Die französischen Behörden haben nach den erneuten Grossdemonstrationen vorläufig Bilanz gezogen. Kurzfazit: Es kam zwar zu Ausschreitungen und Festnahmen – aber in weit geringerem Ausmass als letztes Wochenende. SRF-Korrespondentin Zoe Geissler erklärt, warum der «2. Akt» der Massenproteste ruhiger verlief.

Zoe Geissler

Frankreich-Korrespondentin

Zoe Geissler berichtet für Radio SRF aus Paris über das Geschehen in Frankreich. Zuvor war sie Auslandredaktorin und Produzentin bei Radio SRF 4 News. Zoe Geissler hat Internationale Beziehungen, Politikwissenschaften und Gender Studies an den Universitäten Zürich und St. Gallen (HSG) studiert.

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Warum kam es am Samstag zu weniger Gewalt?

Aus mehreren Gründen: Das Sicherheitsdispositiv nach den schweren Ausschreitungen letzte Woche war diesmal viel grösser, auch wurden die Kontrollen verstärkt. Das hat sicher geholfen und dürfte auch potenzielle Krawallmacher abgeschreckt haben. Auch die Geschäfte wurden besser durch Sicherheitskräfte geschützt. Einige Läden wurden auch geschlossen, zum Teil haben die Betreiber sie mit Holz verbarrikadiert.

Legende: Laut dem Innenministerium wurden landesweit gut 1300 Personen festgenommen. Es gab 75 Einsätze wegen Bränden und 24 Geschäfte seien geplündert worden. 53 Angehörige der Ordnungskräfte seien verletzt worden. Getty Images/Bloomberg/Nathan Laine

Wie traten die Polizei und die Organisatoren der Proteste auf?

Die Polizei schien teilweise zurückhaltender und diskreter vorzugehen als noch am vorigen Wochenende. In Paris etwa sah man an manchen Stellen des Demonstrationszuges fast gar keine Polizei. Auch die von den Gewerkschaften organisierten Umzüge waren in der Regel gut strukturiert und organisiert. Sie dürften besonders sensibilisiert gewesen sein. Auch das könnte dazu beigetragen haben, dass es ruhiger blieb.

Legende: Innenminister Laurent Nuñez sagte, dass erneut Randalierer und militante Linksradikale am Rande der Demonstrationen agierten. Während der Umzüge gab es jedoch kaum grössere Zwischenfälle. Getty Images/Anadolu/Mustafa Yalcin

Worauf muss sich Frankreich noch gefasst machen?

Klar ist: Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist gross. Und sie erstreckt sich mittlerweile auf verschiedene Bevölkerungsgruppen. Die Bewegung hat ja eigentlich mit den Schülerinnen und Studierenden begonnen, die für bessere Bildungschancen und Bedingungen auf die Strasse gingen. Mittlerweile haben sich aber auch andere Gruppen angeschlossen.

Legende: Die Gelbwesten protestieren etwa gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Auch Gewerkschaften und linke Parteien unterstützen die Proteste. Getty Images/Kiran Ridley (Archiv)

Dazu kommt, dass sich der Protest inzwischen auch gegen die Sicherheitsmassnahmen der Regierung richtet. Kritisiert wurden am Samstag die zahlreichen Demonstrationsverbote und kurzfristigen Änderungen der Demonstrationsrouten. Die Regierung begründete das damit, weitere Ausschreitungen verhindern zu wollen. Doch die Massnahmen schürten den Unmut weiter.

Und: Die ursprünglichen Forderungen liegen weiterhin auf dem Tisch. Die Regierung hat bisher keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Ihr finanzieller Spielraum ist wegen der hohen Schulden ohnehin klein. Die Proteste dürften Frankreich also auch in den nächsten Wochen weiter beschäftigen.

Source: SRF · 25.10.2026, 13:37

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