Ein sonderbares musikalisches Werk des kanadischen Komponisten Mort Garson ist zum Kult-Album herangewachsen. Nun wird es 50.

26.10.2026, 06:50

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Den grünen Daumen der Familie hatte eigentlich nicht Mort Garson, sondern seine Frau Margaret, die viele Pflanzen besass. Garson war dafür ein Tausendsassa der Musik: Der Kanadier war Session-Musiker, Komponist, Dirigent und Songwriter und schrieb Musik von Pop über Rock, für Film, TV, und Musicals. Er arbeitete für einige bekannte Musikerinnen und Musiker, etwa für Doris Day, Cliff Richard oder Bill Withers.

Legten die neuen Pflanzenbesitzerinnen und -besitzer zu Hause die Platte auf, hörten sie darauf zehn eklektische Tracks, alle nach Pflanzenarten benannt. Im «Concerto for Philodendron & Photos» schillern glöckchenähnliche Klänge zwischen melancholischen Sounds. Und in der «Symphony for a Spider Plant» tänzelt eine verspielte Melodie im Hintergrund von langen, bass- und trompetenartigen Klängen.

Als Garson die elektronische Musik entdeckte, war es mit dem Pop vorbei. 1967 lernte er den Elektronikpionier Robert Moog kennen und baute sich prompt einen «Moog» Synthesizer bei sich zu Hause ein – eine riesige Wand voller Schalter und Kabel. Er wird zu einem der ersten, der auf dem seltenen Gerät Stücke komponiert.

Werbe-Gag für «Mother Earth»

Auf diesem Synthesizer entstand 1976 Garsons wohl bekanntestes Werk, «Mother Earth’s Plantasia». Der erste Teil des Titels bezieht sich auf den Pflanzenladen «Mother Earth» in Los Angeles, der von einem befreundeten Pärchen von Garson betrieben wurde.

Ursprünglich wurde das Album als Werbe-Gag verteilt: Wenn man in «Mother Earth» eine Zimmerpflanze kaufte, bekam man eine «Plantasia»-Vinylplatte als Geschenk dazu. Auf der Hülle stand, die Musik sei gezielt fürs Gedeihen von Zimmerpflanzen gedacht. Dieses Konzept war damals neu, passte aber perfekt in die 1970er-Jahre der Westküste, wo esoterische und spirituelle Ideen populär wurden.

Mit diesen quirligen und sphärischen Sounds klingt «Plantasia» wie von einer anderen Welt und wird gerne auch als «Space Age»-Pop betitelt. Und doch scheint das Album weit entfernt von der Kälte des Alls. Es klingt, man kann es fast nicht anders sagen: erdig und warm.

Das Album wird Kult

Gerade diese Wärme ist es, die vielen Fans (und ihren Pflanzen) gefällt. Jahrzehnte lang bleibt das Album unbekannt. Erst nach und nach wird es zum Sammlerobjekt unter Moog-Liebhaberinnen und ‑Liebhabern. Doch in den 2000er-Jahren wird es auf das damals noch junge YouTube geladen, und die Fangemeinde wächst online rasant in den Millionenbereich.

2019 bringt das Plattenlabel Sacred Bones dann endlich eine Neuauflage des Albums heraus und stellt es zudem auf Streaming-Apps. Und im vergangenen Jahr wurde «Plantasia» – nach all den Jahren – für den kanadischen «Polaris»-Musikpreis nominiert.

Mort Garson ist 2008 83-jährig gestorben und hat den späten Erfolg seines Albums nicht mehr miterlebt. Aber seine Tochter Day Darmet schreibt auf der Website der Plattenfirma: «Papa wäre mega glücklich, wenn er wüsste, dass die Menschen sich für diese Musik interessieren, die damals so wenig Aufmerksamkeit erhalten hat.»

Das wunderliche Album «Plantasia» feiert seinen 50. Geburtstag – auf dem bisherigen Zenit des Erfolgs.

SRF 2 Kultur, Musikmagazin, 31.10.2025, 10:00 Uhr

Source: SRF · Florence Baeriswyl

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