Kritik wegen Abholzung Google rodet illegal Wald für Rechenzentrum in Finnland

Nach der Rodung von 250’000 Bäumen stehen die Bauarbeiten still. Die Regierung plant nun strengere Gesetze zum Waldschutz.

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Wo vor Kurzem noch 250’000 Bäume wuchsen, liegen heute Schlamm, Erde, einzelne Wurzeln und Äste. Google hat in Finnland illegal ein Waldstück abgeholzt, um ein Rechenzentrum zu bauen. Die gerodete Fläche entspricht rund 460 Fussballfeldern oder der gesamten Zürcher Altstadt.

Die Empörung in Finnland ist gross: 93’000 Personen haben eine Forderung unterschrieben, um entsprechende Gesetze zum Schutz des Waldes zu verschärfen.

Google verweist auf dringende Rechenkapazität

Google schreibt in einer Stellungnahme, man habe «bona fide», also in gutem Glauben, gehandelt und sei davon ausgegangen, alle Gesetze einzuhalten. Gleichzeitig begründet der Techkonzern die vorzeitigen Abholzungen mit der Dringlichkeit, möglichst schnell zusätzliche Rechenkapazität zu schaffen.

«Es geht darum, im internationalen Wettkampf um die künstliche Intelligenz mithalten zu können», erklärt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann die Argumentation des Unternehmens.

Es ist nicht das erste Mal, dass Google mit Abholzungen in Finnland für Kritik sorgt. Bereits vor sieben Jahren wurden auf dem Gelände des heutigen Rechenzentrums in Hamina, unweit der finnisch-russischen Grenze, Hunderttausende Bäume gefällt.

Schon damals habe das Vorgehen viel Kritik ausgelöst und der Umwelt nachweislich geschadet, sagt Kaufmann. Die Behörden hätten Google angesichts der Milliardeninvestitionen jedoch weitgehend gewähren lassen: «Sie haben damals eigentlich noch beide Augen zugemacht.»

Legende: Google hat ein Rechenzentrum im finnischen Muhos geplant. Der Wald auf dem Grundstück ist bereits gerodet. (29.9.2026) AFP/Alessandro Rampazzo

Im aktuellen Fall wird Google zwar nicht bestraft. Jedoch wurde jetzt jegliche Bautätigkeit auf dem Gelände gestoppt. Zudem wird laut Kaufmann eine Gesetzesänderung vorbereitet, damit solche Verstösse gegen die Umweltgesetze künftig bestraft werden können.

Rechenzentren werden zum Wahlkampfthema

Finnland bietet günstige Voraussetzungen für Rechenzentren: Das Land ist politisch sicher, geologisch stabil und hat ein kühles Klima, das die Kühlung der Anlagen erleichtert. Insgesamt hätte Finnland 145 Rechenzentren geplant.

Der Streit um Google könnte diese Pläne nun beeinflussen. Im kommenden April stehen Parlamentswahlen an. Die bürgerliche Regierung von Ministerpräsident Petteri Orpo kommt laut Meinungsumfragen auf weniger als 40 Prozent der Stimmen, die rot-grüne Opposition hingegen auf über 50 Prozent.

Legende: Google will innerhalb von zwei Jahren rund 12 Milliarden Franken in Finnland investieren. Teil davon sind neue Rechenzentren in Muhos. (Symbolbild) imago images/Scanpix/Sander Ilvest

«Deshalb wird jetzt erwartet, dass dieser Streit um die Rechenzentren amerikanischer Techfirmen diesen Trend hin zur Opposition noch verstärken dürfte», sagt Bruno Kaufmann. Auch deshalb stehe die Regierung unter Zugzwang.

Rendez-vous, 23.10.2026, 12:30 Uhr ;  srf/harm;mcep;liea

Source: SRF · 23.10.2026, 15:12

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