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Ein ehemaliger Ruag-Mitarbeiter hatte über Jahre in die eigene Tasche gewirtschaftet. Es ging unter anderem um Panzer-Geschäfte. Soweit war der Betrugsfall im staatseigenen Rüstungskonzern bekannt. Mit dem heute veröffentlichten Untersuchungsbericht wird klar: Die Betrugsaffäre ist noch umfassender. Verteidigungsminister Martin Pfister erläutert das weitere Vorgehen.

Martin Pfister

Bundesrat

Martin Pfister wurde 1963 in Zug geboren. Im März 2025 wurde er in den Bundesrat gewählt und steht seither dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport vor. Von 2016 bis 2025 war der Mitte-Politiker zudem Regierungsrat und Gesundheitsminister im Kanton Zug. Martin Pfister hat Geschichte und Germanistik studiert und ist ausgebildeter Lehrer. Zudem war er Oberst und während acht Jahren in der Führung der Katastrophenhilfe aktiv.

SRF: Herr Bundesrat, was hat Sie am meisten schockiert?

Martin Pfister: Wir sehen jetzt die Tiefe dieser Vorfälle und der Vorwürfe, die man ja schon zum grossen Teil kennt, und auch die kriminelle Energie, die darin steckt. Das ist das, was mich am meisten schockiert hat.

Das Verteidigungsdepartement hat schon 2017 gewusst, dass die Ruag über Südafrika die Schweizer Regeln umgehen wollte. Damals war Guy Parmelin zuständig. Haben Sie ihn schon zur Rede gestellt?

Nein, ich habe mit ihm nicht darüber geredet. Ich habe den gesamten Bundesrat informiert – und damit natürlich den Bundespräsidenten – über die Situation nach dem Bericht, und welche Massnahmen wir ergreifen werden. Wir wissen aber noch nicht alle Details. Das ist Bestandteil der Überprüfung von diesem sehr umfassenden Bericht, den wir in den nächsten Tagen noch vollständig bekommen werden.

Der Bericht schaute aber nur die Seite der Ruag an, jene des Bundes nicht. Sind Sie sicher, dass dort alles richtig gelaufen ist?

Nein, das bin ich nicht. Und das ist auch ein Bestandteil von meinen Untersuchungen, wo ich bewusst eine Arbeitsgruppe zusammengesetzt habe, die nicht betroffen ist. Die Eigner-Stellen sind nicht dabei, Betroffene allenfalls aus jener Zeit sind nicht dabei. Darum ist es wichtig, dass wir unsere eigene Rolle sehr kritisch anschauen und dann die entsprechenden Massnahmen ergreifen.

Kriminelle Energie ist strafbar beim alten und beim neuen Kriegsmaterialgesetz.

Beim Kriegsmaterialgesetz, das zur Abstimmung kommt, erwarten Sie für ein Ja viel Vertrauen des Volkes, dass der Bundesrat im Einzelfall weise entscheidet, ob es ein Verbot braucht oder nicht. Was sagen Sie Kritikerinnen, die sagen: Der Skandal zeigt, der Bundesrat hat das Vertrauen nicht verdient.

Das Vertrauen ist ganz wichtig. Ich unternehme alles, damit es wiederhergestellt werden kann. Dazu gehören Transparenz und Ehrlichkeit. Die Vorfälle, die untersucht worden sind, haben nichts mit dem Kriegsmaterialgesetz zu tun, weil sie von krimineller Energie geprägt sind. Kriminelle Energie ist strafbar beim alten und beim neuen Kriegsmaterialgesetz. Und die Rolle bei der Ausfuhr muss sowieso sehr konsequent ausgeübt werden vom Seco.

Legende: «Ich verurteile die aufgedeckten Verfehlungen aufs Schärfste, und ich toleriere keine solchen Handlungen», sagte Verteidigungsminister Martin Pfister in Bern vor den Medien. KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Aber bei dieser Südafrika-Tochter hat der Bund gewusst, dass sie Schweizer Regeln umgehen wollte. Trotzdem ist es acht Jahre gegangen, bis diese aufgelöst wurde.

Genau das überprüfen wir jetzt, was die Rolle des Bundes und der Eigner-Stelle war. Und werden dann entsprechende Massnahmen treffen. Wie gesagt, wir haben jetzt eine Zusammenfassung des Berichts. Den umfassenden Bericht bekommen wir erst, der hat über 1000 Seiten. Diese werden wir genau prüfen und dann die entsprechenden Massnahmen schonungslos ergreifen – auch wenn es den Bund betrifft.

Seit Sie im Amt sind, müssen Sie Skandal um Skandal aufarbeiten. Haben Sie sich noch nie nach einem anderen Departement gesehnt?

Nein. Ich habe ja gewusst, dass ich dieses Departement bekomme, als ich mich bewarb...

...Sie könnten jetzt dann wechseln.

Das entscheidet das Gesamtgremium, wie der neue Bundesrat zusammengesetzt ist. Der heutige Tag zeigt, dass ich noch einiges zu tun habe im VBS und Verantwortung und Engagement gefordert sind.

Das Gespräch führte Nathalie Christen.

SRF 4 News, 30.10.2026, 15 Uhr ;  srf/lehl

Source: SRF · 30.10.2026, 20:35

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