Midterms: Wo wird es spannend? Die fünf entscheidenden Gliedstaaten
Die Zwischenwahlen am Dienstag erscheinen vor allem bei der kleinen Kammer spannend. Dort versuchen die Demokraten sogar in tiefroten Gliedstaaten Sitze zu ergattern.
Andreas Mink01.11.2026, 05.30 Uhr
4 Leseminuten
In New York nutzen einige Wähler die vorzeitige Stimmabgabe für die Zwischenwahlen am 3. November.
John Angelillo / Imago
Am Dienstag stehen bei den Midterms die 435 Sitze im amerikanischen Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat zur Wahl. Insgesamt fallen die Republikaner bei Umfragen immer weiter zurück. Seriöse Beobachter wie das «Crystal Ball»-Team der University of Virginia erwarten daher eine Rückkehr der Demokraten zu einer Mehrheit im Repräsentantenhaus und sehen für sie gute Chancen, auch im Senat eine Mehrheit zu erobern. Hier hält die Opposition mit zwei Unabhängigen (in Maine und Vermont) derzeit 47 Sitze. Für eine Mehrheit wären daher die Verteidigung ihrer Mandate und ein Zugewinn von 4 Sitzen notwendig.
Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Die Demokraten profitieren von den historisch niedrigen Sympathiewerten des Präsidenten, die bei rund 35 Prozent liegen. Donald Trump ist so unbeliebt wie vor ihm nur Harry Truman bei den Zwischenwahlen 1946. Sein Krieg gegen Iran treibt Kraftstoffpreise für das ohnehin von Inflation belastete Stimmvolk in Rekordhöhen. Einst sichere Senatssitze in Georgia oder North Carolina gelten bereits als verloren, und heuer geraten sogar Sitze in traditionellen Hochburgen wie South Carolina, Mississippi, Iowa und sogar Kansas unter Druck, wo seit 1932 kein Demokrat mehr ein Senatsmandat errungen hat. Spannend bleiben indes die Entscheidungen in Alaska, Maine, Michigan, Ohio und Texas.
Alaska
Die Demokratin Mary Peltola strebt einen Senatssitz für Alaska an.
Kerry Tasker / Reuters
Im obersten Norden der USA gerät die demokratische Herausforderin Mary Peltola im Rennen gegen den amtierenden Senator Dan S. Sullivan in einen wahrscheinlich selbstgemachten Skandal. Laut Recherchen der «New York Times» hat ihre Kampagne einen pensionierten Lehrer namens Daniel J. Sullivan junior zu einer Kandidatur bewogen, um Wähler zu verwirren und dem Republikaner Stimmen abzujagen. Dieser heisst nämlich Daniel S. Sullivan. Das Justizministerium von Alaska hat deshalb am Mittwoch ein Strafverfahren gegen Peltola eingeleitet, und Trump fordert, sie vom Wahlzettel zu streichen. Dabei lag Peltola bei Umfragen zuletzt mit rund 50 zu 48 Prozent knapp gegen Sullivan vorn.
Maine
Susan Collins verteidigt ihren Senatorensitz in Maine gegen Troy Jackson, der erst nach einem Skandal bei den Demokraten ins Rennen ging.
Taylor Coester / Reuters
Das Rennen in Maine erscheint als personalisierter Kampf der Klassen in dem vorwiegend ländlichen Gliedstaat. Die amtierende Senatorin Susan Collins stammt aus einer elitären Sippe von Sägewerkbesitzern und Politikern, sitzt seit 1997 im amerikanischen Senat und galt bald als Inbegriff von «moderaten Neuengland-Konservativen». Ihr Herausforderer Troy Jackson wuchs ebenfalls im bewaldeten Norden Maines auf, seine Vorfahren waren Holzfäller. Hemdsärmelig und provinziell, hatte Jackson bei den demokratischen Vorwahlen keine Chance gegen den Linkspopulisten Graham Platner, der nach Missbrauchsvorwürfen zurücktreten musste. Jackson wurde Ersatzmann.
Michigan
Abdul El-Sayed wird im Rennen um den Senatssitz in Michigan vom Ex-Präsidenten Barack Obama unterstützt.
Ari Saperstein / EPA
Kein Kandidat ist bei diesen Wahlen derart umstritten wie der Demokrat Abdul El-Sayed in Michigan. Der 42-jährige Sohn ägyptischer Immigranten tritt mit linkspopulistischen Positionen auf. El-Sayed erfüllt mit einer angriffigen Art den Traum vieler Linker von einem «Kämpfer» gegen Trump und das Maga-Lager. Zudem hat der Muslim Israel in den Vorwahlen Völkermord in Gaza vorgeworfen und damit jüdische Demokraten verunsichert. Sein Konkurrent Mike Rogers war beim FBI und sass für die Republikaner im amerikanischen Repräsentantenhaus. Rogers diffamiert El-Sayed als «Sicherheitsrisiko» und «Jihadisten». Wird ein linker Araber in einer überwiegend weissen Region erfolgreich sein können?
Ohio
Sherrod Brown wirbt in Toledo für sich und andere demokratische Kandidaten im zunehmend konservativ wählenden Ohio.
Christy Frank / Imago
Lange ein Swing State, wählt Ohio seit 2014 zunehmend konservativ. Obwohl bürgernah und gut vernetzt bei Gewerkschaften, hat auch der Demokrat Sherrod Brown 2024 sein Mandat nach achtzehn Jahren im Senat verloren. Der 73-Jährige tritt nun erneut an und liegt bei Umfragen mit rund 4 Prozent vor dem amtierenden Republikaner Jon Husted. Husted fällt eigentlich nur als Trump-Loyalist auf. Seine schwachen Werte führten dazu, dass er nun Auftritte mit Trump hat. Der Präsident schwärmt neuerdings über den «knackigen Arsch» des ehemaligen College-Footballers. Was wohl als Manöver zur Ablenkung von Krieg und Kraftstoffpreisen gedacht ist, dürfte das Ansehen Husteds in Ohio jedoch kaum heben.
Texas
James Talarico ist einer der grossen Hoffnungsträger der Demokraten und kämpft in Texas um einen Sitz im Senat.
Mike Segar / Reuters
Hier hat seit 1988 kein Demokrat ein Senatsrennen gewonnen. Dennoch macht Texas den Republikanern in dieser Saison die ärgsten Bauchschmerzen. Einerseits kehren Latinos den Konservativen scharenweise den Rücken. Andererseits wurde der 64-jährige Ken Paxton als Politiker mehrfach wegen Betrugs und Korruption angeklagt und verurteilt. Sein Konkurrent James Talarico erscheint als Antipode und Demokrat neuen Typs: jung, tiefgläubig, moderat. Der 37-Jährige verteidigt Texas als führenden Staat bei Erdöl und Erdgas, weiss aber auch selbstbewusst eine von gigantischen Spenden getragene Schmutzkampagne der Republikaner zu kontern, die ihn als verkappt schwulen «Talafreako» denunziert.
Passend zum Artikel
Source: Neue Zürcher Zeitung · Andreas Mink
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇨🇭 CH
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira