Der Ausfall von Bayern-Coach Vincent Kompany sorgt dafür, dass man über die Belastungen im Trainer-Job spricht. Martin Schmidt hat Vorstellungen, wie man diese eindämmen könnte.
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Gross war das Aufsehen vor 10 Tagen, als bekannt wurde, dass Vincent Kompany bei einem Training der Bayern-Amateure zusammengebrochen war. Es ist auch nicht kleiner geworden, nachdem die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters Kompany eine wochenlange Ausfallzeit bescheinigten. Und auch wenn Kompanys Kollaps offenbar auf eine Hirnhautreizung und nicht auf Stress zurückzuführen ist, wird in Fussball–Deutschland vermehrt über die hohen Belastungen auf den Trainerbänken der Republik gesprochen.
Einer, der die Situation aus eigener Erfahrung kennt, ist Martin Schmidt. Der Walliser war in der Bundesliga Trainer in Mainz, Wolfsburg und Augsburg, später in Mainz Sportdirektor und Berater. Der 59-Jährige weiss, weshalb es Coaches schwerfällt, kürzerzutreten: «Als Trainer darfst du einfach nicht fehlen, weil du der Motor des Vereins bist. Du bist ein Dauer-Entscheider, du musst jeden Tag 20, 30 Entscheidungen treffen. Das macht etwas mit dir.» Deshalb brauche jeder Trainer Strategien, um zur Ruhe zu kommen – Coaching-Hygiene nennt das Schmidt.
Als Beispiel führt er Thomas Tuchel an, den er in Mainz begleiten durfte. «Am Montag hatte er seinen ‹Tag für die Familie›. Da war er auf dem Spielplatz oder in der Kita, aber nicht auf dem Klubgelände.» Schmidt selbst zog es an seinem freien Tag zurück in die Walliser Berge, wo er sich die nötige Energie zurückholte.
Schweden hat es vorgemacht
Die aktuelle Diskussion, in der Trainern zugebilligt wird, Schwächen zu zeigen und Auszeiten einzufordern, findet Schmidt wichtig. Geht es um Verbesserungen, hat Schmidt indes ganz grundsätzliche Fragen: «Wie modern ist das noch? Ist es nicht denkbar, dass es künftig zwei Coaches gibt? Einer konzentriert sich auf Trainingsarbeit, -inhalte und Spielphilosophie, der andere deckt die Medienarbeit und den Austausch mit Ärzten und Physios ab.»
Wird Schmidts Vorschlag umgesetzt, wäre es in den Top-Ligen sicherlich eine Revolution. Gänzlich neu ist die Co-Trainerschaft indes nicht: In Skandinavien setzten schon einige Klubs auf zwei Coaches. Das prominenteste Duo hiess Lars Lagerbäck und Tommy Söderberg und betreute Schweden zwischen 2000 und 2004 an zwei EM- und einer WM-Endrunde. Ein WM-Achtel- und ein EM-Viertelfinal-Einzug mit «Tre Kronor» sollten eigentlich Werbung genug sein für dieses Modell.
Radio SRF 1, Abendbulletin von 18:45 Uhr, 02.11.26 ; bbi/sis
Source: SRF · 02.11.2026, 21:21
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