Nachfolge von Guy Parmelin Politologe: «Bundesrats-Job ist nach wie vor attraktiv»

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Die Uhr tickt. Bis am Mittag können sich SVP-Mitglieder melden, die aufs offizielle Ticket für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin wollen. Bis jetzt haben vier Personen ihren Hut in den Ring geworfen. Auffallend: Diverse Aushängeschilder der Partei verzichten. Ist der Bundesratsjob nicht mehr attraktiv genug? Antworten vom Politologen Sean Müller.

Sean Müller

Politologe

Sean Müller ist Privatdozent am Institut für Politikwissenschaften der Universität Bern. Seine Kernthemen sind Föderalismus, Demokratie und nationaler Zusammenhalt.

SRF News: In den nächsten Wochen muss die SVP entscheiden, wer aufs Ticket kommt. Wie attraktiv ist die aktuelle Auswahl?

Sean Müller: Derzeit gibt es immerhin vier Kandidatinnen und Kandidaten aus allen Landesteilen. Die SVP als grösste Partei der Schweiz hat bislang eine anständige Offerte auf dem Menu.

Es ist nach wie vor sehr attraktiv, in den Bundesrat zu gehen – auch wenn es ein Verschleissjob ist.

Einige namhafte Personen haben abgesagt. Wieso ist für diese SVP-Aushängeschilder ein Bundesratsamt nicht mehr attraktiv?

Die Liste der Absagen ist tatsächlich länger als die der Kandidierenden. Das erinnert an letztes Jahr, als sich ein ähnliches Problem bei der Mitte-Partei zeigte. Ich glaube aber nicht, dass das Amt des Bundesrats weniger attraktiv geworden ist. Wer sich bei einer konkreten Wahl zur Verfügung stellt, hat auch mit Zufallsfaktoren zu tun.

Diese Kandidaten haben bereits abgesagt

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  • Bild 1 von 15. Thomas Matter. Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter kandidiert nicht für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin. Bildquelle: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller.

  • Bild 2 von 15. Mike Egger. Mike Egger, St. Galler SVP-Nationalrat, kandidiert nicht für den Bundesrat. Stattdessen könne er sich eine Kandidatur für die St. Galler Regierung bei den Wahlen 2028 vorstellen, wie er gegenüber dem Ostschweizer Fernsehsender TVO sagte. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.

  • Bild 3 von 15. Franz Grüter. Franz Grüter, SVP-Nationalrat, Unternehmer und Mitglied im SVP‑Parteivorstand. Er habe zusammen mit seiner Familie entschieden, nicht für den Bundesrat zu kandidieren, begründete Grüter seine Absage. Bildquelle: Keystone/Georgios Kefalas.

  • Bild 4 von 15. Esther Friedli. Esther Friedli, St. Galler Ständerätin. Seit ihrer Wahl in den Ständerat wird sie regelmässig als Bundesratskandidatin gehandelt. Sie steht aber dieses Mal als Kandidatin nicht zur Verfügung, wie sie am 9. Oktober dem Portal Toggenburg 24 bekannt gab. Bildquelle: KEYSTONE/ Alessandro della Valle.

  • Bild 5 von 15. Magdalena Martullo-Blocher. Magdalena Martullo-Blocher, Nationalrätin Graubünden, wird selten als ernsthafte Nachfolgerin genannt. In einer Vereinigten Bundesversammlung müsste sie Stimmen weit über die SVP hinaus gewinnen. Viele Parlamentarier von Mitte, SP, Grünen und GLP würden ihre Wahl wohl ablehnen. In der «Arena» hat sie zudem gesagt, sie werde nicht kandidieren. Bildquelle: KEYSTONE / Andreas Becker.

  • Bild 6 von 15. Christian Imark. Der Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark will ebenfalls nicht Nachfolger von Guy Parmelin werden. Imark begründet den Verzicht mit seiner familiären Situation. Bildquelle: Keystone / Christian Beutler.

  • Bild 7 von 15. Nicolas Kolly. NIcolas Kolly, SVP-Nationalrat, kandidiert nicht für den Bundesrat. Er strebt stattdessen einen Sitz im Ständerat an. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.

