Nach der Tirade gegen «Frauen und Hinterlader»: Die SVP-Fraktion des Zürcher Stadtparlaments distanziert sich von Kantonsrat Marty
Der Kantonsrat Christoph Marty sieht die Schuld für ausbleibende Festnahmen an den Hardplatz-Krawallen bei «zu vielen» Homosexuellen und Frauen in der Stadtpolizei. Die SVP goutiert das nicht.
22.10.2026, 15.50 Uhr
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Die Partei mit dem «Sünneli» im Logo ist bekannt für ihre in der Wortwahl bisweilen unzimperlichen Mitglieder.
Karin Hofer / NZZ
«Die SVP-Fraktion distanziert sich vehement von den Aussagen unseres SVP-Kollegen.» Mit diesem Satz sorgte Gemeinderat Stephan Iten am Mittwochabend im Stadtparlament für Aufhorchen. Gemeint waren die Aussagen von SVP-Kantonsrat Christoph Marty im Nachgang zu den Ausschreitungen am Hardplatz vor zwei Wochen.
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In einem Facebook-Post hatte Marty kritisiert, dass die Stadtpolizei in der Nacht keinen der Krawallanten festgenommen hatte und mutmasste, der Grund dafür sei in der Zusammensetzung des Korps zu finden. Dieses bestehe nicht mehr aus Männern, die austeilen und einstecken könnten, sondern «zu ¾ aus Frauen und Hinterladern». Das Sicherheitsdepartement beschwerte sich in der Folge bei der Geschäftsleitung des Kantonsrats. Woraufhin Marty nachdoppelte: «Auf eine Entschuldigung können sie lange warten.»
SVP-Kantonsrat Christoph Marty.
PD
Bemerkenswert klare Distanzierung
Die Distanzierung der Gemeinderatsfraktion vom Parteikollegen und einstigen Gemeinderat wegen seiner sexistischen und homophoben Äusserungen ist bemerkenswert. Schliesslich gibt sich die Fraktion im Stadtparlament sonst eher unzimperlich. So verteidigte sie beispielsweise Störaktionen gegen die Vorlesestunde von Dragqueens für Kinder. Zudem verurteilte sie die «Gender-Ideologie» und rechtfertigte von den Linken als rassistisch taxierte Aussagen mit dem Recht auf freie Meinungsäusserung.
Itens klare Worte waren eine Reaktion auf einen Frontalangriff der Alternativen Linken (AL).
Alles begann mit einer Fraktionserklärung, in der Iten im Namen der SVP die Angriffe der Hardplatz-Krawallanten auf Stadtpolizisten als «Schande für unsere Stadt» verurteilte und den linken Parteien vorwarf, die Gewalt zu relativieren und Täter zu Opfern zu machen. «Wir wollen keine Sonntagsreden über Respekt gegenüber der Polizei. Wir wollen Taten.» Und: «Wer unsere Polizei angreift, greift unseren Rechtsstaat an. Wer solche Angriffe verharmlost, macht sich politisch mitschuldig an einer Kultur des Wegschauens.»
Während die FDP der SVP beipflichtete und betonte, wer an einer Party in einer Unterführung Feuerwerke zünde, habe nichts Friedliches im Sinne, galt die Empörung der AL einem anderen Aspekt.
Es sei bedenklich, sagte Moritz Bögli, dass die SVP diese Fraktionserklärung verlese. «Sie behaupten, auf der Seite der Polizei zu stehen», gleichzeitig dulde die Partei aber in den eigenen Reihen einen Mann wie Christoph Marty, der sich derart abwertend über Polizistinnen und Polizisten äussere. «Sie nutzen die Polizei, wenn es ihnen politisch in den Kram passt. Wie es diesen Menschen geht, ist offensichtlich nicht relevant.» Er hoffe, dass «Staatsanwaltschaft und Stadtpolizei die Gesetze durchsetzen und ein Strafverfahren gegen Marty einleiten».
Sascha Rüegg, SVP-Gemeinderat und Verkehrspolizist, widersprach Böglis Aussage. Seine Partei instrumentalisiere die Polizei nicht für ihre Zwecke. Er sei «weder homophob noch femophob». Weiter äusserte er sich nicht zu den Aussagen von Kantonsrat Marty. Ausschreitungen wie jene am Hardplatz machten ihn fassungslos und wütend, sagte Rüegg. «Besonders stört mich die politische Diskussion im Anschluss solcher Vorkommnisse.» Von linker Seite werde stets das Verhalten der Polizei hinterfragt, gezählt, wie viel Gummischrot sie eingesetzt habe. Zu den Pflastersteinen, die in Richtung der Polizisten geschleudert würden, verliere die Politik kein Wort.
Dann ergriff Iten erneut das Wort für die überraschend klare Distanzierung im Namen der ganzen Fraktion. «Wir stehen geschlossen hinter unserer Polizei, unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung.» Doch die SVP-Fraktion im Gemeinderat könne sich grundsätzlich nicht für Aussagen von Kantonsräten rechtfertigen. «Das verlangen wir von Euch ja auch nicht.»
Auch kantonale SVP verurteilt Wortlaut
Für die kantonale SVP sprechen kann aber Ueli Bamert, Kantonsrat und Co-Präsident der Stadtzürcher SVP. «Wir verurteilen den Wortlaut des Posts. Solche abwertenden Äusserungen gehören sich nicht und dieses Art der Kommunikation wird von uns überhaupt nicht goutiert.» Die SVP stehe immer hinter der Polizei und fordere auch seit Jahren deren personelle Aufstockung.
Bamert sagt, es habe bereits Gespräche zwischen der Parteileitung und Marty gegeben. Martys bisherige Reaktion auf die Kritik an seinen Äusserungen lasse allerdings nicht auf Einsicht schliessen, sagt Bamert.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Francesca Prader
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