da war es mit rund acht Milliarden Euro gegenüber 2024 um knapp 40 Prozent zurückgegangen.

Die Aktie fällt um vier Prozent

Zusammen mit der angepassten Prognose veröffentlichte Mercedes auch einige Zahlen für das dritte Quartal. Dass diese die Erwartungen der Analysten weitgehend erfüllt haben, konnte die finstere Stimmung der Investoren kaum aufhellen. Der Aktienkurs fiel um rund vier Prozent. Seit Beginn des Jahres haben die Papiere damit mehr als ein Drittel ihres Werts verloren.

Wie dramatisch es in China weiter abwärts geht, hatte Mercedes bereits einige Tage zuvor mitgeteilt. Im dritten Quartal brach der Absatz um 31 Prozent auf nur noch rund 86 000 Fahrzeuge ein, in den ersten neun Monaten liegt er mit nicht einmal 300 000 Autos so niedrig wie seit 2015 nicht mehr. Im Rekordjahr 2020 hatte Mercedes in dem asiatischen Land von Januar bis Dezember fast 800 000 Autos abgesetzt.

Das Geschäft in China leidet unter einem harten Konkurrenzkampf bei  gleichzeitiger Kaufzurückhaltung. Von Januar bis September ging die Zahl der in der Volksrepublik verkauften Autos um fast 22 Prozent zurück. Noch deutlicher fiel der Schwund bei Verbrennern, westlichen Herstellern und im Luxussegment aus. Mercedes war von der Krise folgerichtig besonders betroffen.

Um den Absatz zu stabilisieren setzt Konzernchef Källenius darauf, mehr Fahrzeuge als bisher komplett in China zu entwickeln und zu bauen. Im Februar hatte er im Interview mit der NZZ gesagt, dass sich Mercedes nicht in «ruinöse Preisregionen» bewegen werde, um seinen Marktanteil zu verteidigen. Ein «Produktfeuerwerk» solle jedoch dafür sorgen, dass Mercedes perspektivisch wieder wachsen könne.

In Europa und den USA legt der Absatz zu

Anderswo ist das  bereits gelungen. In Europa und den USA hat der Konzern beim Absatz in den ersten neun Monaten zugelegt, der Verkauf elektrischer Fahrzeuge zog besonders stark an. Allerdings belasten die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Kosten auch hier die Margen.

Ein weitere Kostentreiber startet Anfang Dezember: Über grosszügige Abfindungen will Mercedes dann vor allem in der Verwaltung Tausende Stellen abbauen. Dadurch sollen die Personalkosten dauerhaft um eine Milliarde Euro im Jahr sinken. Insgesamt will Källenius die Ausgaben jährlich um fünf Milliarden Euro drücken und damit auch den Verfall des chinesischen Marktes kompensieren.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Cornelius Welp

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