Nach einem Unfall mit gefährlicher Säure bleiben einige Schulen und Kitas in Krefeld geschlossen
Ein Gefahrguttransporter mit 23 Tonnen Salpetersäure ist in der westdeutschen Stadt in der Nacht auf Freitag umgekippt. Einsatzkräfte haben die Säure inzwischen grösstenteils abpumpen können. Es bestehe keine «extreme Gefahr» mehr für die Menschen.
06.11.2026, 11.25 Uhr
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In der Nacht auf Freitag kam es in Krefeld im Westen Deutschlands zu einem Einsatz wegen eines Säureunfalls (Symbolbild)
Imago
(dpa) Nach einem folgenschweren Gefahrgutunfall in der westdeutschen Stadt Krefeld hat die Feuerwehr die Gefahr durch die auslaufende Salpetersäure eindämmen können. Die offizielle Warnung vor einer «extremen Gefahr» für die Bevölkerung wurde aufgehoben.
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«Ein Grossteil der ausgetretenen Salpetersäure konnte inzwischen aufgenommen werden», teilten die Einsatzkräfte mit. «Aktuell befindet sich noch rund eine Tonne des Gefahrstoffs als Lache auf der Strasse. Von dieser gehen weiterhin Dämpfe aus.»
Ein mit 23 Tonnen Salpetersäure beladener Lastwagen war in der Nacht verunglückt und so stark beschädigt worden, dass die ätzende Ladung auslief. Die Behörden hatten daraufhin in einem Umkreis von 1000 Metern zunächst vor einer «extremen Gefahr» für die Gesundheit gewarnt und die Menschen aufgefordert, in geschlossenen Räumen zu bleiben.
Statt von einer «extremen Gefahr» warnt die Feuerwehr jetzt nur noch vor einer «Gefahr» im Umkreis von 200 Metern um die Unfallstelle. «Ausserhalb dieses Radius können alle Personen die geschlossenen Räume wieder verlassen.»
Einsatz begann in der Nacht
Für die Feuerwehr begann in der Stadt im Westen Deutschlands ein anstrengender Grosseinsatz, denn die Einsatzkräfte konnten sich dem Lastwagen nur in Schutzanzügen und mit Atemmasken nähern. Das öffentliche Leben in Krefeld, das zwischen Düsseldorf und Duisburg liegt, wurde stundenlang lahmgelegt.
Der Unfall auf der Autobahn 57 ereignete sich in der Nacht zum Freitag gegen 3 Uhr. Der genaue Ablauf war für die Ermittler zunächst unklar. Jedenfalls sei der Lastwagen in der Autobahnauffahrt Krefeld-Zentrum verunglückt und auf der Seite liegen geblieben, teilte die Feuerwehr mit. Der Fahrer kam verletzt in eine Klinik. Ob er durch die Wucht des Unfalls oder durch die Salpetersäure verletzt wurde, war zunächst nicht bekannt.
Durch ein Leck trat anschliessend die stark ätzende Ladung aus dem Lastwagen aus. Salpetersäure gehört zu den wichtigsten Grundchemikalien der Industrie und wird vor allem für Düngemittel und Sprengstoffe gebraucht. Doch wenn die stark ätzende Säure unkontrolliert freigesetzt wird, drohen laut den Behörden erhebliche Gesundheitsgefahren. Salpetersäure kann Haut, Augen und Atemwege stark verätzen. Bei einem Gefahrgutunfall können relativ leicht gefährliche Gase entstehen.
Bevölkerung soll in Gebäuden bleiben
Über die Warn-App Nina warnten die Behörden vorübergehend vor einer «extremen Gefahr» – das ist die höchste Warnstufe. Die Warnung hatte weitreichende Folgen, denn der betroffene Bereich ist dicht besiedelt. Es gibt dort vier Schulen und zwei Kitas, zahlreiche Unternehmen und viele Wohnungen. Noch in der Nacht entschied die Stadt, dass alle Schulen und Kitas im Umkreis von 1000 Metern um die Unglücksstelle den ganzen Tag geschlossen bleiben. Eltern mussten umplanen und ihre Kinder zu Hause lassen.
Auch im Verkehr gab es massive Probleme. Weil die Autobahn 57 stundenlang gesperrt blieb, bildeten sich in der Stadt und auf vielen Umleitungsstrecken lange Staus. Im Bahnverkehr gab es weitreichende Auswirkungen bis nach Düsseldorf und ins Ruhrgebiet, weil die Strecke von Krefeld in Richtung Duisburg gesperrt wurde.
Säure sammelte sich in Strassensenke
Unterdessen konnten sich die Einsatzkräfte in Schutzanzügen dem Lastwagen allmählich nähern. Etwa zehn Tonnen Salpetersäure seien ausgelaufen, sagte der Leiter der Gefahrenabwehr der Stadt Krefeld, Andreas Klos, der «Rheinischen Post». Die ausgelaufene Säure habe sich in einer Senke an der Auffahrt zur Autobahn 57 gesammelt. Dort könne man die Chemikalie aufsaugen.
Rund 200 Einsatzkräfte waren vor Ort. Auch die auf solche Einsätze spezialisierte Werkfeuerwehr aus dem nahe gelegenen Chempark kam hinzu. Doch der Feuerwehr gelang es über viele Stunden hinweg nicht, das Leck abzudichten. Hinzu kam, dass der Wind die Wolke mit den Gasen genau in Richtung des Stadtzentrums trieb.
Auch für das übrige Stadtgebiet von Krefeld gab die Feuerwehr deshalb am Freitagvormittag eine Warnmeldung heraus – allerdings vor allem wegen der drohenden Geruchsbelästigung durch die austretenden Gase. Ausserhalb des abgesperrten Bereichs um die Unfallstelle bestehe keine Gefahr, versicherte eine Feuerwehrsprecherin.
Auswirkungen im Bahnverkehr der gesamten Region
Wie lange die Einschränkungen im Bahnverkehr und auf den Strassen noch dauern, war nach Angaben der Behörden zunächst unklar. Reisende sollten sich weiter auf Einschränkungen einstellen.
Im Krefelder Stadtgebiet blieben zahlreiche Strassen bis auf weiteres gesperrt. Busse und Stadtbahnen konnten auf mehreren Linien in der Innenstadt nicht auf ihrem normalen Weg fahren.
Source: Neue Zürcher Zeitung
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