Manipuliert Meta den brasilianischen Wahlkampf zugunsten von Flávio Bolsonaro?

Zwei Tage vor der Stichwahl gerät der amerikanische Technologiekonzern unter Manipulationsverdacht. Jetzt fordern auch US-Kongressabgeordnete Aufklärung von Meta-Chef Mark Zuckerberg.

23.10.2026, 16.12 Uhr

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Geht in diesem Duell alles mit rechten Dingen zu? Der rechte Kandidat Flávio Bolsonaro (links) fordert den Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva heraus.

Geht in diesem Duell alles mit rechten Dingen zu? Der rechte Kandidat Flávio Bolsonaro (links) fordert den Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva heraus.

Andre Penner / AP

Manipuliert einer der mächtigsten Technologiekonzerne der Welt die Präsidentschaftswahl in Brasilien? Wenige Tage vor der Stichwahl vom 25. Oktober zwischen Luiz Inácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro erhärtet sich dieser Verdacht gegen Meta. Das amerikanische Unternehmen soll Präsident Lula im Wahlkampf benachteiligt und seinen Herausforderer Flávio Bolsonaro begünstigt haben. Interne Nachrichten zeigen, dass Mitarbeiter des Konzerns über die Ungleichbehandlung informiert waren. Inzwischen hat sich die brasilianische Wahljustiz eingeschaltet.

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Meta ist in Brasilien allgegenwärtig. Dem Konzern von Mark Zuckerberg gehören mit Whatsapp, Instagram und Facebook drei der wichtigsten Kommunikationsplattformen des Landes. Whatsapp wird von fast allen brasilianischen Internetnutzern verwendet. Über Instagram lassen sich rund 147 Millionen Nutzerkonten mit Werbung erreichen – in einem Land mit 215 Millionen Einwohnern und rund 160 Millionen Wahlberechtigten.

Digitale Plattformen sind entscheidend im Wahlkampf

Für Politiker sind die Plattformen unverzichtbar: Whatsapp dient der Mobilisierung von Anhängern, Instagram der öffentlichen Reichweite – und auf beiden sozialen Netzwerken erscheint bezahlte Wahlwerbung.

Ausgelöst wurde das Verfahren durch Beschwerden aus Lulas Wahlkampfteam. Am 9. Oktober konnte der Präsident fast 24 Stunden lang bereits veröffentlichte Instagram-Beiträge nicht mehr kostenpflichtig verbreiten lassen. Gleichzeitig wurde das Profil seines Herausforderers Flávio Bolsonaro Nutzern auf Instagram empfohlen, obwohl solche algorithmischen Empfehlungen für Präsidentschaftskandidaten untersagt sind. Auch auf Whatsapp tauchte ein Bolsonaro-Kanal bei der Suche nach einem Unterstützerkanal Lulas auf.

Die Vorwürfe beruhen jedoch nicht allein auf Beschwerden aus Lulas Wahlkampfteam. Interne Nachrichten von Meta, die der Zeitung «Folha de São Paulo» vorliegen, zeigen, dass Mitarbeiter des Konzerns von der Ungleichbehandlung wussten. Einer bezeichnete Lulas Konto im Vergleich zu dem von Bolsonaro ausdrücklich als «eingeschränkt» und warnte vor möglichen juristischen Konsequenzen. Die Nachrichten belegen allerdings nicht, dass die Benachteiligung politisch beabsichtigt war.

Meta weist den Manipulationsverdacht denn auch zurück. Die Probleme seien auf unterschiedliche technische Fehler zurückzuführen, die ebenfalls andere Nutzer und Werbekunden betroffen hätten. Auf Druck des Obersten Wahlgerichts (TSE) erklärte Meta Anfang dieser Woche schliesslich, man habe Massnahmen umgesetzt, darunter eine zusätzliche Kontrolle politischer Werbekonten durch Mitarbeiter.

Lulas digitale Armee hat acht Millionen Follower

Doch in der heissen Phase des brasilianischen Wahlkampfs gerät auch das linke Lager unter Druck. TSE-Präsident Kassio Nunes Marques, einst von Jair Bolsonaro ernannt, hat Meta aufgefordert, den Whatsapp-Kanal «Exército do Lula» («Lulas Armee») zu überprüfen.

Der vom linken Abgeordneten André Janones betriebene Kanal wurde erst nach dem ersten Wahlgang vor knapp drei Wochen gegründet und erreicht inzwischen mehr als acht Millionen Abonnenten. Die digitale Mobilisierung gilt als ein möglicher Grund dafür, dass Lula in den Umfragen zuletzt aufholen konnte, während Bolsonaro an Zustimmung verlor.

Wahlrichter Nunes Marques verlangt von Meta innerhalb von 24 Stunden Auskunft darüber, ob es sich um legitime politische Mobilisierung oder regelwidriges Verhalten handelt. Damit soll ausgerechnet jener Konzern die Aktivitäten von Lulas Unterstützern beurteilen, der selbst unter Manipulationsverdacht steht.

Inzwischen hat der Streit auch den US-Kongress erreicht. 13 Parlamentarier, darunter Senator Bernie Sanders, verlangen von Meta-Chef Mark Zuckerberg Aufklärung über die mutmassliche Benachteiligung Lulas. Sie wollen auch wissen, ob Meta mit der Regierung von Donald Trump über die brasilianischen Wahlen gesprochen hat. Doch die Frist für die Beantwortung der Fragen läuft erst am 4. November ab. Bis dahin haben die Brasilianer ihren Präsidenten längst gewählt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Alexander Busch

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