Midterms in den USA Wo das Rennen um den Senat entschieden wird
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Bei den US-Zwischenwahlen werden 35 Senatorinnen und Senatoren neu bestimmt. In der Kammer halten die Republikaner derzeit 53 von 100 Sitzen, die Demokraten 47 (inklusive zwei Parteilose). Würden die Demokraten netto vier Sitze gewinnen, verlören Trumps Republikaner die Mehrheit. In diesen sieben Bundesstaaten ist die Spannung am grössten.
Michigan
Das Rennen wird als Test dafür verstanden, inwiefern Vertreter des linken Flügels der Demokraten in sogenannten Swing States Chancen auf Wahlerfolge haben. Der demokratische Amtsinhaber Gary Peters tritt nicht wieder an. Sein linker Parteikollege Abdul El-Sayed will den Sitz halten.
Wird er sich gegen den Republikaner Mike Rogers durchsetzen, oder schrecken seine Positionen moderate Wähler ab? El-Sayed wäre als ehemaliger Chef des Gesundheitsamts von Detroit der erste muslimische US-Senator. Der Ex-FBI-Agent Rogers vertrat Michigan bis 2015 im Repräsentantenhaus.
Kansas
Kann ein methodistischer Pastor schaffen, was seit 1932 kein Demokrat schaffte – einen Senatssitz in Kansas gewinnen? Adam Hamilton fordert den republikanischen Amtsinhaber Roger Marshall heraus, der 2020 mit 53 Prozent gewählt wurde. Kansas gilt traditionell als republikanische Hochburg – Trump gewann 2024 mit 57 Prozent.
Doch die Demokratin Laura Kelly bewies als Gouverneurin, dass Siege möglich sind: Sie gewann 2018 und 2022, indem sie neben den demokratischen Hochburgen um Kansas City und Topeka auch den Grossraum Wichita holte. Dieser Weg könnte auch Hamilton offenstehen.
Umfragen bescheinigen den Demokraten gute Chancen, das Repräsentantenhaus zu gewinnen. Derzeit ist die Mehrheit der Republikaner dort äusserst knapp: 218 der 435 Sitze sind in republikanischer Hand, die Demokraten haben 214. Die anderen drei sind entweder vakant oder von einem Parteilosen besetzt.
Zwar stehen alle Sitze zur Wahl. Da eine ganze Reihe von Sitzen feste Hochburgen der einen oder anderen Partei sind, stehen auch hier vor allem die umkämpften Wahlkreise im Fokus: Gewinnt eine Partei hier überproportional viel, deutet das früh auf einen Gesamtsieg hin.
(DPA)
Maine
Entweder wird die Republikanerin Susan Collins zum rekordverdächtigen sechsten Mal wiedergewählt, oder der Demokrat Troy Jackson übernimmt ihren Sitz. Collins ist die einzige republikanische Senatorin aus einem Staat, den Kamala Harris 2024 gewann. Trotz Maines demokratischer Präsidentschaftswahlergebnisse erreichte noch nie ein demokratischer Herausforderer mehr als 44 Prozent gegen Collins.
Ohio
Ohio hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich nach rechts verschoben. Die Zwischenwahlen könnten zeigen, ob die republikanische Dominanz bröckelt. Amtsinhaber Jon Husted tritt gegen Sherrod Brown an – einen Demokraten, der bis 2025 drei Amtszeiten absolvierte, bevor er knapp abgewählt wurde. Husted wurde 2025 ernannt, um die Lücke nach J.D. Vances Wechsel ins Vizepräsidentenamt zu füllen.
Trotz dreier Trump-Siege deuten Umfragen auf ein enges Rennen hin. Brown hat Husted wegen seiner Unterstützung von Trumps Iran-Krieg und umstrittener Rechenzentren-Projekte attackiert.
Texas
Ein Niederlage der Republikaner wäre für die Demokraten der erste Senatssieg seit fast 40 Jahren. Der frühere Lehrer James Talarico tritt gegen Generalstaatsanwalt Ken Paxton an. Dieser gilt als Unterstützer Trumps und ist umstritten. So musste er sich etwa einem Amtsenthebungsverfahren wegen Vorwürfen von Korruption und Amtsmissbrauch stellen. Talarico machte im Wahlkampf immer wieder auch seinen christlichen Glauben zum Thema.
Alaska
Wird eine Namensgleichheit den republikanischen Amtsinhaber Dan S. Sullivan Stimmen kosten – und damit seinen Senatssitz? Diese Sorge hat zumindest die Trump-Regierung geschürt. Gegen den Amtsinhaber treten der fast gleichnamige politische Neuling Dan J. Sullivan und die Demokratin Mary Peltola an.
Republikaner verdächtigen die Demokraten schon länger, den Namensvetter aus taktischem Kalkül zur Kandidatur bewogen zu haben und auf eine Verwechslungsgefahr zu setzen. Ein Medienbericht hat ihre Darstellung jüngst untermauert. Das Rennen war Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung unter Beteiligung des US-Justizministeriums. Die Klage wurde mittlerweile abgewiesen.
Iowa
Seit 16 Jahren stellen die Republikaner den Gouverneur, seit über zehn Jahren auch beide Senatoren. Der Rücktritt der republikanischen Senatorin Joni Ernst eröffnet nun eine Chance: Die republikanische Abgeordnete Ashley Hinson tritt gegen den demokratischen Landtagsabgeordneten Josh Turek an. Ein Sieg Tureks könnte den Demokraten helfen, die Senatsmehrheit zu kippen – ähnlich wie Ernsts Wahlsieg 2014 den Republikanern die Mehrheit sicherte.
Zwar nehmen sie auf Bundesebene eine vergleichsweise kleinere Rolle ein – in ihren Bundesstaaten haben die Gouverneurinnen und Gouverneure allerdings das mächtigste Amt. Sollten die Demokraten mindestens zwei zusätzliche Gouverneure stellen, gäbe es erstmals seit 2010 wieder mehr demokratische als republikanische Bundesstaatenchefs. Im Fokus stehen etwa:
- Ohio: Mit einem umstrittenen Werbevideo hatte der republikanische Unternehmer Vivek Ramaswamy Stimmung gegen seine demokratische Kontrahentin Amy Acton gemacht. In dem Video rief die Mutter der Ärztin die Wähler auf, nicht für ihre Tochter zu stimmen – obwohl beide seit Jahren keinen Kontakt mehr zueinander haben. Acton hatte den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen, nachdem sie nach eigenen Angaben sexuell von ihrem Stiefvater missbraucht worden war. Ramaswamys Kampagne hatte parteiübergreifend für Kritik gesorgt – selbst der scheidende republikanische Amtsinhaber äusserte Unmut.
- Wisconsin: In dem Bundesstaat entscheidet sich, ob sich der moderate Demokrat David Crowley gegen den Republikaner Tom Tiffany durchsetzen kann. Der Swing State wurde zuletzt demokratisch regiert, doch in der Vergangenheit entschieden bei Präsidentschafts- und Gouverneurswahlen oft nur wenige Tausend Stimmen. Crowley hatte sich parteiintern mit einem gemässigteren Ansatz etwa beim Reizthema Gesundheitsvorsorge gegen die linke Kandidatin Francesca Hong durchgesetzt. Falls er den Ex-Kongressabgeordneten Tiffany schlägt, könnte das als positives Signal für moderate Kandidaten der Demokraten gewertet werden.
(DPA)
SRF4 News, 2.11.2026, 4 Uhr ; sda/dpa;mcep;brus
Source: SRF · 03.11.2026, 06:01
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