Mit dem Neubau soll das Zürcher Opernhaus «internationale Strahlkraft» erlangen. Nun hat das Prestige-Projekt ein Preisschild
Der Kanton träumt von einem grossen architektonischen Wurf am Sechseläutenplatz. Doch es gibt Hindernisse.
06.11.2026, 15.46 Uhr
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Neben dem Opernhaus ist ein Neubau geplant. Die Krux daran: Er soll auffallen, aber die Oper nicht konkurrenzieren.
Elizabeth Desintaputri / CH Media
Von Zürichs prächtigstem Platz aus geht der Blick Richtung Opernhaus und auf das unscheinbare, rot-braune Gebäude daneben. «Fleischkäse» wird der ungeliebte Erweiterungsbau genannt, in dem auch das Bernhard-Theater untergebracht ist, und das ist kein Kompliment. Bald sind seine Tage am Sechseläutenplatz gezählt.
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Das Opernhaus will den «Fleischkäse» abreissen und durch einen freigestellten Neubau ersetzen. Am Freitag hat der Projektwettbewerb begonnen. Damit ist zwar noch keine einzige Skizze gezeichnet, aber der Opernhaus-Verwaltungsratspräsident und ehemalige Regierungsrat Markus Notter sprach von einem «Meilenstein» nach knapp zehn Jahren Planung.
Die Verantwortlichen träumen von einem grossen architektonischen Wurf, der die Spielstätte und das Stadtbild aufwertet. Ein Gebäude, das zu einem neuen Wahrzeichen in Zürich wird und Touristen anlockt.
«Was wäre Sydney ohne seine Oper?», fragte die kantonale Kulturministerin Jacqueline Fehr vor den Medien rhetorisch und nannte im gleichen Atemzug die ebenso ikonischen Spielstätten in Oslo und Hamburg. Eine solche soll nun auch in Zürich gebaut werden. Schliesslich ist das Opernhaus eine der wichtigsten Kulturinstitutionen der Schweiz mit 250 Vorstellungen und 240 000 Zuschauerinnen und Zuschauer pro Saison.
Neubau darf bis zu 40 Meter hoch werden
Künftig soll die Spielstätte auch Menschen anlocken, die sich bisher nicht über die Schwelle des Opernhauses getraut hätten, sagt Fehr. Der Kanton ist dessen Träger und subventioniert es mit rund 80 Millionen Franken pro Jahr.
Gründe für den Neubau sind laut den Verantwortlichen ein «gravierender Platzmangel» und logistische Probleme. Die Arbeitsbedingungen seien «unzumutbar», betonen die Verantwortlichen, viele Räume hätten kein Tageslicht oder seien überbelegt. Im heutigen Bau ist nur Platz für zwei Bühnenbilder, weshalb pro Woche 120 Lastwagenfahrten zwischen dem Lager in Oerlikon und dem Sechseläutenplatz anfallen. Auch die Anlieferung über die stark befahrene Falkenstrasse sei problematisch.
Im künftigen Erweiterungsbau sind eine unterirdische Anlieferung, grössere Lagerflächen, eine neue Montagehalle sowie eine neue Probebühne geplant. Auch das Bernhard-Theater findet darin wieder Platz. Um das Raumprogramm auf der engen Parzelle unterzubringen, darf der Neubau bis zu 40 Meter hoch werden.
Es soll ein «Gebäude für alle» werden mit einer Terrasse und einem öffentlichen Foyer, das einen Einblick in den Betrieb bietet. «Die Leute sollen die Oper geniessen können, ohne ein Ticket kaufen zu müssen», sagte Intendant Matthias Schulz.
Am Architekturwettbewerb beteiligen können sich Planungsbüros aus der ganzen Welt. Aus den Bewerbungen werden maximal 25 Teams ausgewählt. Anschliessend kürt die Jury, die der emeritierte ETH-Professor Vittorio Magnago Lampugnani präsidiert, ein Siegerprojekt. Lampugnani hat als Planer etwa den Novartis-Campus in Basel entworfen. Zum Projekt gehört auch eine umfassende Sanierung des Opernhauses.
Private sollen das Projekt mitfinanzieren
Noch ist offen, wie viel genau der Neubau kosten wird. Klar ist einzig: Er wird teuer. Die Verantwortlichen rechnen mit Baukosten von rund 500 Millionen Franken, wobei etwa die Hälfte auf die Sanierung des Altbaus entfallen dürfte.
Weil während der Bauzeit der Spielbetrieb von Opernhaus und Bernhard-Theater ausgelagert werden muss, kommen etwa 100 Millionen Franken für die interimistischen Spielstätten hinzu. Solche zu finden, dürfte insbesondere für das Opernhaus schwierig sein. Dessen Zuschauerraum umfasst bis zu 1100 Sitzplätze.
Bild aus dem Jahr 1985, als es vor dem Opernhaus noch einen grossen Parkplatz gab.
Peter Grünert / Baugeschichtliches Archiv
Finanziert werden soll das Projekt mit einer sogenannten Public-Private-Partnership, also einer Kooperation zwischen der Öffentlichkeit und Privaten. Eine solche ermöglichte auch den Chipperfield-Erweiterungsbau des Kunsthauses. Beim Opernhaus sollen Sponsoren und Spender etwa einen Fünftel der Kosten übernehmen. Dazu wurde im Jahr 2023 eine Stiftung gegründet.
Für Architekten ist das Projekt an allerbester Lage in der Stadt Zürich zweifellos attraktiv. Es ist aber auch anspruchsvoll. Der Neubau muss sich ins geschützte Ortsbild am Sechseläutenplatz einfügen und darf das historische Opernhaus nicht zu stark konkurrenzieren – es soll der «Hauptdarsteller» bleiben.
Unter diesen Voraussetzungen ist ein mutiges Projekt wie das Operahus in Oslo, das einem treibenden Eisberg nachempfunden ist und ein begehbares Dach hat, kaum denkbar. Hinzu kommt: Das Projekt muss so mehrheitsfähig sein, dass es möglichst wenig Rekurse auslöst und eine Volksabstimmung übersteht.
Vom ganz grossen Wurf hat sich der Kanton ohnehin schon verabschiedet. Ursprünglich liebäugelten die Verantwortlichen mit einer Rampe oder Brücke zum See, um die vierspurige Bellerivestrasse zu überwinden. Im Mitwirkungsverfahren mit rund 800 Personen war dieser Wunsch immer wieder geäussert worden.
Schliesslich verwarfen die Verantwortlichen diese Pläne aber – wegen der Befürchtung, dass eine Brücke an einer verkehrstechnisch anspruchsvollen Stelle das Projekt um Jahre verzögern könnte.
Auch ohne Rampe ist der Zeithorizont bis zum Neubau weit. Ende 2027 soll das Siegerprojekt bekanntgegeben werden. Baustart ist frühestens im Jahr 2034, die Bauzeit dürfte vier bis sechs Jahre betragen. Der «Fleischkäse» bleibt den Zürcherinnen und Zürchern also noch eine Weile erhalten.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Isabel Heusser
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