Laut Behördenangaben ist er über den Landweg ausgereist. Wo er sich aktuell aufhält, ist nicht bestätigt.
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- Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro soll in die USA geflohen sein.
- Das hat ein US-Beamter gemäss der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt.
- Zuvor hatte CNN Brasil berichtet, dass sich Bolsonaro mit seiner Frau und zwei Töchtern in die USA abgesetzt habe.
- Offiziell bestätigt ist aktuell nur, dass Bolsonaro mit Frau und Töchtern auf dem Landweg ausgereist ist.
Ein hochrangiger Vertreter des US-Aussenministeriums hat derweil mitgeteilt, dass sie Bolsonaro und seiner Familie Visa erteilen will, damit sie in die Vereinigten Staaten einreisen könnten. Er bestätigte jedoch nicht, dass sich Bolsonaro bereits in den USA aufhalte.
Klar ist hingegen, dass Flavio Bolsonaro Brasilien verlassen hat: Wie die argentinische Einwanderungsbehörde auf X mitteilte, sei Bolsonaro mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern kurz am Dienstag spät abends (Ortszeit) vom Süden Brasiliens über Land und «mit gültigen Dokumenten» in die argentinische Provinz Misiones eingereist. Danach hätten die Eingereisten umgehend einen Privatjet – gemäss Flugplan mit Ziel Guayaquil in Ecuador – bestiegen. Weitere Details gab die Behörde nicht bekannt.
Rennen um Präsidentschaft verloren
Der Senator Flávio Bolsonaro war am Sonntag in einer Stichwahl Präsident Luiz Inácio Lula da Silva knapp unterlegen. Gegen den ältesten Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro wird wegen Geldwäscheverdachts ermittelt. Flávio Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe.
Einschätzung von SRF-Südamerika-Korrespondentin Karen Naundorf:
«Gestern versicherte Flávio Bolsonaro noch, er wolle Oppositionsführer im Parlament werden. Vermutlich liefen währenddessen schon die Planungen für die Ausreise. Für die brasilianische Rechte ist es ein harter Schlag: Vorgestern noch Präsidentschaftskandidat, ist Bolsonaro heute auf der Flucht, aufgrund von Ermittlungen wegen Geldwäsche.
Aber es ist auch eine Chance für das rechte Lager, sich neu aufzustellen. Flávios Partei PL hatte gestern schon den Wahlsieg von Lula anerkannt – noch ohne sich von Bolsonaro abzuwenden. Mögliche Führungsfiguren stehen bereit, etwa der Gouverneur des Bundesstaates São Paulo oder die ehemalige First Lady Michelle Bolsonaro.
Aussenpolitisch droht ein neuer Konflikt mit Washington. US-Präsident Donald Trump hat bereits Zweifel an der Rechtmässigkeit der Wahl geäussert, ohne Belege. Sollte er Flávio politisches Asyl in den USA gewähren, könnte aus einem brasilianischen Justizfall eine diplomatische Krise werden.»
Am Montag gab Bolsonaro bekannt, dass die Polizei ihn aufgrund einer Entscheidung des Obersten Richters Alexandre de Moraes aufgefordert habe, seine Pässe abzugeben. Bolsonaro kam der Anordnung nicht fristgerecht nach, wie unter anderem das Nachrichtenportal G1 unter Berufung auf die Bundespolizei berichtete. Die Dokumente seien inzwischen annulliert worden.
Unterdessen prüft die Bundespolizei laut G1, ob Bolsonaro trotz des Ausreiseverbots Brasilien verlassen hat. Bolsonaro selbst hatte in einem Video am Montag erklärt, er werde seine Pässe abgeben und sich gegen die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Massnahme wehren.
Er bestritt, vorgehabt zu haben, das Land zu verlassen. Der 45-Jährige führte die Anordnung auf eine Äusserung seines in den USA lebenden Bruders Eduardo zurück. Dieser hatte vor der Wahl eine Ausreise Flávios im Fall einer Wahlniederlage befürwortet.
Auch sein Vater Jair Bolsonaro war in die USA gereist, nachdem er sich geweigert hatte, seine Niederlage gegen Lula im Jahr 2022 anzuerkennen. Er kehrte schliesslich nach Brasilien zurück, wurde aber später wegen der Planung eines Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt.
SRF 4 News, 27.10.2026, 19 Uhr ; agenturen/hesa/flal
Source: SRF · 27.10.2026, 18:40
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