Mobbing und gefälschte OP-Berichte: Beschwerden am Universitätsspital Lausanne häufen sich

Im Waadtländer Spital soll es gleich in mehreren Abteilungen kriseln. Mutmasslich falsche Einträge in die Patientenakten bei Brandopfern aus Crans-Montana, Mobbing-Vorwürfe und Kritik an der Whistleblower-Plattform sorgen für Unmut.

02.11.2026, 15.04 Uhr

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Die Missstände an der Lausanner Klinik scheinen sich zu häufen.

Die Missstände an der Lausanner Klinik scheinen sich zu häufen.

Gaetan Bally / Keystone

Seit Monaten rumort es im Universitätsspital Lausanne. Bereits Anfang Oktober wurde publik, dass ein leitender Arzt aus der plastischen Chirurgie Operationsberichte gefälscht haben soll – auch bei Brandopfern aus Crans-Montana. Nun soll es laut dem Westschweizer Nachrichtenportal «24 Heures» in weiteren Abteilungen des Spitals zu Arbeitskonflikten gekommen sein, die Rede ist von Mobbing. Das Universitätsspital Lausanne kann dies auf Anfrage «weder insgesamt bestätigen noch widerlegen». Man äussere sich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht zu individuellen Situationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, insbesondere nicht zu den Gründen für ein Ausscheiden oder einen Funktionswechsel.

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Klar ist jedoch: Die Stimmung am Universitätsspital Lausanne ist angespannt. Die interne Whistleblower-Stelle kann die vielen Meldungen kaum noch bewältigen. Deshalb ist nun auch die Plattform selbst in die Kritik geraten.

Monatelang keine Rückmeldung

Im Jahr 2025 führte das Universitätsspital Lausanne die Whistleblower-Plattform «Safe» ein. Darüber können Mitarbeitende anonym Missstände melden. In den letzten fünfzehn Monaten gingen 190 Meldungen ein, die zu vier Vertragskündigungen, zu neun Ermahnungen und zu sieben Verwarnungen führten, sagt Claire Charmet, die Generaldirektorin des Universitätsspitals Lausanne, im Bericht von «24 Heures».

Die gemeldeten Fälle seien sehr vielfältig. Sie reichten von unangemessenem Verhalten und zwischenmenschlichen Konflikten bis zum Verdacht auf Belästigung oder Verstösse gegen berufliche Regeln, so Charmet.

Doch nicht alle Mitarbeitenden sind zufrieden mit der neuen Plattform. Véronique Schober, die Vorsitzende der Personalkommission am Universitätsspital Lausanne, bemängelt gegenüber «24 Heures» etwa, dass die Mitarbeiter teils monatelang keine Rückmeldung erhielten. Betroffene und Zeugen fühlten sich nicht ausreichend geschützt. Ihr Status und ihre Rechte im Verfahren müssten besser definiert werden. Zudem landeten viele Fälle, die an die «Safe»-Stelle weitergeleitet würden am Schluss wieder bei der Personalkommission. Das sorge für Verwirrung.

Die Generaldirektorin wird nun die Prozesse der Whistleblower-Plattform überprüfen, wie sie zu «24 Heures» sagt. Ziel sei es, die Bearbeitung der gemeldeten Fälle zu beschleunigen.

Operationen von Brandopfern aus Crans Montana

Anfang Oktober wurde bereits bekannt, dass das Universitätsspital Lausanne einen leitenden Arzt der Abteilung für plastische und rekonstruktive Chirurgie suspendiert hatte. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, brachte der Fall eine interne Meldung ins Rollen. Das Universitätsspital zeigte den Arzt daraufhin mit Verdacht auf Urkundenfälschung an. Bis zur abschliessenden Klärung der Vorwürfe gilt für den Chirurgen die Unschuldsvermutung.

Dem Arzt wird vorgeworfen, medizinische Protokolle gefälscht zu haben. So soll er sich auch dann als erster Operateur in Operationsberichten erfasst haben, wenn er gar nicht am Eingriff teilgenommen hatte. Das soll auch bei Operationen von Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana vorgekommen sein.

Claire Charmet sagte auf RTS: Die Eingriffe seien von kompetenten Fachärzten durchgeführt worden. Die Qualität der Versorgung stehe daher nicht infrage. Dennoch seien falsche Angaben in der Patientenakte ein Fehlverhalten gegenüber dem Patienten.

Zudem könnten Ärzte, die tatsächlich an der Operation mitgewirkt hätten, diese Arbeitserfahrung nicht für sich verbuchen, wenn an ihrer Stelle ein anderer Arzt in den Dokumenten aufgeführt sei, so Charmet. Das gilt vor allem für Ärzte, die sich noch in der Ausbildung befinden. Sie müssen während ihrer Spezialisierung im Spital bei einer bestimmten Anzahl Operationen mitwirken, um die nötige Praxiserfahrung zu sammeln.

Auch versicherungstechnisch wäre das Verhalten des leitenden Arztes problematisch. Ist der Patient über eine Zusatzversicherung privat oder halbprivat versichert, gibt es zusätzliche Honorare, wenn ein leitender Arzt an der Operation teilnimmt. Die Hälfte dieses Honorars geht an das Universitätsspital, die andere Hälfte fliesst in einen speziellen Fonds, der nach medizinischen Fachgebieten unterteilt ist und unter den Chirurgen aufgeteilt wird. Die Abrechnungen dieser Fälle habe das Spital allerdings gestoppt, so Charmet.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Isabelle Wachter

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