Nach Brand in Schulhaus: Jugendliche aus Aussersihl gehen nun am Zürichberg zur Schule
Wegen Russschäden muss das Gebäude der Schule Albisriederplatz monatelang dekontaminiert werden. Schüler, Lehrer und Mitarbeitende kommen anderswo unter – weit weg vom gewohnten Ort.
29.10.2026, 05.07 Uhr
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Seit einem Feuer vor zwei Wochen steht das Schulhaus Albisriederplatz in Zürich verlassen da.
NZZ
Zum Glück passierte es in den Herbstferien, als das Gebäude weitgehend verlassen war: Vor zwei Wochen geriet im Untergeschoss des Schulhauses Albisriederplatz in Zürich Aussersihl eine Batterieanlage in Brand. Mitarbeiter einer Spezialfirma waren gerade dabei, den Akku der Maschine durch einen neuen zu ersetzen. Die Anlage fing Feuer, dichter Rauch gelangte rasch bis in die oberste Etage des vierstöckigen Gebäudes. Eine Person musste von der Feuerwehr mit einer Leiter gerettet werden. Sie blieb unverletzt. Auch sonst kamen keine Menschen zu Schaden.
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Das Feuer konnte von den Einsatzkräften zwar rasch gelöscht werden. Doch damit waren die Arbeiten im Innern der Schule noch lange nicht beendet. «Das Gebäude musste komplett entraucht werden», teilte Schutz und Rettung am gleichen Tag mit. Die ausgebrannte Batterie hatte giftige Schadstoffe freigesetzt. Im verrussten Schulhaus wurden Spuren von Nickel, Kobalt und Mangan entdeckt, wie der «Sonntags-Blick» in der vergangenen Ausgabe berichtete.
Wo sind die Schüler?
Bereits am Brandtag stand fest, dass das komplette Gebäude wegen des Rauchschadens für eine unbestimmte Zeit nicht zu benutzen sein wird. Betreten werden durfte es zunächst nur von Spezialisten in Schutzanzügen.
Diese akute Phase ist zwar vorüber, wie ein kurzer Besuch am Mittwochmittag zeigt. Im Erdgeschoss des gesperrten Schulhauses tut sich was: Durch die Glaswand ist eine Leiter zu erkennen sowie ein Putzwägelchen samt Lappen und Eimer. An einem Tisch nehmen mehrere Frauen und Männer ihr Mittagessen zu sich. Vermutlich handelt es sich um Mitarbeiter einer auf Brand- und Wasserschäden spezialisierten Reinigungsfirma. Ein Lieferwagen eines solchen Unternehmens steht auf dem Vorplatz der Schule.
Im Innern der Schule tut sich was: Die Reinigungsarbeiten werden noch Monate dauern.
NZZ
Aber wo sind die Schülerinnen und Schüler, die Lehrer und die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sekundarschule?
Tablets zuerst
Nach dem Brand vom 14. Oktober musste es schnell gehen. Eine knappe Woche danach war Schulbeginn. Die drängendste Aufgabe der Spezialreinigungstrupps vor Ort: die Tablets der Jugendlichen in dem Gebäude sicherstellen, die Geräte reinigen, dekontaminieren und testen. Und sie dann ihren Nutzern aushändigen. «Das wurde gleich am ersten Tag gemacht – die Computer funktionieren noch», sagt Katrin Wüthrich (SP), die Präsidentin der verantwortlichen Kreisschulbehörde Limmattal, am Mittwoch auf Anfrage.
Danach musste für die ganze Schule mit 13 Klassen und insgesamt rund 240 Schülerinnen und Schülern Ersatz gefunden werden. Zum Glück stand am ersten Tag nach den Herbstferien ein Q-Tag (zur Qualitätsentwicklung) auf dem Programm. Die Jugendlichen des verrauchten Schulhauses hatten frei, Wüthrich hatte ihre Schulleiter versammelt, sieben von vierzehn Schulen des Schulkreises erklärten sich spontan bereit, die «heimatlosen» Klassen der Schule Albisriederplatz fürs Erste bei sich aufzunehmen – in Zeiten knappen Schulraums in der Stadt Zürich ist das keine Selbstverständlichkeit, zumal nicht derart kurzfristig.
Da und dort wurden Gruppenräume zu provisorischen Klassenzimmern umfunktioniert. Lehrerinnen und Lehrer mussten zwischen diesen sieben Schulen zum Teil hin- und herwechseln. Und nun müssen sich die Betroffenen erneut umstellen. Seit Montag und bis zum Ende der Reinigungsarbeiten gehen die drei Jahrgänge in drei Schulen in anderen Quartieren zur Schule: im Auhof in Schwamendingen, im Weinberg-Turner im Kreis 6 und im Krähbühl in Fluntern, weit weg vom Albisriederplatz.
Und so wurde die allererste Lektion im Stundenplan (ab 7 Uhr 30) gestrichen, damit die betroffenen Schülerinnen und Schüler wegen des deutlich längeren Schulwegs nicht noch früher aufstehen müssen. Wüthrich sagt: «Ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen unter diesen Umständen gleich viel lernen wie normalerweise.»
Gratis-ZVV-Billette für alle!
Statt zu Fuss zu gehen, müssen die Sekundarschüler nun Tram und Bus fahren. Ein ZVV-Abonnement wird ihnen von der Stadt Zürich spendiert. Voraussetzung für das Gratisbillett ist allerdings ein Swisspass der SBB. «Das ist etwas kompliziert», sagt Wüthrich. Aber: «Bis heute ist niemand verlorengegangen unterwegs.» Kritik von Eltern habe es ihres Wissens bisher keine gegeben. «Viele sind froh, dass ihre Kinder weiter zur Schule gehen können – und keinen Fernunterricht haben wie während der Pandemie», sagt die Schulkreispräsidentin. Turnen und Werken finden in der Fremde ebenfalls statt. Auch sei es gelungen, alle Klassen rechtzeitig mit allen wesentlichen Informationen zu versorgen.
Das Regime mit den drei Schulen im Exil gilt vorerst bis zu den Weihnachtsferien. Wüthrich lässt durchblicken, dass danach vielleicht ein Teil des Schulhauses beim Albisriederplatz wieder in Betrieb genommen werden könne. Mit einer kompletten Rückkehr an den gewohnten Ort indes dürfte nach jetzigem Stand der Dinge erst nach den Sportferien zu rechnen sein.
Vielleicht noch etwas länger könnte es nach Informationen vom Mittwoch dauern, bis auch die Pestalozzibibliothek im Untergeschoss des beschädigten Schulhauses wieder öffnen kann.
Bis auf weiteres können in der Pestalozzibibliothek in Zürich Aussersihl keine Bücher zurückgegeben werden.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Robin Schwarzenbach
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