Nach Binance-Raub: Das Crypto Valley rüstet sich gegen weitere Cyberangriffe
In der Schweiz halten sich die Schäden wegen des Binance-Hackerangriffs bis anhin in Grenzen. Dennoch sind Cyberangriffe für die Krypto-Branche eine wachsende Bedrohung.
03.11.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten
Bei Krypto-Börsen, die wie Binance in der Karibik oder im Nahen Osten angemeldet sind, ist für Krypto-Anleger Vorsicht geboten.
Federico Maccioni / Reuters
Nach dem Milliardenraub bei der weltgrössten Krypto-Börse Binance steht die Branche unter Schock, auch in der Schweiz. Obschon langsam wieder Normalität einkehrt: Am Sonntag hat Binance die Auszahlungen für die wichtigsten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum wieder aufgenommen.
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Die Kontostände der Binance-Kunden sehen aus wie vor dem Angriff. Binance hat die gestohlenen Krypto-Vermögen in Höhe von mehr als 6 Milliarden Dollar aus eigenen Mitteln ausgeglichen und den finanziellen Schaden der Kunden übernommen. Sogar Kunden, die ihre Wallets bei Binance verwahren liessen, könnten also schadlos davonkommen.
Keine Panikreaktionen
Doch das Ausmass des Hacks hat auch hierzulande aufgeschreckt. Zu Panikreaktionen scheint es bisher aber nicht gekommen zu sein. In der Schweiz gehören Krypto-Anlagen mittlerweile zum Anlage-Mainstream. Viele halten Bitcoin, Ethereum und andere Tokens bei Banken, über spezialisierte Krypto-Anbieter, über ETF oder im eigenen Wallet.
Finanzhäuser, die Zugang zu Krypto-Anlagen bieten wie etwa Swissquote, Postfinance oder die Privatbank Maerki Baumann, waren vom Hackerangriff nicht betroffen und erfuhren dadurch auch keine Handelsbeschränkungen. Die Online-Bank Swissquote, die für ein breites Krypto-Angebot bekannt ist, arbeitet gar nicht mit Binance zusammen. Der Grund: «Ihre Sicherheitsprotokolle sind nicht ausreichend transparent», schreibt Swissquote auf Anfrage.
Zudem scheint die Branche Lehren aus vergangenen Extremereignissen gezogen zu haben, konkret dem Kollaps der Krypto-Börse FTX 2022. «Bei FTX stand die Welt still, und Unsicherheit griff um sich», sagt Mathias Ruch, Leiter des Expertenausschusses beim Branchenverband Swiss Blockchain Federation. Dieses Mal hätten die Anbieter schnell reagiert, ihre Kunden informiert und Panikreaktionen vermieden.
«In solchen Momenten profitieren wir als Schweizer Anbieter», sagt Mathias Imbach, Chef und Mitgründer der auf digitale Assets spezialisierten Bank Sygnum. Denn wenn Unsicherheit herrsche, könne die Schweiz mit einem stabilen Regulierungsumfeld, besonders was Governance und operative Resilienz betreffe, punkten, sagt Imbach. Die Kunden seien ruhig geblieben, es habe im Gegenteil Vermögenszuflüsse gegeben.
Offshore-Börsen vermeiden
Der Binance-Diebstahl zeige, dass jede Börse angreifbar sei, sagt der Krypto-Experte Rino Borini. «Man muss vorsichtig sein, wenn man dort Beträge verwahrt», sagt er warnend. Digitale Vermögen solle man besser bei einer Bank deponieren oder in die Selbstverwahrung nehmen, so der HWZ-Dozent, der das Bitcoin-Ladenlokal House of Satoshi in Zürich betreibt.
Wolle man direkt handeln, solle man besser eine Plattform in einem klar regulierten Rechtsraum wie der Schweiz, der EU oder den USA wählen, empfiehlt Borini. Vorsicht sei geboten bei Börsen, die im Nahen Osten oder wie Binance in der Karibik (Cayman-Inseln) angemeldet seien.
«Wer seine Krypto-Werte bei einem Schweizer Verwahrer hält, ist bei dessen Konkurs geschützt.» Diesen Schutz habe man bei vielen Offshore-Anbietern nicht, sagt der Branchenvertreter Ruch.
Der Binance-Vorfall hat die Branche durchgeschüttelt, doch die Stimmung scheint nicht so negativ zu sein wie nach dem FTX-Kollaps. Ein Gradmesser ist der Wert des Bitcoin. Er ist nach Bekanntwerden des Diebstahls nur rund 5 Prozent zurückgegangen. Vor wenigen Jahren wäre der Kursrückgang viel krasser ausgefallen, glaubt Rino Borini.
Cyberattacken sind ein Dauerthema
Diebstähle und Hacks sind für die Branche nichts Neues. Es kommt regelmässig zu solchen Vorfällen. Schon in den Anfangsjahren der Szene gab es spektakuläre Raube, etwa 2014, als die Krypto-Börse Mt. Gox deswegen pleiteging. «Cyberangriffe sind seit Jahren ein Dauerthema. Die Anbieter rüsten auf breiter Front auf, auch im Bereich Social Engineering», sagt Ruch.
Dass nordkoreanische Angreifer aktiv seien, sei ein globales Phänomen. Es gebe keine Hinweise, dass die Schweiz besonders im Fokus stehe, so Ruch weiter. Der Sygnum-Chef Imbach stellt indes fest, dass seit dem Aufkommen von KI Cyberangriffe ein noch grösseres Thema seien. Das betreffe aber nicht nur die Krypto-Branche, sondern alle Industrien. Entsprechend investiere Sygnum ständig in die Verbesserung der Abwehrmassnahmen.
Bei der Bank Maerki Baumann stellt man ebenfalls eine Intensivierung der Cyberbedrohung fest, die Anzahl Attacken habe zugenommen, insbesondere mit sozialer Manipulation, heisst es aus der Bankführung. Deshalb habe man die Ressourcen für IT-Sicherheit und -Abwehr schon vor dem Überfall auf Binance aufgestockt.
Nordkorea weist Vorwurf von Milliardenraub zurück. Die Anschuldigung sei «absurd» und eine «schwerwiegende politische Provokation», erklärte Kim Yo Jong, Schwester von Machthaber Kim Jong Un, in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Stellungnahme.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Eflamm Mordrelle
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