Längere Lieferwege für Kaffee Geopolitik macht Schweizer Kaffeebranche zu schaffen

Kriege und Krisen in aller Welt bereiten den Schweizer Kaffeehändlern Sorge. Sie müssen alternative Lieferwege finden.

02.11.2026, 05:53

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Wenn Sie einen Espresso trinken, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass der Kaffee durch die Hände eines Unternehmens gegangen ist, das dem Schweizer Kaffeehändlerverband angehört. Seine Mitglieder – darunter Nestlé und Starbucks – handeln mit mehr als der Hälfte des weltweiten Kaffeevolumens.

Die Schweiz ist ein bedeutender Knotenpunkt für den internationalen Kaffeehandel. Wenn nun aber Schifffahrtsrouten nicht mehr sicher sind und die Ölpreise steigen, geraten die Lieferketten unter Druck. Am diesjährigen Jahresforum des Verbands Anfang Oktober nannten die Delegierten in einer Umfrage «Krieg» als ihre Hauptsorge und «Flexibilität und alternative Routen» als ihre oberste Priorität.

Kaffeebohnen werden in Südamerika, Asien und Afrika angebaut. Die als Rohkaffee bezeichneten Bohnen gelangen anschliessend auf dem Seeweg nach Europa und Nordamerika, wo sich die meisten Kaffeeröstereien befinden.

Wegen der seit Februar andauernden Sperrung der Strasse von Hormus sahen sich die Reedereien gezwungen, Schiffe umzuleiten und Treibstoffzuschläge zu erheben. Die kürzeste Schifffahrtsroute zwischen Asien und Europa ist praktisch gesperrt. Lieferungen von Kaffeebohnen aus Vietnam müssen jetzt den längeren Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen. Das verlängerte die Transportzeit um 20 Tage.

Ob solche Umwege zur Norm werden, bleibt abzuwarten. «Kaffeehändler müssen sich darauf einstellen, dass sie trotz unvollständiger Informationen rasch mutige Entscheidungen treffen müssen», betonte ein Reedereivertreter beim Forum der Kaffeehändler. «Dieser Ausnahmezustand wird andauern, und der Umgang damit wird entscheidend sein.»

Resilienz ist wichtiger als Effizienz

Die Hormus-Krise war somit eine Art Bewährungstest für die Robustheit der Lieferketten der Kaffeehändler. Das Genfer Kaffeehandelsunternehmen Sucafina wartete gar nicht erst ab, wie sich die Situation entwickeln würde, sondern handelte umgehend und nahm längere Transportzeiten in Kauf.

«Es ist besser, den Kaffee trotz längerer Lieferzeiten auf See zu transportieren, als einfach abzuwarten, bis man Gewissheit hat», betont Dany Barkha, Logistikchef beim Sucafina. «Und Gewissheit haben wir in diesem Konflikt auch nach Monaten keine.»

Legende: Ein Mitarbeiter bringt Säcke mit frischen Rohkaffeebohnen in die Rösterei Vicafe in Zürich. (22.8.25) KEYSTONE/Gaetan Bally

José Luis Pérez ist Bereichsleiter Rohstoffe bei der Commodity Supplies AG. Das im Kanton Schwyz ansässige Seefracht-Logistikunternehmen bedient rund 200 Unternehmen aus der Kaffeebranche. «Die Kaffee-Lieferkette funktioniert meist nach dem Just-in-time-Prinzip», berichtet Pérez. «Die Röstereien wissen, dass sie zur Not auch Lagerkaffee kaufen und so während einer Krise ein paar Wochen überstehen können.»

Heute sei diese Just-in-time-Strategie nicht mehr so attraktiv wie früher. Es komme vermehrt zu unerwarteten Konflikten und dadurch zu möglichen Engpässen. Damit ihnen der Rohkaffee nicht ausgehe, hielten Röstereien nun grössere Bohnenbestände auf Lager, selbst wenn dadurch mehr Betriebskapital gebunden wird und die Finanzierungs- und Versicherungskosten steigen.

«Vor fünf bis zehn Jahren trimmten wir unsere Lieferketten auf Effizienz, aktuell richten wir sie auf Resilienz aus, und in Zukunft wird ihre Anpassungsfähigkeit entscheidend sein», prognostiziert Pérez.

Aufgrund des geringeren Angebots und der gestiegenen Nachfrage hat Rohkaffee in den letzten zwei Jahren rekordhohe Preise erreicht. Zwar meldete die Internationale Kaffeeorganisation für 2025/2026 den ersten Marktüberschuss seit fünf Jahren. Trotzdem bezahlen die Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin mehr, da in den Lieferketten nach wie vor teure Bohnen im Umlauf sind.

So machten Preiserhöhungen bei Nestlé im ersten Halbjahr 4.7 Prozent des Umsatzwachstums im Kaffeegeschäft aus. Der Schweizer Grosskonzern mit Marken wie Nespresso und Nescafé rechnet in der zweiten Jahreshälfte zwar mit tieferen Rohkaffeepreisen. Er wies die Anleger jedoch darauf hin, dass diese tieferen Preise «durch leicht höhere Transport- und Energiekosten aufgrund des Nahostkonflikts neutralisiert werden».

SRF 4 News, 25.10.2026, 17 Uhr;liea

Source: SRF · Anand Chandrasekhar / SWI swissinfo.ch

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