Monat der Brustkrebs-Awareness Hier werden aus Stoffstücken kleine Zeichen der Hoffnung

Freiwillige zeigen Herz für Brustkrebs-Patientinnen mit Kissen, die Trost spenden und Schmerzen lindern.

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An diesem Tag rattern im Kirchgemeindehaus in Muri bei Bern die Nähmaschinen. Rund 35 Freiwillige schneiden Stoffe zu, nähen und stopfen Kissen in Herzform.

Ihr Ziel: Herzkissen für Brustkrebspatientinnen und -patienten. Die besondere Form der Kissen ermöglicht es, sie unter den Arm zu klemmen und dadurch den Operationsbereich zu entlasten.

Legende: Ursprünglich stammt die Idee der Herzkissen aus den USA. Eine dänische Krankenschwester brachte sie später nach Europa. Der Ehrenkodex lautet: Herzkissen werden mit guten Wünschen gefüllt und an Brustkrebsbetroffene verschenkt. SRF

Jedes Jahr erhalten rund 6800 Frauen und ca. 60 Männer in der Schweiz die Diagnose Brustkrebs. Nadja Eschmann ist Pflegefachfrau und begleitet Patientinnen und Patienten durch die Behandlung und übergibt ihnen nach der Operation auf Wunsch ein Herzkissen. «Es zeigt, dass es Unterstützung von aussen gibt. Dass sich Freiwillige bewusst dafür zur Verfügung stellen.»

Der Gedanke, dass unbekannte Menschen so viel Empathie zeigen, tut einfach gut.

Beatrice Lehner hilft gerade beim Füllen der Kissen. Einige davon wird sie persönlich in ein Walliser Spital liefern: «Wir stecken hier im Nähatelier ganz viele gute Gedanken mit in diese Kissen. Der Gedanke, dass unbekannte Menschen so viel Empathie zeigen, tut einfach gut.»

Legende: Als einziger männlicher Teilnehmer setzt sich Sandro Signoroni beherzt an die Nähmaschine. SRF

Das findet auch Sandro Signoroni. Als einziger Mann in der Nährunde weiss er aus eigener Erfahrung, was eine Krebsdiagnose bedeutet. Als Zeichen seiner Solidarität mit Betroffenen und im Rahmen der Pink-Ribbon-Kampagne trägt er demonstrativ ein pinkfarbenes Shirt.

Rosa Schleife an einem rosa Hemd befestigt.
Legende: SRF

2007 fand in der Schweiz die erste Sensibilisierungskampagne für Brustkrebs statt. Die pinkfarbene Schleife steht als weltweites Symbol für Mut, Hoffnung und Zuversicht. Der Oktober wurde zum internationalen Brustkrebs-Awareness-Monat erklärt, um auf die Erkrankung aufmerksam zu machen, über Früherkennung zu informieren und Solidarität mit Betroffenen und ihren Angehörigen zu zeigen.

Er nimmt nicht zum ersten Mal an der Aktion teil. «Ein Tag hier im Atelier kann zwar ganz schön ermüdend sein», gibt er zu. «Dennoch gehe ich abends voller Genugtuung wieder nach Hause. Denn jedes Kissen steht für eine Tragödie, die eine ganze Familie belasten kann.» Dass er mit seiner Initiative Trost spenden kann, spornt ihn an.

Legende: Emsiges Treiben herrscht in Muri bei Bern: Viermal pro Jahr wird im Kirchgemeindehaus zugeschnitten, genäht, gebügelt und gestopft. Die fertigen Kissen werden über kooperierende Spitäler an Patientinnen und Patienten abgegeben. SRF

So wie er haben sich viele extra einen Tag freigenommen, auch Patricia Garbely. Ihre Schwiegermutter hatte Krebs, sie selbst ebenfalls: «Es ist ein Thema, das uns alle irgendwie betrifft.»

Ein Schicksal, das alle treffen kann

Natacha Farquet stimmt ihr zu. Vor drei Jahren musste sie sich einer Mastektomie unterziehen. Ihr Beispiel zeigt, dass Brustkrebs nicht nur Frauen über 50 betrifft, sondern auch junge Mütter wie sie treffen kann.

Eine Mastektomie ist die operative Entfernung einer Brust oder beider Brüste. Sie wird häufig zur Behandlung von Brustkrebs durchgeführt oder kann bei einem erhöhten Erkrankungsrisiko vorbeugend erfolgen.

Je nach Situation kann die Brust vollständig oder teilweise entfernt werden. In manchen Fällen ist ein anschliessender Brustaufbau möglich.

Auch ihr wurde nach dem Eingriff im Spital ein Herzkissen überreicht. Eine Geste, die sie bis heute tief berührt. Mitgefühl ist in jeder Form wertvoll, wie Vera Mitter betont.

Viele hatten Angst, mich zu besuchen, gerade als es mir besonders schlecht ging.

Der Lärmpegel im Atelier macht ihr zwar momentan etwas zu schaffen, hält sie jedoch nicht davon ab, tatkräftig mitzuhelfen. Vor zwei Jahren wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Seither hat sie mit Nebenwirkungen wie der Fatigue zu kämpfen.

Krebsbedingte Fatigue ist eine ausgeprägte körperliche, geistige und seelische Erschöpfung, die durch Ruhe oder Schlaf oft nicht ausreichend gelindert wird. Sie kann sowohl während der Krebstherapie als auch noch lange danach auftreten und den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Es ist ihr ein grosses Anliegen, Menschen für die verschiedenen Aspekte einer Krebserkrankung zu sensibilisieren und sie darüber aufzuklären.

Ein offenes Ohr und echtes Mitgefühl

Noch wichtiger ist es ihr jedoch, darauf aufmerksam zu machen, wie wertvoll es ist, Betroffenen beizustehen. «Es ist wichtig, dass die Menschen ihre Berührungsängste abbauen. Besser ist es, auf Betroffene zuzugehen und sie zu fragen, wie man sie unterstützen kann. Viele hatten Angst, mich zu besuchen, gerade als es mir besonders schlecht ging. Deshalb fühlte ich mich oft allein.»

Legende: Das Tagesergebnis kann sich sehen lassen. SRF

Am Ende des Tages sind hundert Herzkissen fertig. In den kommenden Monaten werden sie in Berner Spitälern verteilt. Jedes einzelne steht für Mitgefühl und für Menschen, die zeigen: Niemand muss eine schwere Zeit allein durchstehen.

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SRF Musikwelle, 27.10.2026, 13:00 Uhr ;  daue;noes

Source: SRF · 31.10.2026, 11:45

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