  • Bild 8 von 15. Marcel Dettling. Marcel Dettling, seit 2024 SVP‑Parteipräsident. Seine Stärken liegen vor allem innerhalb der SVP, seine Schwächen eher bei der Wählbarkeit im Parlament. Er sagte allerdings bereits zur «Aargauer Zeitung», dass er nicht für Parmelins Nachfolge kandidieren und sich stattdessen auf die Führung seiner Partei fokussieren will. Bildquelle: KEYSTONE / Urs Flüeler.

  • Bild 9 von 15. André Rüegsegger. Der Schwyzer SVP-Regierungsrat André Rüegsegger verzichtet auf eine Bundesratskandidatur. Auf Anregung seiner Kantonalpartei hatte sich der Politiker aus Brunnen SZ mit einer möglichen Kandidatur befasst. Bildquelle: Keystone / Urs Flüeler.

  • Bild 10 von 15. Pascal Schmid. Pascal Schmid, Thurgauer Nationalrat. Asylspezialist der SVP. Er wird in Teilen der Partei inzwischen als eine Art «Kronprinz» gehandelt und taucht in neueren Spekulationen zunehmend auf. Bildquelle: KEYSTONE / Alessandro della Valle.

  • Bild 11 von 15. Pierre-André Page. Auch Pierre-André Page, Freiburger SVP-Nationalrat und amtierender Nationalratspräsident, verzichtet auf eine Bundesratskandidatur. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.

  • Bild 12 von 15. Sylvain Freymond. Sylvain Freymond, SVP-Nationalrat und Präsident der SVP Waadt, verzichtet auf eine Kandidatur. Er konzentriere sich lieber auf die kantonalen Wahlen, die 2027 stattfinden. Bildquelle: KEYSTONE/Cyril Zingaro.

  • Bild 13 von 15. Yvan Pahud. Yvan Pahud, Waadtländer Nationalrat, verzichtet auf eine Kandidatur. Obwohl er an dem Amt interessiert sei, sei dies «nicht der richtige Zeitpunkt», sagte der Gemeindepräsident von Sainte-Croix. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.

  • Bild 14 von 15. Natalie Rickli. Natalie Rickli, Zürcher Regierungsrätin, ehemalige Nationalrätin. Sie galt seit Jahren als bundesratsfähig. Über Instagram teilte sie jedoch mit, auf eine Bundesratskandidatur zu verzichten, um ihre Arbeit im Regierungsrat fortzusetzen. Bildquelle: KEYSTONE / Ennio Leanza.

  • Bild 15 von 15. Gregor Rutz. Der Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz wird nicht kandidieren. Einen Wechsel in die Landesregierung hatte der Präsident des Schweizerischen Hauseigentümerverbands im Gespräch mit CH Media bereits frühzeitig ausgeschlossen. Bildquelle: KEYSTONE / Christian Beutler.

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Vor allem muss eine Kandidatur in die persönliche Planung passen. In Zürich stehen im Frühling Wahlen an, gewisse Personen wollen in den Ständerat. Hier könnte es weniger gut ankommen, wenn man auch noch in den Bundesrat will.

Kann es sein, dass man einfach weiter auf SVP-Parteilinie politisieren will?

Man kann die Ideologie der Partei auch im Bundesrat weiterverfolgen – natürlich weniger stark und explizit. Andererseits geht es um das höchste Exekutivamt in der Schweiz, das in der Geschichte erst 124 Personen bekleidet haben. Es ist nach wie vor sehr attraktiv, in den Bundesrat zu gehen – auch wenn es ein Verschleissjob ist. Schliesslich muss man bis zu 16 Stunden pro Tag aufwenden.

Marco Chiesa, Céline Amaudruz und Pierre-Alain Schnegg stehen für die lateinische Schweiz. Wie wichtig ist ihre Vertretung im Bundesrat aus Sicht der SVP?

Die SVP ist die grösste Partei und hat den Anspruch, die Schweizer Volkspartei zu sein. Und die Schweiz hört nicht an der Saane oder am Gotthard auf. Die SVP müsste mindestens aus zwei, wenn nicht aus allen drei Landesteilen Kandidatinnen und Kandidaten anbieten können. Das hat sie übrigens auch schon getan. Damit würde die SVP auch ihrem eigenen Anspruch gerecht.

