Krieg im Jemen «Kein Ort im Jemen ist mehr sicher»

Zwei Jemenitinnen berichten zwischen Bombenangriffen in der Hauptstadt Sanaa und von der ständigen Angst auf der Flucht in Aden.

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01.11.2026, 13:01

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Im Jemen sind Schüsse und Explosionen zum Alltag geworden. Die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen haben in den letzten Monaten grosse Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht und kämpfen gegen die von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen. Die Gewalt konzentriert sich auf strategische Orte wie die Stadt Tais, doch auch in der Hauptstadt Sanaa und der Hafenstadt Aden ist die Lage angespannt.

«Jeden Tag erlebe ich Luftschläge und Bombenangriffe», berichtet Lina über eine Internetverbindung aus der Hauptstadt Sanaa. Ihr richtiger Name wurde zu ihrem Schutz geändert. Manchmal bleibe ihr genug Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen, manchmal nicht.

Dann warte sie einfach ab, bis die Angriffe vorbei seien, in der Hoffnung, dass ihr Haus nicht getroffen werde. Wer genau die Bomben abwirft, wisse sie nicht. Es sei ihr auch egal, von wem die Bomben stammen, sagt sie. «Der Krieg muss aufhören. Die Menschen hier sind am Ende ihrer Kräfte.»

Alltag zwischen Angst und Gewalt

Neben der direkten militärischen Bedrohung leidet die Bevölkerung in Sanaa unter einer schweren humanitären Krise. Die Stadt ist weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten, es gelangen kaum noch Nahrung oder Medikamente hinein. Was es zu kaufen gibt, ist nur zu Wucherpreisen erhältlich.

Legende: Jemen kommt nicht zur Ruhe. Die Kämpfe zwischen Huthi-Milizen und den Regierungstruppen gehen weiter – ein Stellvertreterkrieg. (24.10.2026) REUTERS/Khaled Abdullah

Am meisten fürchtet sich Lina jedoch vor unkontrollierter Gewalt auf den Strassen. «Man muss jederzeit mit Strassenkämpfen rechnen. Praktisch alle Männer tragen Waffen, selbst zehnjährige Kinder sieht man damit hantieren.»

Eine Flucht ist für Lina, die mit ihren Kindern und Eltern in Sanaa festsitzt, unmöglich. Der Flughafen und die Grenzen seien geschlossen, die Strassen in die von der Regierung kontrollierten Gebiete blockiert und zu gefährlich.

Die endlose Flucht durch den Jemen

Eine, die fliehen konnte, ist Fazia. Auch ihr Name wurde hier geändert. Sie ist bereits zum dritten Mal auf der Flucht vor den Huthis. Zuerst floh sie von Sanaa nach Taez. Und als die Kämpfe dort begannen, weiter nach Aden, wo die international anerkannte Regierung ihren Sitz hat.

Doch selbst dort fühlt sie sich nicht sicher. Die Huthis haben in den letzten Tagen mehrere Angriffe auf die Hafenstadt, den internationalen Flughafen, den Regierungssitz und mehrere Militäranlagen verübt. «Die Lage kann jederzeit kippen», sagt Fazia besorgt. Sollten die Angriffe zunehmen, müsse sie erneut fliehen – doch wohin? «Kein Ort im Jemen ist sicher.»

Der Krieg im Jemen hat seine Wurzeln im Arabischen Frühling 2011. Nach Massenprotesten musste der langjährige Präsident Ali Abdullah Saleh die Macht abgeben. In dem darauffolgenden Machtvakuum eroberten die Huthi-Milizen, eine schiitische Rebellengruppe aus dem Norden, 2014 die Hauptstadt Sanaa. 2015 griff eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition aufseiten der international anerkannten Regierung in den Konflikt ein.

Es folgte ein langer Bürgerkrieg, der 2022 in einem brüchigen Waffenstillstand mündete. Im Juli dieses Jahres flammte der Krieg wieder auf, da Saudi-Arabien den für die Huthis wichtigen Flughafen in Sanaa bombardiert hatte. Mit der Unterstützung des Irans sind die Huthi-Milizen daraufhin in die Küstengebiete am Roten Meer vorgerückt. Dies, um vor allem die Meerenge von Bab al-Mandab zu kontrollieren.

Unter der Herrschaft der Huthis zu leben, wie Lina es tut, kann sich Fazia nicht vorstellen. Die Milizen folgten einem klaren Grundsatz: «Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.» Nur einigen wenigen, die sich mit den Huthis arrangiert hätten, gehe es heute besser. Wer sich ihnen nicht anschliesse, lebe in Armut, stehe unter ständiger Beobachtung und könne jederzeit festgenommen werden.

Auch Lina in Sanaa ist verzweifelt. Die Huthis kümmerten sich nicht um die Menschen. «Lehrerinnen und Lehrer erhalten seit über zehn Jahren keinen Lohn mehr, nur gelegentlich einen Sack Mehl oder Reis.» Ihr einziger Wunsch sei, dass die Huthis verschwinden und die Menschen in Ruhe liessen. «Ich wünsche mir eine Regierung, die den Menschen mit Respekt begegnet.» Eine Aussage, für die die Jemenitin in der aktuellen Situation im Gefängnis landen könnte.

Rendez-vous, 28.10.26, 12:30 Uhr

Source: SRF · Thomas Gutersohn

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