Kurz nach den Midterms ernennt Trump einen neuen Stabschef. Die Personalie ist ein Signal an Freund und Feind

Stephen Miller übernimmt das Amt im Weissen Haus von Susie Wiles. Er gilt als Hardliner in Einwanderungsfragen und argumentiert häufig kompromisslos.

Renzo Ruf, Washington06.11.2026, 23.15 Uhr

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Trumps neuer Stabschef: Stephen Miller.

Trumps neuer Stabschef: Stephen Miller.

Annabelle Gordon / Reuters

Wechsel im Weissen Haus: Drei Tage nach dem Debakel, das die Republikaner bei den Zwischenwahlen erlebten, ernennt Donald Trump seinen treuesten Berater zum neuen Stabschef. Stephen Miller, 41 Jahre alt, soll ab kommenden Montag Susie Wiles ersetzen.

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Die bisherige Stabschefin wird gemäss einer Mitteilung des Präsidenten auf dem Onlinedienst Truth Social künftig für die «Trump Political Operation» tätig sein, für Trumps «politische Kampagne».

Susie Wiles soll dem Präsidenten am Donnerstag ihren Rücktritt angekündigt haben, meldeten amerikanische Medien. Noch kurz vor den Wahlen hatte Trump behauptet, ein Wechsel auf dem einflussreichen Posten sei nicht geplant – obwohl es nicht ungewöhnlich ist, dass der «Chief of Staff» nach knapp zwei Jahren kürzertreten will.

Trump soll geschätzt haben, wie stark Wiles die Arbeitsabläufe im Weissen Haus professionalisiert hat. Allerdings überging Trump Anfang Oktober seine Stabschefin, als er die desaströse Entscheidung traf, Katie Zacharia zu seiner neuen Pressesprecherin zu ernennen. Die unerfahrene TV-Kommentatorin musste schon nach einer Woche das Handtuch werfen, nach einem wackligen Auftritt im Weissen Haus und einem Skandal um ihren Lebenslauf.

Miller gilt als Polemiker

Trump verzichtete am Freitag darauf, die Personalie ausführlich zu kommentieren. Er lobte aber die Arbeit von Wiles und Miller. Zudem sagte er im Weissen Haus: «Ich wollte eine Veränderung herbeiführen. Manchmal muss man im Leben einen Schritt tun.»

Miller gehört seit 2016 zum innersten Zirkel des Präsidenten. Er trug zuletzt den Titel «Senior Advisor to the President», amtierte als Stellvertreter von Wiles und koordinierte die innen- und sicherheitspolitischen Vorstösse des Weissen Hauses. Als Millers Spezialgebiet gilt die Einwanderungspolitik: Das harte Vorgehen gegen Ausländer scheint seinem Geschmack zu entsprechen. Er verteidigte die Einsätze der Einwanderungspolizei ICE auch dann noch, als sich vor den Midterms einige Republikaner von ihnen distanzierten.

In Washington ist Miller als Streithahn bekannt. Seine regelmässigen Fernsehauftritte nutzt er, um die tatsächlichen und vermeintlichen politischen Gegner aufs Übelste zu beschimpfen. So sagte Miller zu Wochenbeginn auf Fox News: «Die Demokratische Partei hat klar gemacht, dass sie keine Zentristen will. Sie will Extremisten wie das Monster Hasan Piker, der für den Jihad ist, Amerika hasst und 9/11 unterstützt.» Piker ist ein linker Kommentator, der sich in den vergangenen Monaten immer wieder in interne Debatten eingemischt hat. Ein Amt in der Demokratischen Partei bekleidet er aber nicht.

Mit solch polemischen Wortmeldungen wurde Miller, der Trump seit mehr als zehn Jahren berät, an der Basis der «Make America Great Again»-Bewegung sehr beliebt. Die Fans des Präsidenten schätzen es, dass Miller kompromisslos vorgeht und sich nie für seine Aussagen entschuldigt. Seine Gattin Katie Miller verfolgt mit ihrem Podcast die gleiche Linie; die Sendung gilt als Pflichtprogramm für Verbündete des Präsidenten.

Ein klares Signal Trumps an die Basis

Die Ernennung von Miller ist also auch eine Kampfansage Trumps an die Demokraten, die im Januar im Repräsentantenhaus und im Senat wieder das Sagen haben werden. Miller gilt als Garant dafür, dass die Regierung nicht von ihrem Kurs abrückt, selbst in der neuen Machtkonstellation in Washington. Nach der Ankündigung Trumps schrieb er auf X: «Die Mission ist jetzt klarer denn je: Wir kämpfen mit unserer ganzen Seele dafür, unseren Präsidenten zu unterstützen und diese grossartige Republik zu verteidigen.»

President Trump is the most transformative political leader in American History — and he has single-handedly saved America from those who would destroy it.

It has been the privilege of my lifetime to have served on his team from Day One, and I am honored beyond words to serve…

— Stephen Miller (@StephenM) November 6, 2026

Allerdings ist Miller auch intern umstritten. Er hat sich in der Regierungsbürokratie in den vergangenen Jahren viele Feinde geschaffen, weil er sich in Geschäfte einmischt, die nicht in seinem Zuständigkeitsbereich liegen. So berichteten die Reporter Maggie Haberman und Jonathan Swan in ihrem Buch «Regime Change» darüber, wie Miller das Aussen- und Verteidigungsministerium für deren angeblich falsche Prioritäten kritisiert habe.

Laut Haberman und Swan hat Miller gesagt, dass der amerikanische Sicherheitsapparat sich auf das Heimatland konzentrieren solle. Konkret habe er den Einsatz von Streitkräften an der Grenze zu Mexiko oder in amerikanischen Städten gefordert. «Was wäre eine bessere Verwendung für unsere Marine?», wird Miller zitiert.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Renzo Ruf

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