Die nächsten Stunden werden spannend.

Natürlich gibt es auch andere Überlegungen. Zum Beispiel, welche Chancen die Kandidierenden in der Bundesversammlung haben. Es spielen auch weitere Fragen hinein: Wie gut bildet eine Person die Positionen der SVP ab? Kann die Partei im Wahljahr von ihr profitieren, wenn sie im Bundesrat sitzt?

Wer hat die besten Chancen, aufs Ticket zu kommen?

Es gibt zwei Hürden. Zunächst muss man auf das Ticket der eigenen Partei kommen. Man muss also möglichst grossen Rückhalt in der eigenen Fraktion haben. Dann muss man aber auch gewählt werden – und zwar von der Bundesversammlung. Beim aktuellen Viererticket hätte Rémy Wyssmann wohl keine grossen Chancen. Er ist weit weniger bekannt als Amaudruz, Chiesa und Schnegg. Das weiss man in der SVP-Fraktion.

Das sind mögliche Bundesratskandidatinnen und -kandidaten

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  • Bild 1 von 7. Rémy Wyssmann. Rémy Wyssmann, Solothurner Parteipräsident und Nationalrat, will Bundesrat werden. Die Kandidatur des Anwalts und Dozents gilt eher als überraschend. Bildquelle: KEYSTONE / Peter Schneider.

  • Bild 2 von 7. Céline Amaudruz. Céline Amaudruz ist SVP‑Nationalrätin aus Genf und Mitglied im nationalen Parteivorstand. Sie hat ihre Bereitschaft für eine Kandidatur offiziell bekanntgegeben: Amaudruz gilt als chancenreichste Kandidatin aus der Romandie. Bildquelle: KEYSTONE / Urs Flüeler.

  • Bild 3 von 7. Die SVP Zug hat Thomas Aeschi für den freiwerdenden Sitz im Bundesrat nominiert. Der Fraktionschef der SVP im Bundeshaus will nun in sich gehen. Es wäre die zweite Kandidatur des Zugers für den Bundesrat. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.

  • Bild 4 von 7. Der Walliser Nationalrat Michael Graber hat kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist seine Bundesratsambitionen verkündet. Seine Kandidatur gab er im «Tages-Anzeiger» und kurz darauf in einer Medienkonferenz bekannt. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.

  • Bild 5 von 7. Thomas Aeschi. Thomas Aeschi, Zuger Nationalrat und SVP‑Fraktionspräsident. Er gehört seit Jahren zu den aussichtsreichsten Kandidaten, auch wenn seine Chancen durch die Wahl des ebenfalls aus Zug stammenden Martin Pfister (Mitte) gesunken sein dürften. Bildquelle: KEYSTONE / Peter Schneider.

  • Bild 6 von 7. Franz Ruppen. Nachdem er von Esther Friedli (SG) vorgeschlagen wurde, überlegt sich auch der Walliser SVP-Staatsrat Franz Ruppen eine Kandidatur. Seinen Entscheid will Ruppen allenfalls heute bekanntgeben. Bildquelle: KEYSTONE / Cyril Zingaro.

  • Bild 7 von 7. Benjamin Giezendanner. SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner (AG) schliesst laut der «Sonntagszeitung» eine Kandidatur nicht aus. Giezendanner würde sich eine Kandidatur überlegen, falls die Partei auf ihn zukomme, sagte auf Anfrage der Zeitung. Bildquelle: KEYSTONE / Alessandro della Valle.

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Ist das ein Grund, Wyssmann nicht aufs Ticket zu nehmen – oder erst recht? Hier beginnen die strategischen Spiele. Um Amaudruz, Schnegg und Chiesa ihren Platz auf dem Ticket zu verwehren, bräuchte es aber noch sehr gute Kandidaturen bis zum Mittag. Aber: Wie jede Partei will die SVP wachsen. Und das Wachstumspotenzial ist ausserhalb der Deutschschweiz am grössten. Klar ist: Die nächsten Stunden werden spannend.

Das Gespräch führte Nicolas Malzacher.

SRF 4 News, 23.10.2026, 6:40 Uhr ;  srf/imhm; schm

Source: SRF · 23.10.2026, 07:19

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