«Konzentrierter Energieschock»: Überall steigt die Inflation – jetzt auch in der Schweiz
Im Oktober ist die Teuerung in der Schweiz um 1,5 Prozent gegenüber demselben Vorjahresmonat nach oben geschnellt. Ökonomen sehen aber keine breit abgestützte Inflation – und machen die hohen Energiepreise und den Franken dafür verantwortlich.
03.11.2026, 13.27 Uhr
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Ökonomen sehen den vorübergehend schwächeren Franken als mitverantwortlich für den Anstieg der Inflation in der Schweiz im Oktober.
Keystone
Die Inflation in der Schweiz ist im Oktober nach oben geschnellt. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat stieg die Teuerung um 1,5 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik am Dienstag mitgeteilt hat. Im September hatte sie noch 1 Prozent betragen.
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Der Anstieg ist vor allem auf die höheren Preise für Heizöl, Benzin und Diesel zurückzuführen. Ein besonders starker Anstieg war beim Heizöl zu beobachten, das im Oktober 81,4 Prozent mehr kostete als im selben Vorjahresmonat. Der Preis für Benzin stieg um 26,5 Prozent und der für Diesel um 36,9 Prozent an.
Bei den meisten anderen Ausgaben waren die Preissteigerungen deutlich geringer, teilweise gingen sie sogar zurück – wie beispielsweise die Preise für ambulante ärztliche Leistungen der Arztpraxen.
Haushalte mit hohem Energieverbrauch spüren Preisdruck
Erdölprodukte machten nur 2,1 Prozent des Warenkorbs aus, erklärten aber fast 85 Prozent des monatlichen Anstiegs des Gesamtindex, kommentierte Arthur Jurus, Anlagechef im Private Wealth Management der Bank Oddo BHF in der Schweiz. Haushalte mit einem hohen Energieverbrauch seien folglich deutlich stärkerem Preisdruck ausgesetzt als andere.
Die Entwicklung der Konsumentenpreise in der Schweiz folgt internationalen Trends, wenn auch die Teuerung hierzulande deutlich niedriger ist. In der Euro-Zone lag die Inflationsrate im September bei 3,8 Prozent und war damit fast doppelt so hoch wie der Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). In den USA betrug sie im September 3,7 Prozent.
Die jüngste Zunahme der Teuerung in der Schweiz wird indessen nicht als Startschuss für einen Anstieg in ähnliche Höhen interpretiert. Laut Jurus wird der Preisanstieg hauptsächlich durch Energie und nicht durch eine Überhitzung der Schweizer Wirtschaft verursacht. Ohne Erdölprodukte liege die Inflation im Jahresvergleich bei lediglich 0,6 Prozent. Es handle sich folglich nicht um eine breit abgestützte Inflation, sondern um einen «konzentrierten Energieschock».
Aus dem Ausland importierte Inflation
Zudem kam der Inflationsdruck vor allem aus dem Ausland. Die Preise importierter Waren und Dienstleistungen legten im Oktober im Jahresvergleich um 3,7 Prozent zu, bei den inländischen Produkten waren es hingegen nur 0,8 Prozent.
Laut Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, dürfte dabei auch der vorübergehend etwas schwächere Franken eine wichtige Rolle gespielt haben. Im September wurden für einen Euro teilweise fast 0,95 Franken bezahlt. «Wenn der Franken weniger stark ist, zeigt sich dies in höheren Importpreisen», sagt Stucki. Bei der jüngsten Inflationsrate für die Schweiz habe der Franken nicht wie sonst eine Entlastung, sondern sogar einen Schub gebracht.
Unlängst hat der Franken gegenüber Euro und Dollar aber bereits wieder zugelegt. Am Dienstag wurden für einen Euro 0,9154 Franken bezahlt, für einen Dollar 0,8187 Franken. «Folglich dürfte der Franken bald schon wieder inflationsdämpfend wirken», erwartet Stucki.
Bei den Inflationszahlen für Oktober kommen laut dem SGKB-Ökonomen auch Basiseffekte zur Geltung. Im vergangenen Herbst sanken die Konsumentenpreise in der Schweiz vorübergehend. Der Anstieg der Inflation von 1,5 Prozent im Oktober dieses Jahres gegenüber demselben Vorjahresmonat erfolgt folglich von einer niedrigeren Basis aus.
Wenn die Energiepreise auf dem derzeitigen Niveau stabil bleiben sollten, geht Stucki davon aus, dass sich die Inflationsentwicklung relativieren dürfte. Der Anstieg der Inflationsrate könnte indessen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Möglichkeit eröffnen, von den Nullzinsen wegzukommen, erwartet Stucki. Der Leitzins der SNB steht derzeit bei null Prozent. Für die geldpolitische Lagebeurteilung am 10. Dezember sei zwar keine Zinserhöhung zu erwarten, aber möglicherweise für März oder Juni.
Jurus rechnet indessen damit, dass der SNB-Leitzins im Dezember und bis Ende 2027 bei null Prozent bleibt. Mit 1,5 Prozent liege die Inflation weiterhin innerhalb des von der Nationalbank definierten Bereichs der Preisstabilität und die Kerninflation zeige keine Anzeichen einer Beschleunigung. Bei der Berechnung der Kerninflation werden Bereiche mit besonders volatilen Preisen aus dem Warenkorb ausgeklammert.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Michael Ferber
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